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Neue Chancen bei Virushepatitis und lymphatischer Leukämie

07.11.2001


Das wissenschaftliche Programm des Bayerischen Internisten-Kongresses vom 16.-18. November wird in diesem Jahr von den internistischen Kliniken des Klinikums der Universität München, Großhadern, und den Münchner akademischen Lehrkrankenhäusern gestaltet. Nach dem bewährten Konzept des Bayerischen Internisten-Kongresses werden zu den Themen Kardiologie, Nephrologie und Pneumologie, zu den Therapiefortschritten in der Gastroenterologie/Hepatologie und bei Stoffwechselerkrankungen, zu neuen Perspektiven in der Behandlung maligner Lymphome und zur Frühtherapie und Prävention im Bereich Stoffwechsel und Gefäße, neue, geprüfte wissenschaftliche Erkenntnisse und für die Praxis des Internisten umsetzbare Informationen geboten.

DAS KONZEPT DES BAYERISCHEN INTERNISTENKONGRESSES

Es besteht kein Zweifel darüber, dass in Anbetracht der sich ständig steigernden Geschwindigkeit des wissenschaftlichen Fortschrittes eine ständige Fortbildung unentbehrlich ist. Dazu kommen in wachsendem Ausmaß Aspekte der Administration und Ökonomie. Angebote zur Fortbildung in jeder Form, einschließlich der modernen elektronischen Medien gibt es genügend. Es werden auch immer wieder neue Ideen geprüft, Fortbildungsinhalte zu vermitteln. Erstaunlicherweise ist ein sehr einfaches, konservatives Konzept, nämlich das des Bayerischen Internisten-Kongresses, seit Jahrzehnten uneingeschränkt erfolgreich. Es hat sogar den Anschein, dass der Erfolg dieser Serie eher noch zunimmt, wenn man dies an der Akzeptanz, d. h. an den über Jahren zunehmenden Zuhörerzahlen nicht nur aus den Reihen der Internisten, sondern der gesamten konservativen Medizin messen darf.

Dieses Konzept ist wohl deswegen so einfach, weil es gleichzeitig frappierend schlüssig ist: Während in alten Zeiten die medizinische Ausbildung in der Alma Mater, gefestigt durch die praktische Arbeit, für eine ganze Berufszeit ausreichte, kommt es in unserer Zeit alle 5 bis 10 Jahre zu fundamentalen Innovationen. Besonders in der Therapie kann es in noch kürzeren Zeitabständen zu Neuerungen kommen; zwei bedeutende Neuerungen sind in dieser Pressemitteilungen aufgeführt.

Eine jährliche umfassende Fortbildung entspricht daher durchaus den gegebenen Notwendigkeiten. Immer wieder stellt sich die Aufgabe zu überprüfen, was neu ist, was sich bewährt hat und was inzwischen obsolet ist. Die Aufgabe einer solchen Fortbildung liegt wohlbegründet in der Hand der Institutionen, die einerseits durch ihren Lehrauftrag die Ausbildung in der Medizin vermitteln und die durch ihren Auftrag für Forschung andererseits die neuen Entwicklungen tragen und die gewonnenen Erfahrungen vermitteln können, d.h. in der Hand der Medizinischen Fakultäten unserer Universitäten.

Nun schon zum 5. Male wird parallel zum wissenschaftlichen Programm eine Veranstaltung für Patienten und deren Angehörige, diesmal zum Thema "Diabetes aktuell" durchgeführt. Die bisherigen Erfolge solcher Veranstaltungen zeigen das große Bedürfnis des Patienten nach wissenschaftlich fundierter Information und fördern das gegenseitige Verständnis von Arzt und Patienten im Sinne einer verbesserten Compliance zu diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen.

VIRUSHEPATITIS - NEUE CHANCEN FÜR DIE KRANKE LEBER

Über 2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Erkrankungen der Leber. Bei Männern mittleren Alters sind Lebererkrankungen die dritthäufigste Todesursache. Mit zu den häufigsten Ursachen solcher Erkrankungen gehören Infektionen mit Hepatitis B und C. Hier gibt es wesentliche Fortschritte in der Behandlung: Bei chronischer Hepatitis B kann Lamivudine eine nebenwirkungsarme Alternative zu Interferon-alfa darstellen. Dies trifft insbesondere für Patienten mit Zirrhose oder Interferon Therapieversagen zu. Die Ansprechrate von Patienten mit chronischer Hepatitis C kann durch eine Kombinationsbehandlung aus PEG-Interferon und dem Nukleosidanalogon Ribavirin verdoppelt werden, diese neue Behandlung verspricht gute Heilungschancen.
Die Dauer der Therapie richtet sich nach dem HCV-Genotyp und dem Nachweis (bzw. Fehlen) von weiteren ungünstigen prognostischen Indizies: hoher Virusspiegel, männliches Geschlecht, Zirrhose, Alter über 40 Jahre. Beim HCV-Genotyp 1 ist eine Behandlungsdauer von 12 Monaten zu empfehlen, beim Genotyp 2 oder 3 reichen 6 Monate aus, wenn mindestens zwei der o.g. ungünstigen Faktoren fehlen. Ein Therapieversagen ist meist nach 12 Wochen Behandlungsdauer vorhersagbar (HCV-PCR positiv, Transaminasen erhöht).
Chronische, nicht heilbare Lebererkrankungen führen zu einer Zirrhose, bei der die Leber in ihrer Funktion schwerst beeinträchtigt ist. Für Zirrhosepatienten ist eine Lebertransplantation der letzte Ausweg. Die Transplantation ist eine sehr erfolgreiche Behandlung mit Einjahresüberlebensraten um 90% und Fünfjahresüberlebensraten über 80%. Mit zunehmendem Organmangel sind neue Wege gesucht und gefunden worden: Split Transplantation (eine Leber für 2 Empfänger), Dominotransplantation und schließlich Leberlebendspende.
Diese neuen Konzepte stellen wesentliche Therapiefortschritte in der Hepatologie dar.

NEUE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN BEI CHRONISCHER LYMPHATISCHER LEUKÄMIE

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist der häufigste Blutkrebs im Erwachsenenalter. Bislang ist die Erkrankung nicht heilbar. In den letzten Jahren ist jedoch ein erfreulich rasanter Fortschritt in den Behandlungsmöglichkeiten dieses Blutkrebs zu verzeichnen. Dieser Fortschritt ist bedeutender als das gesamte in den davor liegenden 50 Jahren gesammelte Wissen zu dieser Leukämie.

Eingeleitet wurde diese Entwicklung Ende der 80er Jahre durch Einführung neuer Medikamente, der sogenannten Purinanaloga (Beispiel: Fludarabin). Diese stellen heute einen wesentlichen Baustein in der Behandlung dar. In den letzten fünf Jahren kamen neue Verfahren zur individuellen Abschätzung des Risikos (molekulargenetische Untersuchung der Leukämiezellen auf bestimmte Chromosomenveränderungen, Bestimmung löslicher Serum-Eiweisse). Diese Verfahren erlauben, schnell und langsam verlaufende Formen dieser Leukämie zu unterscheiden.

Im Sommer 2001 wurde ein Antikörper (das Alemtuzumab), für die Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie zugelassen. Alemtuzumab hilft bei CLL auch dann noch in etwa der Hälfte der Patienten, wenn die Krankheit nicht mehr auf Chemotherapie anspricht. Weiterhin können heute auch Hochdosistherapien mit Stammzelltransplantation mit ausreichender Sicherheit durchgeführt werden. Dieses Verfahren ist allerdings noch experimentell und sollte daher nur im Rahmen von kontrollierten Behandlungsstudien erfolgen, um die Wirkungen und Nebenwirkungen schnell für die Fachwelt verfügbar zu machen. Zuletzt befinden sich derzeit über 20 neue Medikamente in der klinischen Entwicklung. Dazu gehört auch eine Immun-Gentherapie dieser Leukämie, wie sie derzeit in unserem Labor in Großhadern entwickelt wird. Eine Studie hierzu soll nächstes Jahr starten.

Fazit: Für Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie gibt es heute mehrere, hoffnungsvolle neue Behandlungsmöglichkeiten. Unter Ziel ist es, durch konsequente Prüfung dieser Möglichkeiten in Behandlungsstudien in den nächsten Jahren eine deutliche Verbesserung der Lebenserwartung und der Lebensqualität von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie zu erreichen.

S. Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http://idw-online.de/public/www.bayerischerinternistenkongress.de

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