Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Seltene Nebenwirkungen von Arzneimitteln früher erkennen

26.04.2006


Arzneimittel sollen künftig wirksamer und sicherer werden. Mit diesem Ziel, haben sich Forscher aus der pharmazeutischen Industrie und aus Universitäten zu einem Konsortium zusammengeschlossen, das von der Europäischen Union gefördert wird. Mit dabei sind die Toxikologen Professor Wolfgang Dekant und Angela Mally von der Uni Würzburg. Ihr Projekt "InnoMed" wird mit 465.700 Euro gefördert.



Bevor ein neues Medikament auf den Markt kommt, müssen seine Wirksamkeit und Unbedenklichkeit eingehend getestet werden - zunächst an Versuchstieren, später auch an Menschen. Ohne solche toxikologischen Prüfungen kann kein Arzneimittel zugelassen werden. "Trotz dieser umfangreichen Tests kommt es aber immer wieder vor, dass bereits zugelassene Arzneimittel wegen unvorhergesehener Nebenwirkungen doch noch vom Markt genommen werden müssen. Das haben zum Beispiel die weltweiten Rückrufaktionen von Vioxx und Lipobay gezeigt", sagt Dekant.

... mehr zu:
»Toxikologe


Warum das so ist? Der Würzburger Professor nennt dafür mehrere Gründe. Nicht immer seien Befunde aus Tierversuchen uneingeschränkt auf den Menschen übertragbar. Außerdem erfolgen die ersten Tests am Menschen immer mit relativ wenigen Patienten. Seltene Nebenwirkungen können darum bei der Arzneimittelprüfung nicht oder nur unzureichend erfasst werden - sie werden manchmal erst dann erkannt, wenn sehr viele Patienten das Medikament nehmen, also nach der Marktzulassung. Ein weiterer Punkt: Häufig treten unerwünschte Wirkungen erst bei einer Dauertherapie oder in Kombination mit anderen Arzneimitteln auf.

Auf Initiative der Europäischen Vereinigung der Arzneimittelhersteller (EFPIA) haben sich nun Toxikologen aus Industrie und Universitäten zusammengetan. Sie wollen neue Methoden anwenden, um unerwünschte Wirkungen von potenziellen Arzneimitteln künftig früher und zuverlässiger erkennen zu können. Das Projekt wird von der Europäischen Union und der Pharmaindustrie gemeinsam getragen.

Die Toxikologen arbeiten dabei mit Arzneistoffen, die sich während der Arzneimittelentwicklung als schädlich für Leber und Nieren erwiesen und deshalb nicht für die Anwendung am Menschen in Betracht gezogen wurden. Wolfgang Dekant und Angela Mally untersuchen nun, wie diese Wirkstoffe in besonderer Weise Gene und Proteine beeinflussen. Ihre Hoffnung: Lassen sich solche Effekte feststellen, dann könnte man mit ihrer Hilfe bei Arzneimitteltests künftig früher einschätzen, ob mit einer Schädigung von Leber und Nieren zu rechnen ist und nur solche Mittel entwickeln, welche diese Nebenwirkungen nicht aufweisen. Laut Mally sind Leber- und Nierenschäden nämlich am häufigsten dafür verantwortlich, dass Arzneimittel zurückgezogen werden müssen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Wolfgang Dekant, T (0931) 201-48449, E-Mail:
dekant@toxi.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Toxikologe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE