Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lymphdrüsenkrebs - Neues aus Diagnostik und Therapie

26.10.2001


Vorgestellt werden auch die Ergebnisse der jüngsten Studie zur Behandlung von Blutkrebs, die die Leipziger Krebsforscher gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Fred Hutchinson Forschungszentrum der Universität Washington und dem Veterans Affairs Medical Center, Seattle, sowie der Stanford Universität angefertigt haben und die jüngst im Journal der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie "Blood" veröffentlicht wurde. Die neue Methode eignet sich auch für die Behandlung des Non-Hodgkon-Lymphoms.



Am Samstag, dem 27. Oktober, 2001, findet in Leipzig eine Veranstaltung des Tumor-Zentrums der Universität Leipzig zum Thema "Lymphdrüsenkrebs" statt. Die wissenschaftliche Tagung wird von Prof. Dr. Dietger Niederwieser, Leiter Abteilung Hämatologie/Onkologie der Medizinischen Klinik II, geleitet.



Auf der Tagesordnung stehen neueste diagnostische und therapeutische Strategien zur Behandlung des Lymphdrüsenkrebses, dessen wissenschaftlicher Ausdruck "Non-Hodgkin-Lymphom" ist. Behandelt werden Klassifizierungsfragen, Formen der Diagnostik bei verschiedenen Lymphomarten sowie neueste Behandlungsverfahren.

Vorgestellt werden auch die Ergebnisse der jüngsten Studie zur Behandlung von Blutkrebs, die die Leipziger Krebsforscher gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Fred Hutchinson Forschungszentrum der Universität Washington und dem Veterans Affairs Medical Center, Seattle, sowie der Stanford Universität angefertigt haben und die jüngst im Journal der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie "Blood" veröffentlicht wurde. Die neue Methode eignet sich auch für die Behandlung des Non-Hodgkon-Lymphoms.

Diese Studie belegt erstmals die Wirksamkeit einer neuen Methode der Stammzelltransplantation, die schonender ist als alle bisherigen, und die es deshalb ermöglicht auch ältere und schwächere Menschen zu behandeln. Zur Erinnerung:

Bisher konnte die Stammzelltransplantation nur bei Patienten durchgeführt werden, die nicht durch andere Krankheiten zusätzlich beeinträchtigt und unter 50 Jahre alt waren. Das war notwendig, weil alle bisherigen Therapien den Organismus der Patienten stark beanspruchten, denn Voraussetzung für eine erfolgversprechende Therapie war eine weitestgehende Zerstörung des Knochenmarks der Patienten durch Bestrahlung und Chemotherapie, um Platz für neue Stammzellen zu schaffen, die von einem in der Regel verwandten Spender zur Verfügung gestellt wurden. Gingen die neuen Stammzellen an, konnten sie die Funktion der alten, kranken eigenen, übernehmen und die sich daraus entwickelnden Zellen konnten die verbliebenen Krebszellen zerstören. "Man mußte", so Prof. Niederwieser, "zunächst eine ’Atombombe’ einsetzen, damit nicht nur Platz für die gespendeten Stammzellen geschaffen wurde, sondern auch die im Körper des Patienten verbliebenen Tumorzellen zerstört wurden." Starke Bestrahlungen galten deshalb als Hauptsäule der Therapie.

Wie bei allen Transplantationen riefen natürlich die fremden Stammzellen im Organismus des Empfängers eine mehr oder weniger starke immunologische Reaktion hervor, die sogenannte graft-versus-host-reaction (Transplantat gegen Wirt-Reaktion). Diese Reaktion muß meistens im ersten Jahr nach der Stammzelltransplantation mit Medikamenten unterdrückt werden, da sonst gesunde Empfängerzellen und somit Organe zerstört werden können. Sie hat aber auch einen positiven Effekt, weswegen eine leichte Reaktion sogar erwünscht ist: sie richtet sich auch gegen die Leukämie-Zellen (graft versus leukaemia-Reaktion).

Die Mediziner erkannten dieses Phänomen, weil sie beobachtet hatten, dass Patienten mit deutlichen Transplantat gegen Wirt-Reaktionen weniger häufig einen Rückfall bekamen. Die Frage, die sich ihnen nun stellte, war: Sind womöglich diese immunologischen Reaktionen für eine erfolgreiche Therapie genauso wichtig wie die "Atombombe"?

Was die Wissenschaftler herausfanden, kann als Revolution in der Leukämie-Forschung angesehen werden. Man wußte wohl um die therapeutische Kraft der graft-versus-Leukaemia-Reaktion, dass sie aber so stark war, das wußte man nicht. Niederwieser und seine Seattler und Stanforder Kollegen gingen nun noch einen Schritt weiter: Kann man nicht den graft-versus leukaemia-Effekt als tragende Säule der Leukämie-Behandlung etablieren?

Das bedeutete, die immunologische Reaktion auf die graft-versus-leukaemia-Reaktion zu beschränken und deren bisher sekundär wirksamen Heilungspotenzen einzusetzen. Die Behandlung müßte also auf jene Kräfte ausgerichtet werden, die über die graft-versus-leukaemia-Reaktion die Blutkrebszellen vernichten. Die Spenderzellen, die diese Aufgabe übernehmen, bezeichnet Prof. Niederwieser deshalb als "Killerzellen".

Wenn "Killerzellen" die Krebsbekämpfung allein übernehmen, erhält plötzlich die Frage Bedeutung: Mit welchem Minimum an Strahlen- und Chemotherapie kann erreicht werden, dass die gespendeten Stammzellen angehen? Zunächst im Tierversuch wurde bewiesen, dass eine minimale Bestrahlung in Verbindung mit einem neuen Medikament namens Fludarabin, verbunden mit einer Unterdrückung der immunologischen Reaktionen durch die Medikamente Sandimmun und Cellcept ausreicht, um die Stammzellen anwachsen zu lassen.

Von Dezember 1997 bis Mai 1999 wurden in Leipzig, Seattle und Stanford die ersten 45 Patienten nach dieser Methode behandelt. Bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten verlief die Therapie erfolgreich. Leipzig, wo dieses Verfahren gemeinsam mit den Amerikanern entwickelt wurde, zieht Patienten aus ganz Europa an, die in dieser neuen Therapie eine Chance für sich sehen.

Dr. Bärbel Adams | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie