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Neue globale Arbeitsgruppe zur Umsetzung des Pneumonie-Aktionsaufrufs bis zum Jahre 2008

06.04.2006


  • Pneumokokken-Erkrankungen haben einen festen Platz auf der Weltgesundheits-Agenda
  • Über 600 Wissenschaftler nehmen an der 5. ISPPD Konferenz teil

Über 600 der weltweit auf diesem Gebiet führenden Wissenschaftler treffen sich zum ISPPD-5-Symposium (5th International Symposium for Pneumococci and Pneumococcal Disease) in Alice Springs, Australien, um zu weltweiten Aktionen zur Bekämpfung der Pneumokokken-Pneumonie und für einen schnellen Zugang zu neuen, lebensrettenden Pneumokokken-Impfungen aufzurufen.


Streptokokkus Pneumoniae ist ein Bakterium, das in den oberen Atemwegen gesunder Kinder und Erwachsener häufig vorkommt. Diese Bakterien können jedoch eine ganze Reihe von Infektionen verursachen, angefangen bei einer relativ leichten Mittelohrentzündung bis zu lebensgefährlichen Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen. Schwere Pneumokokken-Infektionen können in jedem Lebensalter auftreten, doch laufen Kinder (insbesondere im Alter unter 2 Jahre) und ältere Menschen das grösste Risiko, Opfer einer invasiven Pneumokokken-Erkrankung zu werden.

Bei Eingeborenenkinder in Zentral-Australien, z.B., tritt nach australischen Literaturangaben die höchste Rate invasiver Pneumokokken-Erkrankungen auf. Obwohl die Krankheitsbelastung der eingeborenen Bevölkerung Australien gross ist, ist die Sterblichkeit im Vergleich zur Situation in den Industrieländern nur gering. Dort kommen 90 % aller Todesfälle durch Pneumokokken-Pneumonie vor und über 40 % der an Pneumokokken-Meningitis erkrankten Kinder sterben bzw. leiden unter bleibenden Schäden.


"Wir haben den Wendepunkt erreicht", sagte Dr. Thomas Cherian, Koordinator a.i., EPI+, Vaccines and Biologicals bei der Weltgesundheitsbehörde. "Die grosse Bedeutung dieses Treffens setzt eine starkes Signal für die Ernsthaftigkeit und das Ausmass der Pneumokokken-Erkrankung und für die dringende Notwendigkeit einer koordinierten Anstrengung, diese Krankheit unter Kontrolle zu bringen und die Zahl der Todesfälle zu reduzieren".

Im Rahmen dieser Konferenz ist eine globale Arbeitsgruppe gebildet worden, die dafür sorgen wird, dass die entscheidenden Aktionen ab sofort und bis zur nächsten ISPPD Konferenz, die im Jahre 2008 in Reykjavik, Island, stattfinden wird, durchgeführt werden. Professor Allan Cripps, Vorsitzender des ISPPD-5 Organisations-Komitees und Pro-Vizekanzler (Gesundheitswesen) an der Griffith University Gold Coast in Queensland, Australien, sagte: "Wir bitten unsere Kollegen aus dem Gesundheitswesen, Regierungen, internationale Spender und Impfstoffhersteller, eindringlichst, gemeinsam aktiv zu werden, um die enorme Belastung durch Pneumokokken-Erkrankungen weltweit zu reduzieren". Folgende Aktionen sind festgelegt worden:

- Verbesserung des Zugangs zur Behandlung
- Vermehrter Einsatz der Pneumokokken-Konjugat-Impfung
- Investition in weitere Forschungs- und Beobachtungsprojekte
- Förderung von Aktivitäten der öffentlichen Gesundheitsstellen zur Verbesserung der Gesundheit und Verringerung der Risikofaktoren

"Drei Jahre lang hat GAVIs PneumoADIP das Fundament für die schnelle Einführung der Pneumokokken-Impfung gelegt. Die jetzige Einführung mit den existierenden Konjugat-Impfstoffen ist der erster entscheidende Schritt und kann Hunderttausenden von Kindern das Leben retten", sagte Dr. Orin Levine, Executive Director von GAVIs PneumoADIP.

Pneumokokken-Infektione werden mit der zunehmenden Resistenz der Bakterien gegen einige der gebräuchlichsten Antibiotika immer schwerer zu bekämpfen. Antibiotikaresistenz bedroht die Leistungsfähigkeit gängiger Therapien, die ihrerseits, wegen des notwendig werdenden Einsatzes teurerer Antibiotika, die Kosten in die Höhe treiben. Die Pneumokokken-Konjugat-Impfung stellt ein wirksames Mittel zur Verhinderung Antibiotika-resistenter Infektionen dar.

Eine koordinierte Anstrengung zur Verbesserung der Behandlungserfolge und zur Einführung der Pneumokokken-Impfung könnte Millionen Kindern das Leben retten und würde ein bedeutender Schritt auf dem Wege zum "Millennium Development Goal" der Vereinten Nationen sein, das sich eine Reduzierung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel bis zum Jahre 2015 zum Ziel gesetzt hat.

Pneumokokken-Infektionen werden durch das Bakterium Streptococcus pneumoniae hervorgerufen. Wenn dieses Bakterium in die Lunge eindringt, kann es die verbreitetste Form der bakteriellen Lungenentzündung hervorrufen und im Weiteren ins Blut (Bacteremia) und/oder in das Gewebe bzw. in die Flüssigkeit übergehen, die das Gehirn and das Rückenmark umgeben (Meningitis).

Der WHO zufolge sind Pneumokokken-Pneumonien und -Meningitiden jedes Jahr für 800.000 bis 1 Millionen Todesfällen von Kindern verantwortlich, wobei über 90 Prozent der Kindertodesfälle durch Pneumokokken-Pneumonien sich in Entwicklungsländern ereignen. Darüber hinaus sterben jedes Jahr ca. 500.000 Kinder an einer durch den Rotavirus verursachten Durchfallerkrankung und weitere 2 Millionen müssen deswegen ins Krankenhaus. Da es sich bei der Rotavirus-Diarrhoe um eine globale Infektion handelt, leidet weltweit fast jedes Kind unter 5 Jahren einmal an einem durch den Rotavirus hervorgerufenen Durchfall.

Das Internationale ISPPD-5-Symposium (The International Symposium on Pneumococci and Pneumococcal Diseases) ist ein Forum, auf dem führende Fachleute aus aller Welt zusammenkommen, um sich über die Methoden auszutauschen, mit deren Hilfe diese bei Kindern ernste Erkrankung, die aber auch Erwachsene betrifft, bekämpft werden kann. Zahlreiche Delegierte, die am ISPPD-5-Symposium teilnehmen, kommen aus Entwicklungsländern, wo Pneumokokken-Erkrankungen die meisten Todesfälle und die höchste Invalidität verursachen. Sie sind es, die an vorderster Front stehen und die zur Bekämpfung der Krankheit ganz wesentlich beitragen werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das Organ der Vereinten Nationen, das sich speziell mit Gesundheitsfragen befasst. Die WHO wurde am 7 April 1948 gegründet und hat sich in ihrer Verfassung die Verwirklichung des bestmöglichen Gesundheitszustand für alle Menschen zum Ziel gesetzt. Gesundheit wird in der Verfassung der WHO als ein Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens definiert und nicht nur als die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechlichkeit.

Ziel von PneumoADIP (Pneumococcal Vaccines Accelerated Development and Introduction Plan) ist es, die Zeit zwischen dem Einsatz neuer Impfstoffe in den Industrieländern und ihrer Einführung in den Entwicklungsländern durch Verringerung der Unsicherheit bzgl. des Bedarfs und der Bereitstellung einer erschwinglichen, nachhaltigen Impfstoffversorgung zu verkürzen. Dieser neuartige Ansatz wird von der GAVI-Allianz (Global Alliance for Vaccines and Immunization) über ihre Partnerorganisation, den Vaccine Fund, finanziert. PneumoADIP hat seinen Sitz an der Johns Hopkins Bloomberg School für öffentliche Gesundheit. PneumoADIP hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Überlebenschancen und die Gesundheit von Kindern weltweit durch schnelle Bewertung und Verfügbarmachung neuer, lebensrettender Pneumokokken-Impfstoffe zu verbessern.

Die GAVI-Allianz (The Global Alliance for Vaccines and Immunization) wurde im Jahre 2000 gegründet, um die Impfrate zu erhöhen und um der zunehmenden globalen Ungleichheit beim Zugang zu Impfstoffen entgegenzuwirken. Regierungen der Industrie- und Entwicklungsländer, die UNICEF, WHO, Weltbank, Nicht-Regierungsorganisationen, Stiftungen, Hersteller von Impfstoffen und Forschungs- und Gesundheitsinstitute arbeiten in der Allianz partnerschaftlich zusammen. Ihr Ziel ist es, aufgrund der Erkenntnis, dass man nur durch kräftige und vereinte Bemühungen eine breite Unterstützung für weltweite Impfungen erreichen kann, gemeinsam aufgestellte Impfziele zu erreichen. Gelder, die über die Spendenorganisation der GAVI, den GAVI Fund (ehemals Vaccine Fund), gelenkt werden, werden dafür eingesetzt, Gesundheits- und Impfdienste zu verstärken, den Zugang zu bestimmten Impfstoffen und neuen Impftechnologien zu beschleunigen - insbesondere zu Impfstoffen, die neu sind oder nicht ausreichend eingesetzt werden, und die Injektionssicherheit zu verbessern. Abgesehen von der erheblichen finanziellen Unterstützung durch die Bill & Melinda Gates Stiftung wurde der Vaccine Fund bis heute von zehn Ländern unterstützt, nämlich von Kanada, Dänemark, Frankreich, Irland, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Grossbritannien, den USA sowie von der Europäische Union und von privaten Spendern.

Hans Kvist | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.preventpneumo.org

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