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Neues Herzhormon entdeckt

16.11.2001


MEDIZINISCHE FAKULTÄT DER HUMBOLDT - UNIVERSITÄT ZU BERLIN

Auswirkungen auf Diagnostik und Therapie der Herzinsuffizienz

Der diesjährige Forschungspreis der Charité geht an Dr. Thomas Dschietzig aus der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Karl Stangl an der "Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie, Angiologie und Pulmologie" der Charité. Die Ehrung ist mit einer Fördersumme von DM 5000,- verbunden und wird dem Preisträger im Rahmen seines öffentlichen Vortrags am
20.November in der sog. "Ruine" im Institut für Pathologie der Charité
am Campus Mitte, Schumannstr. 20/ 21 in 10117 Berlin verliehen.

Die fortschreitende Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz), die wegen der abnehmenden Pumpkraft des Herzens Auswirkungen auf zahlreiche Organe des Menschen hat, kann bis heute nur unzureichend behandelt werden. Fünf Jahre nach der Diagnosestellung lebt nur noch etwa ein Drittel der Betroffenen.
Jetzt ist es der Arbeitsgruppe um Professor Karl Stangl gelungen, ein Hormon erstmals im Herzen und in den Blutgefäßen des Menschen nachzuweisen, das als natürlicher Schutzmechanismus des Herzmuskels bei fortschreitender Herzinsuffizienz wirkt: Es handelt sich um das Polypeptid "Relaxin", das seit langem als "Schwangerschaftshormon" bei der Frau bekannt ist und beim Mann in geringem Maße auch in der Prostata vorkommt. In der Schwangerschaft lockert Relaxin das Gewebe im Geburtskanal und bereitet die Brustdrüse auf den Stillvorgang vor. weiter S.2

Die Charité-Arbeitsgruppe konnte nun zeigen, dass dieses Hormon auch im Herzmuskel von Patienten mit Herzschwäche gebildet wird und über die Herzvenen in den Körperkreislauf abgegeben wird, wo es auch quantitativ gemessen werden kann.
Das Signal zur Ausschüttung von Relaxin ist die krankhaft steigende Dehnung der Herzwand. Dabei wird, so fanden die Forscher weiter heraus, um so mehr Relaxin freigesetzt, je stärker die Herzschwäche ausgeprägt ist. Relaxin hemmt die mit der Drucksteigerung verbundene Vermehrung von Bindegewebszellen im Herzmuskelgewebe.
Unter dem Einfluss des Hormons schwächt sich außerdem die Wirkung von Substanzen (wie Katecholaminen, Angiotensin II und Endothelin1) ab, die zur gefürchteten Engstellung der Gefäße bei Herzinsuffizienz führen. Die durch Relaxin erzielte Gefäßerweiterung wirkt sich auch günstig auf die Funktion der Niere aus, die dadurch Salz und Wasser besser ausscheiden kann.
Die Bedeutung der überraschenden Befunde spiegelt sich in der Publikation der entsprechenden wissenschaftlichen Arbeit in der angesehenen Fachzeitschrift "The FASEB Journal"(2001 [15] 2187-2195). Die Forscher erwarten, dass die Pharmaindustrie das Relaxin alsbald sowohl für die Diagnostik als auch für die Therapie der Herzinsuffizienz "entdecken" wird.
( Die preiswürdige Publikation kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden. )
Silvia Schattenfroh

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

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