Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nervenkrebs: Ursache für Therapie-Resistenz entdeckt

30.05.2006


Neuer Ansatz soll Erfolg der Chemotherapie verbessern



Das Neuroblastom ist eine der häufigsten Krebserkrankungen im Kindesalter. Wird diese bösartige Erkrankung der Nervenzellen früh genug erkannt, sind die Heilungschancen gut. Hat der Tumor jedoch schon im Körper gestreut, kann nur etwa ein Viertel der Kinder geheilt werden. Forscher der Universitätskinderklinik Düsseldorf haben festgestellt, warum manche Tumorzellen nicht auf die Chemotherapie ansprechen: Sie pumpen das über die Blutbahn zugeführte Medikament wieder aus dem Tumor heraus. Die Deutsche Krebshilfe hat das Projekt mit 80.000 Euro gefördert. Nun wollen die Wissenschaftler eine Therapiemethode entwickeln, die diese Zellen gezielt bekämpft und so die Wirkung der Chemotherapie verbessert.



"So genannte SP-Zellen können beim Neuroblastom zur Therapie-Resistenz führen, weil sie die Chemotherapeutika wieder aus der Zelle entfernen", erläutert Dr. Charlotte Hirschmann-Jax, Leiterin des Forschungsprojekts an der Universitätskinderklinik Düsseldorf. "Diese Zellen bilden eine spezielle Zellgruppe im Tumor und sind vermutlich auch für sein Wachstum verantwortlich: Als so genannte Tumorstammzellen wachsen sie besonders schnell und können neue Krebszellen hervorbringen." Die Abkürzung "SP" steht für "side population" (Seitenpopulation), da die Zellen in der bildlichen Darstellung nach einer Anfärbung einen randständigen Schweif neben den übrigen Zellen bilden.

"Bei mehr als zwei Drittel der Neuroblastom-Patienten, bei denen die Erkrankung nach einer Therapie wieder aufgetreten ist, haben wir SP-Zellen entdeckt", berichtet Hirschmann-Jax. Damit hat ihre Arbeitsgruppe erstmals solche widerstandsfähigen Zellen beim Neuroblastom nachgewiesen. Nun möchten die Wissenschaftler den Transportmechanismus für die Chemotherapeutika in den SP-Zellen näher erforschen. Ihr Ziel ist es, einen Therapieansatz zu entwickeln, der diesen Vorgang gezielt blockiert, so dass die Krebsmedikamenten in den Zellen verbleiben und ihre Wirkung entfalten können.

Als Zielstruktur haben die Forscher bereits spezielle Oberflächenmoleküle der SP-Zellen im Visier. Dies sind Transporteiweiße, die vermehrt auf den Zellen vorkommen. Sie sind vermutlich die eigentlichen "Pumpen" der SP-Zellen. "Durch eine gezielte Blockade dieser Transportgehilfen könnte somit indirekt die Wirkung der Chemotherapie erhöht werden", hofft Hirschmann-Jax. Dadurch könne das Krebswachstum eingedämmt und die gefährliche Ausbreitung der entarteten Nervenzellen weitgehend gestoppt werden. Da auch in anderen Tumoren - etwa der Brust oder der Lunge - Zellen mit den Eigenschaften von SP-Zellen vorkommen, ist ihr ungewöhnliches Verhalten auch von allgemeiner Bedeutung für die tumorbiologische Forschung und die klinische Praxis.

"Dieses Forschungsprojekt zeigt eindrucksvoll, dass die Ergebnisse der kliniknahen Grundlagenforschung von großer Bedeutung für den Patienten sind", erklärt Professor Dr. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe. "Die Grundlagenforschung fördert das Wissen darüber, wie Krebs entsteht und sich ausbreitet. Dieses Wissen bildet die Basis, um wirkungsvollere und gezieltere Therapien gegen Krebs zu entwickeln."

Infokasten: Krebs im Kindesalter

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 1.800 Kinder unter 15 Jahren an Krebs. In dieser Altersgruppe ist Krebs besonders bösartig: Die Tumorzellen vervielfachen sich rasend schnell. Am häufigsten werden Leukämien (Blutkrebs), Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Mehr als 90 Prozent aller krebskranken Kinder werden in kinderonkologischen Zentren und nach bundesweit einheitlichen Therapiekonzepten behandelt. Die Deutsche Krebshilfe finanziert fast alle derzeit in Deutschland laufenden Therapie-Optimierungsstudien bei Kindern. Diesen Studien ist es zu verdanken, dass heute fast 80 Prozent der betroffenen Kinder ihre Krebserkrankung überleben. Die Deutsche Krebshilfe gibt den allgemeinverständlichen Ratgeber "Krebs im Kindesalter" heraus, der kostenlos bestellt werden kann: Deutsche Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn, oder im Internet unter www.krebshilfe.de (pdf-Datei).

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Chemotherapie Neuroblastom SP-Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie