Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genügt eine Darmspiegelung alle 20 Jahre zur Krebsvorsorge?

08.03.2006


Experten raten im Rahmen der Krebsfrüherkennung alle zehn Jahre zu einer Darmspiegelung, vorausgesetzt, es werden keine Krebsvorstufen festgestellt. Ergebnisse einer Studie von Professor Hermann Brenner aus der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zeigen, dass möglicherweise deutlich längere Intervalle ausreichen.

... mehr zu:
»Darmkrebs »Koloskopie

Personen, deren Darm sich bei einer erstmaligen Spiegelung als frei von Krebsvorstufen erweist, tragen noch 20 Jahre später ein deutlich geringeres Risiko, an Darmkrebs zu erkranken als Menschen, die auf eine Darmspiegelung (Koloskopie) verzichten. Professor Hermann Brenner und seine Kollegen halten in diesem Fall eine Wiederholung der Koloskopie nach 20 Jahren für ausreichend. Dies bedeutet eine Kostensenkung für das Gesundheitssystem und eine geringere Belastung der Patienten. Die Wissenschaftler hoffen, dass dadurch ein bevölkerungsweiter Zugang zu dieser Untersuchung auch in Ländern mit begrenzten Ressourcen möglich wird.

Brenner untersuchte, welche Intervalle zur Wiederholung der Koloskopie sinnvoll sind. Mit der Unterstützung von 22 Kliniken in der Rhein-Neckar-Region wertete er Daten von 865 Personen aus. Von diesen waren 380 an Darmkrebs erkrankt, 485 wurden zufällig ausgewählt und bildeten die Kontrollgruppe. Brenner prüfte die Entwicklung des Darmkrebsrisikos in den Jahren nach einer Darmspiegelung. Die Studie schloss Personen ein, die älter als 30 Jahre waren und bei denen bei einer Koloskopie keine Vorstufen festgestellt wurden. Der Wissenschaftler fand heraus, dass dieser Personenkreis noch bis zu 20 Jahre später zu circa 70 Prozent seltener an Darmkrebs erkrankte als die Vergleichsgruppe ohne Koloskopie. Bei diesen Personen genügt laut Brenner eine Wiederholung der Darmspiegelung nach 20 Jahren. Bei einer erstmaligen Darmspiegelung im höheren Lebensalter könnte ein negativer Befund eine weitere Spiegelung sogar überflüssig machen. Werden Darmkrebsvorstufen gefunden, ist eine frühere Nachuntersuchung, in der Regel schon nach drei Jahren, unbedingt notwendig.


Die Spiegelung des Dickdarms ist seit Oktober 2002 Bestandteil des Krebsfrüherkennungsprogramms zur Vorbeugung von Darmkrebs. Ärzte können bei der Koloskopie Tumoren feststellen, aber auch Polypen, mögliche Vorstufen von Darmkrebs, erkennen und entfernen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei Versicherten ab einem Alter von 55 Jahren diese Untersuchung einmal alle zehn Jahre.

Der Artikel wurde im Journal Gut online veröffentlicht / DOI: 10.1136/gut.2005.087130

Brenner H, Chang-Claude J, Seiler CM, Stürmer T, Hoffmeister M.: Does a negative screening colonoscopy ever need to be repeated?

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: Darmkrebs Koloskopie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise