Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hormonelle Störungen durch Umweltgifte

03.03.2006


Bestimmte Umweltgifte stehen im Verdacht, das Hormonsystem von Mensch und Tier zu stören. Diese Zusammenhänge aufzuklären war die Aufgabe des EU-Projektes COMPRENDO unter Frankfurter Federführung. In einer Abschlusstagung am 17. März stellen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse einer interessierten Öffentlichkeit vor.



Die als endokrine Disruptoren bekannten Umweltgifte verweiblichen die männlichen und vermännlichen die weiblichen Tiere. Sie vermindern die Fruchtbarkeit und stehen sogar im Verdacht, Hoden-, Prostata- und Brustkrebs zu verursachen. Seit Oktober 2002 fördert die Europäische Union mit insgesamt 20 Millionen Euro vier europäische Verbundprojekte, die diese Zusammenhänge untersuchen. COMPRENDO ist eines der Teilprojekte unter der Leitung von Dr. Ulrike Schulte-Oehlmann vom Frankfurter Fachbereich Biowissenschaften.

... mehr zu:
»COMPRENDO


Die politisch und wissenschaftlich brisante Diskussion über endokrine Disruptoren begann vor etwa zehn Jahren. Auslöser war eine bis heute kontrovers beurteilte retrospektive Studie über die Spermiendichte in menschlichen Samenproben. Im Zeitraum zwischen 1938 und 1988 hatte sich die Spermiendichte bei den später geborenen Männern nahezu halbiert. Beunruhigend waren auch Untersuchungen an Fischen in englischen Gewässern: In durchschnittlich 13 Prozent der männlichen Tiere fand man Oozyten - Zellen, die zur Bildung von Eiern bestimmt sind. Weibliche Meeresmollusken entwickelten hingegen zusätzlich zu ihren Geschlechtsorganen einen Penis und Samenleiter. Inzwischen weiß man, dass dafür die in Schiffsfarben verwendeten Tributylzinn-verbindungen verantwortlich sind. Sie sind seit Januar 2003 verboten. Früher waren sie ein Bestandteil der Antifoulingfarben, mit denen Schiffsrümpfe vor dem Bewuchs mit Algen, Muscheln und andere Tieren geschützt wurden.

Während bisher vor allem Substanzen mit einer östrogenähnlichen Wirkung untersucht wurden, konzentriert sich COMPRENDO (Comparative Research on Endocrine Disrupters) auf Substanzen mit androgenen und antiandrogenen Eigenschaften, die also eine ähnliche Wirkung wie männliche Geschlechtshormone haben oder deren Wirkung aufheben. Ziel des Projekts ist es einerseits, die Exposition des Menschen gegenüber endokrinen Disruptoren aufzuklären. Dies geschieht anhand von Blut- und Gewebeproben sowie der Analyse von Nah-rungsmitteln aus verschiedenen europäischen Ländern. Andererseits suchen die Forscher nach "Wächterarten" in der Natur, die anzeigen, welchen Grad der Verschmutzung ein bestimmtes Ökosystem erreicht hat. Wirbellose Tiere wie Krebse und Schnecken sind ideale Testsysteme, weil sie in großer Zahl in den gefährdeten Gewässern auftreten.

Im Rahmen von COMPRENDO wurden zwei Tests entwickelt, die für eine Anwendung auf der OECD-Ebene reif sind. "Das ist ein großer Fortschritt", erklärt Ulrike Schulte-Oehlmann, "denn bisher gibt es noch keine standardisierten und international anerkannten Testsysteme für endokrine Disruptoren". Die in Frankfurt verwendete Zwergdeckelschnecke und der im dänischen Lyngby eingesetzte Ruderfußkrebs haben den Vorteil, dass sie auch in Industrielabors ohne größeren Aufwand gehalten werden können.

Kontakt: Dr. Ulrike Schulte-Oehlmann, Department of Ecology & Evolution - Ecotoxicology, Siesmayerstrasse 70, D-60054 Frankfurt, tel.:069-798-24850; Fax:069-798-24748.
E-mail: schulte-oehlmann@zoology.uni-frankfurt.de

Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.comprendo-project.org
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Berichte zu: COMPRENDO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften