Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Blick ins Unbewusste: Das Gehirn und die Automarke

23.05.2006


Weshalb fährst Du gerade dieses Auto? Warum greifst Du immer wieder zur selben Turnschuhmarke? Wirkt autogenes Training tatsächlich? Und welche Prozesse laufen dabei im menschlichen Hirn ab? Was dem Laien noch ein Rätsel ist, können Radiologen immer besser durchschauen. Denn inzwischen lassen sich selbst unbewusste Motivationen und Präferenzen mit Bild gebenden Verfahren sichtbar machen. Wissenschaftler der noch jungen Disziplin Neuromarketing können wohl bald nachvollziehen, nach welchen Mustern unser Hirn Kaufverhalten steuert. Wird damit das menschliche Hirn bald ganz durchsichtig sein? Diese und andere Fragen stellen sich derzeit die 7.000 Teilnehmer des 87. Deutschen Röntgenkongresses in Berlin. Auf jeden Fall ist ein Trend sichtbar: Radiologen mischen immer mehr in der Marktforschung mit.



Was der Texanische Neuroforscher Read Montague bereits in den 70er Jahren beim Vergleich zwischen Coca- und Pepsi-Cola mit dem Kernspintomographen zu entschlüsseln versuchte, ist heute aktueller denn je. Mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) holen Radiologen unbewusste Motivationen auf den Bildschirm und bringen ihre Erkenntnisse in die Marktforschung ein. Mittlerweile hat sich daraus eine selbständige Disziplin entwickelt - das Neuromarketing. Kürzlich untersuchte die Forschungsgruppe für Neurowissenschaften & Marketing am Klinikum der Universität München mit der funktionellen MRT die Wahrnehmung von Auto- und Turnschuhmarken. "Mit der präzisen Abbildung des Blutsauerstoffgehalts in den verschiedenen Hirnregionen konnten wir nachweisen, dass starke Produktmarken Bereiche aktivieren, die eine zentrale Rolle beim positiven emotionalen Bewerten von Handlungen spielen. Bei schwachen Marken werden diese eher gehemmt", erläutert die Radiologin Dr. Christine Born das Experiment. Zudem gibt es Unterschiede im Markenempfinden zwischen Männern und Frauen. Dies belegt einmal mehr, dass Frauen z.B. andere Werbeinhalte angeboten werden müssen als Männern.

... mehr zu:
»Hirn


Haben wir bald den gläsernen Konsumenten? Die schnelle technologische Entwicklung gibt Anlass zu dieser Vermutung: Durch das Messen von Hirnaktivitäten mit Bild gebenden Verfahren können Radiologen erstmals die Blackbox zwischen Reizaufnahme und Verhaltensäußerung entschlüsseln. Mit der funktionellen MRT steht ihnen eine Methode zur Verfügung, mit der sich durch hoch aufgelöste Bilder kognitive Vorgänge - wie Wahrnehmungen und Gefühle - darstellen lassen. "Radiologen gewinnen täglich neue Erkenntnisse im Bereich der Neurowissenschaften und werden zukünftig einen beachtlichen Teil zur Marktforschung beitragen", kommentiert Dr. Born die Entwicklungen in der Radiologie.

Auch Ergebnisse eines Experimentes an der Universitätsklinik in Essen belegen die rasante Entwicklung. Die Mitarbeiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie führten eine Studie zu Auswirkungen von autogenem Training durch. Probanden mit und ohne Kenntnisse in autogenem Training sollten sich unter MRT-Kontrolle vorstellen, dass sie ihren rechten Arm bewegten bzw. dass dieser schwer und warm werde. Die Teilnehmer, die autogenes Training beherrschten, zeigten eine Aktivierung der motorischen und sensiblen Areale des Gehirns. Teilnehmer ohne Erfahrung hingegen wiesen keinerlei Aktivität auf. "Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass erlernte Entspannungstechniken nicht einfach nur Hokuspokus sind. Sie haben tatsächlich messbare Auswirkungen auf den menschlichen Körper, die sich präzise im Gehirn erkennen lassen", wertet Prof. Dr. Michael Forsting, Direktor des Essener Instituts, die Studienresultate.

Pressekontakt:
Katrin Thormeier & Silke Stark
ipse Communication
Tel.: 030 288846-14 bzw. -11
Fax: 030 288846-46
Mail: k.thormeier@ipse.de bzw. s.stark@ipse.de

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.ipse.de/RoeKo2006/index.php
http://www.roentgenkongress.de

Weitere Berichte zu: Hirn

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie