Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selenmangel erhöht Krebsgefahr - aber wie?

07.11.2001


Funktion des Spurenelementes wird untersucht

Das Spurenelement Selen schützt den Körper vor Alterungsprozessen im Herz-Kreislauf-, Nerven- und Immunsystem. Außerdem beugen Selen-Verbindungen der Krebsentstehung vor: Hochreaktive Sauerstoffverbindungen werden durch Selenhaltige Enzyme abgebaut und unschädlich gemacht. Doch wie gelangt das Selen aus der Nahrung in die Schutzenzyme des Körpers? Wissenschaftler aus Würzburg vermuten, dass hierbei ein Selenreiches Protein im Blut eine Schlüsselrolle spielt. Die Forscher untersuchen jetzt die Bedeutung dieses Proteins für die Selen-abhängigen Schutzenzyme. Die Ergebnisse sollen wissenschaftliche Hinweise für die Wichtigkeit einer ausreichenden Selenversorgung und damit für den krebsvorbeugenden Effekt dieses Spurenelements liefern. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt die Arbeiten mit mehr als 500.000 Mark.

Eisen, Jod und Selen sind Spurenelemente. Mangelt es an diesen Nahrungsbestandteilen, können gravierende gesundheitliche Probleme die Folge sein. Selen ist Bestandteil von Schutzenzymen, die die Zelle vor dem Angriff hochreaktiver Sauerstoffverbindungen schützen. Attackieren diese Stoffe, auch Freie Radikale genannt, bestimmte Proteine oder gar die Erbsubstanz, kann deren Funktion zerstört und ein schnellerer Alterungsprozess in Gang gesetzt werden. Dies kann letztendlich zur Entstehung von Krebs führen.

Der Einsatz von Selen zur Krebs-Vorbeugung ist trotzdem nach wie vor umstritten. Verschiedene Studien liefern unterschiedliche Ergebnisse: Einige Untersuchungen führen zu dem Ergebnis, dass die Gabe zusätzlicher Selen-Präparate die Häufigkeit von Krebserkrankungen nicht mindert. Andere Studien sagen aus, dass eine erhöhte Selen-Zufuhr der Entstehung von Krebs in den unterschiedlichsten Organen, wie Dickdarm, Prostata und Lunge, effektiv vorbeugt. Um die Studienergebnisse zu verstehen, widmen sich Forscher von der Abteilung für Molekulare Innere Medizin in der Medizinischen Poliklinik Würzburg jetzt den molekularen Prozessen im Körper, an deren Ende die Synthese der Radikalfänger steht.

Die Arbeitsgruppe um Dr. Lutz Schomburg und Professor Dr. Josef Köhrle hat dabei ein ganz bestimmtes Protein im Visier, das als Bindeglied zwischen dem Selen in der Nahrung und dem Selen in den Schutzenzymen fungieren könnte: Dieses "Selenoprotein" wird als Transport-Eiweiß und als Reservoir für Selen gehandelt. Außerdem scheint es selbst den Angriff reaktiver Sauerstoffverbindungen abwehren zu können.

Um der Frage nachzugehen, ob dieses selenreiche Protein beim Syntheseprozess der Schutzenzyme und damit bei der Verhinderung von Krebs eine Schlüsselrolle spielt, schalten die Wissenschaftler das Gen für die Bildung des Proteins bei Versuchstieren gezielt aus. Sie wollen beobachten, ob diese Tiere vor dem Angriff durch reaktive Sauerstoffverbindungen schlechter geschützt sind. Anschließend werden sie analysieren, auf welche Mechanismen dies zurückzuführen ist. Außerdem untersuchen die Forscher, ob das Fehlen dieses Selenoproteins mit einer erhöhten Neigung zur Tumorbildung in den unterschiedlichsten Organen einhergeht. "Wir hoffen, dass unsere Versuche weitere Erkenntnisse liefern, warum eine ausreichende Selen-Versorgung unbedingt notwendig ist. Zudem wollen wir Strategien entwickeln, wie einer Minderversorgung mit Selen begegnet beziehungsweise ein Mangel an bestimmten Selenoproteinen behoben und damit der Krebsentstehung vorgebeugt werden kann", so Dr. Schomburg.

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

Weitere Berichte zu: Protein Schutzenzym Selen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften