Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blockade des Blutgerinnungsfaktors XII schützt vor Schlaganfällen

14.03.2006


Neue Erkenntnis aus der Würzburger Biomedizin


Mäuse, denen der Blutgerinnungsfaktor XII fehlt (FXII -/-) oder die mit einer Substanz behandelt wurden, die den Faktor hemmt (PCK), haben deutlich kleinere Schlaganfälle als die entsprechenden Kontrolltiere (wt und Kontr). Die Schlaganfälle erscheinen in Gewebeschnitten (A) und in der Kernspintomographie (B) weiß. Nach der Zugabe von humanem Faktor XII (+hFXII) nimmt die Infarktgröße bei den Mäusen, die zuwenig von dem Faktor haben, wieder zu. Grafik: Thomas Renné



Schlaganfälle stehen in der Todesursachenstatistik der westlichen Industrienationen an dritter Stelle. Ausgelöst werden sie meist durch den plötzlichen Verschluss von Gehirngefäßen durch Blutgerinnsel; bei den überlebenden Patienten bleiben oft schwere Behinderungen zurück. Wissenschaftlern der Universität Würzburg ist nun möglicherweise ein entscheidender Schritt zur besseren Therapie und Vorbeugung von bestimmten Formen von Schlaganfällen gelungen.



Über diesen Forschungserfolg berichten Christoph Kleinschnitz, Guido Stoll und Martin Bendszus aus der Neurologischen Klinik und der Neuroradiologie zusammen mit Thomas Renné, Leiter einer Nachwuchsforschergruppe am Institut für Klinische Biochemie und Pathobiochemie, in der US-Zeitschrift "Journal of Experimental Medicine". Online ist der Artikel vorab bereits erschienen, die gedruckte Ausgabe folgt in circa zwei Wochen.

Die Würzburger Wissenschaftler fanden heraus: Mäuse, denen das Gen für den Blutgerinnungsfaktor XII fehlt, erleiden deutlich kleinere Schlaganfälle als ihre normalen Artgenossen. Auch genetisch nicht veränderte Mäuse können vor Schlaganfällen geschützt werden. Sie müssen dazu nur mit einer Substanz behandelt werden, die den Faktor XII pharmakologisch blockiert.

Diejenigen Mäuse, bei denen der Faktor XII blockiert war oder fehlte, hatten nach einem Hirninfarkt deutlich weniger neurologische Ausfallserscheinungen. Auch entwickelten sie in ihren kleinen Gehirnarterien eine geringere Anzahl an Blutgerinnseln (Thrombosen), so dass die Durchblutung im Bereich des Hirninfarktes besser war.

Falls sich diese Ergebnisse von der Maus auf den Menschen übertragen lassen, könnte es durch eine medikamentöse Blockade des Faktors XII in Zukunft tatsächlich gelingen, das Auftreten bestimmter Typen von Schlaganfällen besser und sicherer zu verhindern. Das betrifft Schlaganfälle, die durch eine mangelnde Durchblutung des Gehirns infolge eines plötzlichen Gefäßverschlusses ausgelöst werden.

"Interessanterweise bluten Mäuse ohne den Faktor XII - ähnlich wie Menschen, denen dieser Faktor fehlt - nicht stärker als andere. Das ließ sich durch kernspintomographische Untersuchungen nachweisen", so Assistenzarzt Christoph Kleinschnitz. Solche Blutungen, etwa im Gehirn, kommen bei den bisher zum Schutz vor Schlaganfällen eingesetzten Medikamenten wie beispielsweise Acetylsalicylsäure (Aspirin(r)) oder Phenprocumon (Marcumar(r) ) nicht selten vor - die dauerhafte Einnahme dieser blutverdünnenden Mittel sei darum mit einem zum Teil erheblich höheren Risiko verbunden, teilen die Mediziner mit.

Diese Forschungsergebnisse entstanden im Rahmen des Würzburger Sonderforschungsbereiches 688, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Nachzulesen sind sie vorab in der Online-Ausgabe des "Journal of Experimental Medicine", DOI: 10.1084/jem.20052458

Christoph Kleinschnitz, Guido Stoll, Martin Bendszus, Kai Schuh, Ulrich Pauer, Peter Burfeind, Christoph Renné, David Gailani, Bernhard Nieswandt and Thomas Renné: "Targeting coagulation Factor XII provides protection from pathological thrombosis in cerebral ischemia without interfering with hemostasis", Journal of Experimental Medicine, im Druck.

Hinweis für Redaktionen/Journalisten: Eine pdf-Datei mit der Originalpublikation können Sie bei der Pressestelle der Universität anfordern, T (0931) 31-2401, E-Mail: emmerich@zv.uni-wuerzburg.de

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Thomas Renné, T (0931) 201-36116, E-Mail: thomas@renne.net oder bei Dr. Christoph Kleinschnitz, T (0931) 201-24621, E-Mail: christoph.kleinschnitz@mail.uni-wuerzburg.de

Kurzfassung:
Blockade des Blutgerinnungsfaktors XII schützt vor Schlaganfällen

Bei Mäusen lassen sich die Auswirkungen eines Schlaganfalls verringern, wenn man den Blutgerinnungsfaktor XII mit Medikamenten blockiert. Sie bekommen dann zum einen deutlich kleinere Schlaganfälle als unbehandelte Artgenossen. Zum anderen haben sie nach dem Hirninfarkt weniger neurologische Ausfallserscheinungen. Auch entwickeln sie in ihren kleinen Gehirnarterien eine geringere Anzahl von Blutgerinnseln, so dass die Durchblutung im Bereich des Hirninfarktes besser ist. Das haben die Forscher Christoph Kleinschnitz, Guido Stoll, Martin Bendszus und Thomas Renné von der Universität Würzburg herausgefunden. "Falls sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, könnte es durch eine medikamentöse Blockade des Faktors XII in Zukunft gelingen, das Auftreten bestimmter Typen von Schlaganfällen besser zu verhindern", sagt Assistenzarzt Kleinschnitz von der Neurologischen Uniklinik. Er meint damit Schlaganfälle, die durch eine mangelnde Durchblutung des Gehirns infolge eines plötzlichen Gefäßverschlusses ausgelöst werden. Schlaganfälle stehen in der Todesursachenstatistik der westlichen Industrienationen an dritter Stelle. Ausgelöst werden sie meist durch den plötzlichen Verschluss von Gehirngefäßen durch Blutgerinnsel; bei den überlebenden Patienten bleiben oft schwere Behinderungen zurück.

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de
http://www.jem.org

Weitere Berichte zu: Blutgerinnungsfaktor Hirninfarkt Schlaganfall XII

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Wie das Wissen in der Technik entsteht

17.01.2017 | Förderungen Preise

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik