Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cholesterinsenker retten verletzte Nervenzellen

27.04.2006


Jenaer Neurologen belegen Schutzfunktion von Statinen nach Schlaganfall und Hirnverletzung



Sie gelten weltweit als übliche Cholesterinsenker - die als "Statine" bekannten Cholesterin-Synthese-Enzym-Hemmer (CSE-Hemmer). Ihren Bluttfett senkenden Effekt verdanken diese Wirkstoffe der Blockierung der Cholesterinbildung in der Leber, indem das dafür notwendige Enzym in seiner Wirkung gehemmt wird. Mit der so erreichten Senkung der Blutfette wird auch das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls als Folge einer Arteriosklerose verringert.



In den letzten Jahren zeigte sich, dass Statine selbst dann noch günstige Wirkungen entfalten, wenn die Blutfettwerte gar nicht erhöht sind, sondern im Normbereich liegen. Diese so genannten "pleiotropen" Effekte werden vermutlich nicht über eine Hemmung der Cholesterinsynthese vermittelt, sondern über andere Stoffwechselwege. So scheinen Statine auch entzündungshemmend und antioxidativ zu wirken und die Wände der Blutgefäße zu schützen. Allerdings wird bislang nicht gut verstanden, wie diese Wirkungen in den Zellen vermittelt werden.

Belege für weitere Schutzfunktion

Jenaer Neurologen haben jetzt Belege für einen weiteren Schutzeffekt von Statinen bei Nervenzellen gefunden. In einer Studie am Uniklinikum Jena konnten die Forscher um den Neurologen Prof. Dr. Stefan Isenmann zeigen, das Statine auch bei Verletzungen des Zentralen Nervensystems wirksam sind. Durch die Gabe von Simvastatin, einem Medikament aus der Statingruppe, konnten nach Verletzungen von Nervenbahnen im Gehirn geschädigte Nervenzellen vor dem Absterben gerettet werden. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass bei Hirnverletzungen und Schädigungen von Nervenzellen Statine schützend wirken können", erklärt Prof. Isenmann. Dieser Effekt sei darauf zurückzuführen, dass Statine offenbar generell entzündungshemmend wirken und geeignet sind, Blutgefäße zu schützen. "An der Nervenzell-schützenden Wirkung der Statine sind so genannte Hitzeschock-Proteine beteiligt", erläutert Isenmann die Mechanismen der zellulären Schutzreaktionen. Von diesen Eiweißstoffen ist bereits bekannt, dass sie gefährdete Zellen schützen können. Isenmann: "Es ist aber nicht möglich, solche Hitzeschock-Proteine nach einer Verletzung oder beispielsweise nach einem Schlaganfall schnell in die geschädigten Nervenzellen hineinzubringen." Durch die schnelle Verabreichung von Statinen könnten aber offenbar diese Schutzproteine aktiviert werden - und so auch eine Rettung gefährdeter Nervenzellen erreicht werden.

"Ob und wie diese Forschungserkenntnisse sich jetzt in konkrete Akut-Therapien, beispielsweise bei Schädel-Hirn-Verletzungen umsetzen lassen, muss erst durch weitere Studien geklärt werden", dämpft Prof. Isenmann die Erwartungen einer schnellen Umsetzung in der Praxis. Auf lange Sicht denkbar wäre es aber, dass die von den Jenaern belegte Schutzfunktion auch in der Therapie von Alzheimer, Multipler Sklerose und verschiedener Augenerkrankungen eingesetzt werden könnte.

Bereits heute im Einsatz sind Statine am Jenaer Uniklinikum bei der Behandlung von Herzinfarkt-, Gefäß- und Schlaganfall-Patienten. In der Klinik für Neurologie werden sie bei Schlaganfällen frühzeitig verabreicht, um die Schädigungen des Gehirns möglichst gering zu halten und das Risiko weiterer Durchblutungsstörungen zu verringern.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Stefan Isenmann
Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/9323410
E-Mail: stefan.isenmann@med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Berichte zu: Nervenzelle Neurologie Schlaganfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

nachricht Neue Risikofaktoren für Angsterkrankungen
22.02.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften