Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Größtes EU-Forschungsprojekt zur Krebsdiagnostik

20.04.2006


Rechtzeitige und optimale Krebs-Therapien - das ist Ziel der jetzt etablierten EU-Forschungsinitiative OVCAD. Für dieses Ziel werden Proteine, Gen-Veränderungen und RNA identifiziert, die bereits zum Zeitpunkt der Krebs-Diagnose Aussagen über den späteren Krankheitsverlauf zulassen. Die beteiligten 15 Gruppen aus sechs Ländern werden dabei an der Medizinischen Universität Wien koordiniert und beginnen dort ihre Arbeit mit einem Eröffnungs-Treffen am 23. April. Mit einem Budget von über EUR 4.2 Mio. stellt diese Initiative das größte europäische Einzelprojekt zur frühzeitigen Krebsdiagnose dar, die zunächst auf drei Jahre angelegt ist.

Nicht alle Krebspatienten sprechen gleich gut auf ihre Therapie an. Für die Mediziner ist dies zunächst aber nicht erkennbar. Erst der Tumor selber liefert - nach einiger Zeit - Auskunft: ist er geschrumpft, so war die Therapie erfolgreich; ist er weiter gewachsen, hat die Therapie versagt - und der Patient lebenswichtige Zeit verloren.

Tumore ziehen molekulare Spuren

Die EU-Forschungsinitiative OVCAD wird nun diese Schwäche im Therapiekonzept angreifen. Dazu dessen Koordinator, der Naturwissenschafter Prof. Robert Zeillinger, Medizinische Universität Wien: "Selbst kleinste Tumore hinterlassen im Körper Spuren. Wir möchten lernen, diese Spuren zu finden und zu verstehen. Denn so können wir durch eine rasche und präzisere Diagnose frühzeitig über den Erfolg der Therapie Auskunft geben."

Die Spurensuche der Onkologen findet dabei auf molekularer Ebene statt: Molekulare Marker wie Proteine, Gen-Veränderungen und RNA erfahren bei Krebserkrankungen spezifische Anpassungen, die bereits im frühen Tumor-Stadium nachweisbar sind. Bisher fehlt aber eine systematische Untersuchung über einzelne Molekulare Marker und die Muster, die sich aus ihren zahlreichen Änderungen in Folge einer Tumorentstehung ergeben. Genau diese Untersuchung wird OVCAD für den Eierstockkrebs nun durchführen.

Gerade bei Eierstock-Krebs ist die Wirksamkeit klassischer Diagnoseverfahren sehr eingeschränkt. Bei 75% der Betroffenen erfolgt die Diagnose erst in einem sehr späten Stadium. Zwar wird seit einigen Jahren auch ein Biomarker, das Glykoprotein CA125 im Serum der Patientinnen zur Diagnose herangezogen, doch ist dessen Aussagekraft limitiert. Zu dieser Problematik erläutert Robert Zeillinger: "Der Marker CA125 ist zwar hilfreich für die Kontrolle des Therapieansprechens aber zu unspezifisch für die Frühdiagnose und gibt vor allem keinen Hinweis auf den Krankheitsverlauf. Gerade das ist aber beim Eierstock-Krebs besonders wichtig. Denn bei fast 25% der jährlich über 63.000 Patientinnen in Europa versagt die Standard-Therapie. Molekulare Marker erlauben aber das Wiederkehren des Tumors und sogar das Vorhandensein einzelner bereits abgesiedelter Tumorzellen frühzeitig nachzuweisen. So können rasch entsprechende Maßnahmen ergriffen werden."

Internationale Spurensucher

Gemeinsam mit mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Israel und Deutschland werden nun Molekulare Marker und deren Muster bei 200 Eierstockkrebs-Patientinnen untersucht. Dafür werden Gewebeproben, Blut und Bauchhöhlen-Flüssigkeit zum Zeitpunkt der klinischen Diagnose auf auffällige Molekulare Marker hin untersucht. Sechs Monate nach Ende der Standard-Therapie werden solche Untersuchungen wiederholt und es wird dann festgestellt, ob bestimmte Marker besonders häufig bei jenen 25% Frauen auftraten, bei denen die Therapie versagte. Sollte das der Fall sein, dann hätte man zukünftig bereits zum Zeitpunkt der Diagnose Hinweise auf dieses Versagen.

Zusätzlich werden durch OVCAD auch einige der Ursachen für das Versagen der Standard-Therapie untersucht. Dazu gehören die so genannten Multidrug Resistenz Gene und deren Proteine, die einen frühzeitigen Abtransport von Chemotherapeutika aus den Krebszellen bewirken. Dieses von Prof. Theresia Thalhammer an der Medizinischen Universität Wien untersuchte Phänomen hat zur Konsequenz, dass die verwendeten Chemotherapeutika eine zu kurze Verweildauer in den Zellen haben, und so ihre Wirkung nicht voll entfalten können.

Die gesamte Koordination dieses größten EU-Projekts zur Krebsdiagnostik stellt den bisherigen Höhepunkt einer erfolgreichen Zusammenarbeit der Arbeitsgruppen Molekulare Onkologie und Molekulare Genetik an der Medizinischen Universität Wien dar. So konnten allein im Jahr 2005 Prof. Michael Krainer gemeinsam mit Robert Zeillinger unter großer internationaler Beachtung zeigen, dass bei einigen Frauen ein körpereigenes Abwehrsystem gegen Eierstockkrebs versagte, weil die Tumorzellen bestimmte Proteine nicht besaßen. Zum anderen konnten sie belegen, dass die Inaktivierung zweier Gene bei Eierstockkrebs einen deutlichen Zusammenhang mit dem späteren Verlauf des Tumorwachstums hat. Beide Erkenntnisse dienten auch als Grundlage für OVCAD und werden nun weiter untersucht.

Hintergrund: OVCAD - OVarian CAncer Diagnosis - ist ein Specific Targeted Research Project (STREP) zur Krebsdiagnostik unter dem 6. EU-Rahmenprogramm. Das Ziel des Projektes ist es Molekulare Marker zu identifizieren, die zum Zeitpunkt der Diagnose von Eierstockkrebs Aussagen über den zukünftigen Therapieerfolg zulassen. OVCAD umfasst 11 akademische und 4 industrielle Partner-Gruppen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Israel, Deutschland und Österreich. Das Projekt läuft über drei Jahre und wird mit EUR 4.26 Mio. von der EU unterstützt. Die Projekt-Koordination erfolgt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien.



Wissenschaftlicher Kontakt:


Prof. Robert Zeillinger
Medizinische Universität Wien
Klinik für Frauenheilkunde

Währinger Gürtel 18-20, 5Q
A-1190 Wien
M +43 / 0664 4240373
E robert.zeillinger@meduniwien.ac.at

Redaktion & Aussendung:
PR&D - Public Relations for Research & Development
Campus Vienna Biocenter 2
A-1030 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
E contact@prd.at

Prof. Robert Zeillinger | Medizinische Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.meduniwien.ac.at
http://www.prd.at

Weitere Berichte zu: Eierstockkrebs Krebsdiagnostik OVCAD Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Demenz: Forscher testen Wirkstoffe im Hochdurchsatz
28.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Warum der Brennstoffzelle die Luft wegbleibt

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chlamydien: Wie Bakterien das Ruder übernehmen

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sterngeburt in den Winden supermassereicher Schwarzer Löcher

28.03.2017 | Physik Astronomie