Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MRT bei herzkranken Kindern: Bewährtes Verfahren vor dem Aus?

26.05.2006


Jedes hundertste Kind in Deutschland wird mit einem Herzfehler geboren. Regelmäßige Untersuchungen gehören für diese Kinder zum Alltag. Um die kleinen Patienten nicht unnötig zu belasten, sollten besonders sanfte Diagnoseverfahren eingesetzt werden. Ein immer größerer Stellenwert kommt hierbei der Magnetresonanztomographie (MRT) zu. Das Verfahren ermöglicht Aufnahmen in höchster Qualität und verzichtet dabei auf Röntgenstrahlung. Doch eine EU-Richtlinie zum Arbeitsschutz könnte bald das Aus für viele MRT-Untersuchungen von Kindern bedeuten. Radiologen sehen diese Entwicklung mit Sorge und schlagen Alarm. Auf dem Deutschen Röntgenkongress wird das Thema derzeit heiß diskutiert.



Bei der Untersuchung des kindlichen Herzens stellt die Magnetresonanztomographie mittlerweile - nach dem Ultraschall - eine wichtige weiterführende Untersuchungsmethode dar. Säuglinge erhalten vor der MRT eine Narkose. Auch bei vielen älteren Kindern ist die Gabe eines Beruhigungsmittels nötig. In diesen Fällen ist immer ein Arzt und gelegentlich eine weitere Hilfsperson als Aufsicht im Untersuchungsraum zugegen. Bald schon könnte dies nicht mehr möglich sein. Eine 2004 erlassene EU-Richtlinie, die Arbeitnehmer vor unnötiger Belastung durch elektromagnetische Felder schützen soll, droht, den Einsatz der MRT bei Kindern massiv einzuschränken. Die in der Direktive vorgesehenen Grenzwerte sind so niedrig gehalten, dass das Verfahren nicht mehr im Beisein einer Hilfsperson durchgeführt werden könnte. Damit käme es für viele Kinder nicht mehr in Frage.



"Die EU-Richtlinie, die aus völlig anderen Gründen - Stichwort Handynutzung - erlassen wurde, trifft nun fatalerweise die Medizin. Sollte sie in der gegenwärtigen Form in nationales Recht umgesetzt werden, müssten wir Radiologen wieder mehr röntgen. Doch das sollte bei Kindern nur in Ausnahmefällen geschehen", erklärt Prof. Dr. Gerhard Alzen, Leiter der Abteilung Kinderradiologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Helfen könnte hier eine Ausnahmeregelung, die die Situation für die Radiologie entschärft. Um diese zu erwirken, hat die European Association of Radiology (EAR) bereits bei der entsprechenden EU-Kommission vorgesprochen. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

Zahlreiche Vorteile sprechen für die MRT. Das Verfahren ermöglicht das Erstellen beliebig großer Bildausschnitte, die auch ein weiterbehandelnder Arzt problemlos interpretieren kann. Ultraschallaufnahmen dagegen können häufig nur vom untersuchenden Arzt selbst angemessen beurteilt werden. Die MRT, bei der Magnetfelder und Radiowellen eingesetzt werden, liefert jedoch nicht nur exzellent aufgelöste Bilder, sie ist auch eine sehr sanfte Methode. "Als nicht-invasives Verfahren ist die MRT viel risikoärmer als eine Herzkatheteruntersuchung. Im Gegensatz zur Computertomographie kommt sie ohne belastende Röntgenstrahlen aus.", so Prof. Alzen.

Pressekontakt:
Katrin Thormeier & Silke Stark
ipse Communication
Tel.: 030 288846-14 bzw. -11
Fax: 030 288846-46
Mail: k.thormeier@ipse.de bzw. s.stark@ipse.de

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.roentgenkongress.de
http://www.ipse.de/RoeKo2006/index.php

Weitere Berichte zu: MRT Magnetresonanztomographie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten