Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni-Kliniken zahlen bei Schwerkranken drauf

23.03.2006


Untersuchung: DRG-System deckt Kosten für komplizierte Fälle nicht ab



Die deutschen Universitätskliniken zahlen bei besonders schwer erkrankten Patienten drauf: Die Kosten für Diagnostik und Therapie werden von dem DRG-System der Fallpauschalen nicht abgedeckt. Darauf hat der Verband der Universitätsklinika in Deutschland (VUD) am Rande des 5. Nationalen DRG-Forums hingewiesen, dass am 23. und 24. März 2006 in Berlin stattfindet. Dr. Andreas Tecklenburg, Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), stellte während des Forums eine beeindruckende Rechung auf: Allein in einem Jahr erwirtschaftete die Medizinische Hochschule in 249 Fällen besonders schwer kranker Patienten ein Defizit von 7,1 Millionen Euro. Die Hannoveraner hatten für ihr Klinikum all jene Fälle des Jahres 2004 ermittelt, deren Behandlung mehr als 20.000 Euro gekostet hatte, bei denen die Erträge aber bei weniger als der Hälfte gelegen haben. Diese 249 Patienten der MHH entsprachen 0,6 Prozent aller Fälle des Jahres, sie vereinten aber fünf Prozent sämtlicher Kosten der MHH auf sich.

... mehr zu:
»DRG-System »MHH »VUD


Die Ergebnisse bestätigen, dass in der MHH - genauso wie in den weiteren Universitätskliniken - sehr wenige Patienten zu einer sehr hohe Unterdeckung führen. Die Mehrzahl der Fälle wird sich nach Einschätzung von Dr. Tecklenburg nicht über Optimierungen der bisherigen Vergütungsinstrumente finanzieren lassen. Eine Lösung könnte zum Beispiel sein, dass künftig extrem teure Behandlungen von Patienten als Zusätze zur Fallpauschale extra abgerechnet werden dürfen. Diese These wird durch die Verteilung der Fälle auf über 21 MDCs und 150 DRGs gestützt - und damit praktisch über das gesamte DRG-Spektrum. "Überrascht hat uns die überproportional hohe Anzahl von Kindern", betonte der MHH-Vize-Präsident. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass die besonders kranken Kinder bisher nicht ausreichend in den Berechnungsmodellen vertreten waren.

Das DRG-System soll Transparenz schaffen. Das unterstützt der VUD ohne Einschränkung. Die Transparenz lässt aber auch die Problemfälle für Kliniker, Träger und Management sichtbar werden. Die finanzielle Dimension des Problems zwingt dazu, dass zusätzlich zu den bisherigen Instrumenten eine Lösung für dieses Patientenklientel gefunden werden muss, damit Maximalversorger nicht auf den Kosten dieser extrem teuren Patienten "sitzen" bleiben. "Bei über 56 Milliarden Euro für den stationären Sektor und der Annahme, dass die Ergebnisse aus Hannover auf alle Universitätskliniken übertragbar sind, bedeutet dies eine Mehrbelastung des Systems für alle Universitätskliniken in der Größenordnung von 200 bis 300 Millionen Euro", sagte Dr. Tecklenburg, das mache einen Betrag von 0,5 Prozent aller Kosten für die stationäre Versorgung aus. Nur wenn eine Vergütung der extrem teuren Fälle gewährleistet ist, wird die optimale medizinische Versorgung dieser Patienten auch in Zukunft sicher gestellt sein.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Dr. Andreas Tecklenburg
Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)
Kontakt über: Medizinische Hochschule Hannover, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Telefon (05 11) 5 32-67 71
pressestelle@mh-hannover.de

VUD - Verband der Universitätsklinika Deutschlands
Rüdiger Strehl, Vorstandsvorsitzender des VUD
und Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Tübingen
Tel. 0 70 71/29 8 20 05 - Fax 0 70 71/29 39 66

Dr. Ellen Katz | idw

Weitere Berichte zu: DRG-System MHH VUD

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

„Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern

20.10.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Aus der Moosfabrik

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie