Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Höheres Krebsrisiko durch Öle und Fette in der Nahrung?

30.10.2001


Durch die Aufnahme von Speisefetten mit ihren verschiedenen Anteilen an bestimmten Fettsäuren können bei Tier und Mensch in unterschiedlichem Ausmaß DNA-Addukte entstehen. Diese Addukte können zu Mutationen im Erbgut führen. Grafik: Paul Wanek


Pflanzliche Öle - das klingt nach Oliven, Sonnenblumen und friedvoller Natur. "Pflanzenöle sind gesund!" Dieser Aussage würden sicher die meisten Menschen zustimmen. Trotzdem stehen einige Bestandteile von Pflanzenölen unter dem Verdacht, an der Entstehung von Krebs beteiligt zu sein. Ob das stimmt, prüfen Toxikologen von der Universität Würzburg.

Wie Projektleiter Prof. Dr. Erwin Eder sagt, gehen nach epidemiologisch gesicherten Untersuchungen etwa 40 Prozent aller Krebserkrankungen auf die Ernährung zurück. Verursacher können natürliche Nahrungsbestandteile sein, aber auch die Art der Nahrungszubereitung, etwa das zu starke Braten von Fleisch. Hinzu kommen nachteilige Nahrungsgewohnheiten in Verbindung mit einem ungünstigen Lebensstil, der zum Beispiel durch zu wenig Bewegung geprägt ist.

Neben vielen anderen Faktoren spielt laut Eder die Zusammensetzung der Nahrungsfette bei der Krebsentstehung eine ausschlaggebende Rolle. Insbesondere bestimmte mehrfach ungesättigte Fettsäuren, vor allem Linolsäure und Arachidonsäure, sollen von größter Bedeutung sein. Linolsäure kommt zu 50 bis 65 Prozent in Maiskeimöl und Sonnenblumenöl und bis zu 80 Prozent in Färberdistelöl vor. Die Arachidonsäure ist dagegen vorwiegend in tierischen Fetten zu finden.

Beide Fettsäuren werden im Organismus des Menschen in die Hülle der Zellen eingebaut. So weit, so gut. Nun entstehen aber durch normale oder krankhafte Stoffwechselvorgänge in jeder Zelle sehr aggressive Sauerstoff-Varianten. Diese können die Fettsäuren angreifen und sie teilweise zu Krebs erregenden Substanzen abbauen, vor allem zu Malondialdehyd (MDA) und 4-Hydroxy-2-nonenal (HNE). Beide können sich mit der Erbsubstanz DNA zu so genannten Addukten verbinden: Mutationen, die Entstehung von Krebszellen und deren weitere Ausbreitung sind mögliche Folgen. Andere mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die in Fischölen oder im Raps vorkommen, sollen dagegen den Abbau der genannten Fettsäuren und damit die Bildung der gefährlichen Addukte unterdrücken.

Die Arbeitsgruppe von Erwin Eder hat eine hoch empfindliche und routinemäßig durchführbare Methode entwickelt, mit der sich die aus den Fettsäuren hervorgehenden DNA-Addukte in menschlichen und tierischen Gewebeproben nachweisen lassen. Damit können die Würzburger Wissenschaftler prüfen, ob eine vermehrte Aufnahme bestimmter Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen tatsächlich das Krebsrisiko erhöht. Sie können zudem untersuchen, welche Rolle Substanzen spielen, denen man eine Schutzwirkung gegen Krebs nachsagt - dazu gehören bestimmte Vitamine, Selen und antioxidative Nahrungsbestandteile.

Der "World Cancer Research Fund" (WCRF, Weltfonds für Krebsforschung) mit Sitz in London fördert das Projekt von Prof. Eder: Die Würzburger Toxikologen bekommen in den kommenden drei Jahren insgesamt rund 300.000 Mark. Prof. Eder: "Uns ist es gelungen, zum ersten Mal eine Unterstützung vom WCRF nach Deutschland zu holen. Außerdem erhalten wir die maximal mögliche Förderung."

Weitere Informationen: Prof. Dr. Erwin Eder, T (0931) 201-3926, Fax (0931) 201-3446, E-Mail: 
eder@toxi.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Fettsäure Krebsrisiko Linolsäure WCRF

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten