Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gar nicht oder zu spät beim Facharzt - Rheumakranke Kinder in Deutschland unterversorgt

18.04.2006


Rheumakranke Kinder in Deutschland sind fachmedizinisch drastisch unterversorgt. Schätzungen zufolge wird nur jedes dritte an Gelenkrheuma erkrankte Kind im Alter bis zu 18 Jahren einem Kinder- und Jugendrheumatologen vorgestellt. Die Kinder, die die Rheuma-Sprechstunde erreichen, kommen im Durchschnitt erst acht Monate nach Beginn der Symptome zum Facharzt. Das geht aus der Kinderkerndokumentation des Kompetenznetzes Rheuma (KNR) hervor, in der seit 1997 die Krankheitsverläufe rheumakranker Kinder und Jugendlicher erfasst werden. Derzeit gehen in die Dokumentation die Daten von etwa 3.000 jungen Patienten ein. Zugeliefert werden sie von rund 40 kinderrheumatologischen Einrichtungen.



Rund 15.000 Kinder unter 18 Jahren sind in Deutschland an Juveniler Idiopathischer Arthritis (Gelenkrheuma im Kindes- und Jugendalter) erkrankt. Die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr liegt bei rund 1.500. Die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung bei Kindern ist die Oligoarthritis. Bei dieser Krankheit, die oft schon im Kleinkindalter beginnt, sind zu Entzündungsbeginn weniger als fünf Gelenke befallen.

... mehr zu:
»Kinderrheumatologie


"Je früher ein Kind in die Fachsprechstunde kommt, umso besser kann ihm geholfen werden", sagt Kinderärztin Dr. Kirsten Minden, Leiterin der KNR-Kinderkerndokumentation. Kinderrheumatologen fordern daher eine deutlich bessere Aus- und Weiterbildung sowie bessere Informationen zur Früherkennung der Juvenilen Idiopathischen Arthritis vor allem für Haus- und Kinderärzte sowie Orthopäden. "Derzeit gibt es an keiner Hochschule in Deutschland einen Lehrstuhl für Kinderrheumatologie", sagt Dr. Minden.

Zugleich beklagen die Fachärzte einen Mangel an multidisziplinären ambulanten Behandlungsangeboten für Kinder. Wichtig, so Dr. Minden, sei vor allem die Zertifizierung qualifizierter Ärzte und Einrichtungen. Und auch die Kinderrheumatologen kämpfen um ihr Honorar: Der so genannte Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) 2000plus, die aktuelle Honorarordnung für Ärzte, bildet die Kinderrheumatologie nicht ab. Zwar dürfen die Kinderrheumatologen fachspezifische Leistungen der internistischen Rheumatologie abrechnen. Die Inhalte sind jedoch für die Kinderrheumatologie weder definiert noch angepasst worden. So zahlt ein Kinderrheumatologe etwa bei der Labordiagnostik drauf, weil er nur die pädiatrische, nicht aber die rheumatologische Pauschale berechnen darf.

Gänzlich vorbei geht der EBM 2000plus an den aktuellen Versorgungsstrukturen in der Kinderrheumatologie. 90 Prozent der ambulanten kinderrheumatologischen Versorgung werden derzeit in stationären Einrichtungen geleistet. Dort aber darf ein ermächtigter Arzt höchstens 156 Stunden pro Quartal für die Betreuung ambulanter Patienten aufwenden. "Die Betreuung rheumakranker Kinder ist zeitaufwendiger als die von Erwachsenen. Das Zeitbudget erlegt den betroffenen Einrichtungen erhebliche Einschränkungen auf, die die ambulante Versorgung rheumakranker Kinder gefährden", ist Dr. Minden sicher. Die Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) hat im letzten Herbst gegen die Zeit-Regelung bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Widerspruch eingelegt.

Ansprechpartner: Geschäftsstelle der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), Dr. Kirsten Minden, Deutsches Rheumaforschungszentrum Berlin, Schumannstr. 21/22, 10117 Berlin, Fon: 030-28460632

Dr. Cornelia Rufenach | idw
Weitere Informationen:
http://www.rheumanet.org

Weitere Berichte zu: Kinderrheumatologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten