Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zahl der mit Zoonoseerregern verunreinigten Lebensmittelproben steigt"

23.10.2001


Trendbericht 2000 zu Verlauf und Quellen von Lebensmittelinfektionen im Internet



Im Jahr 2000 ist zwar die Zahl der gemeldeten Fälle lebensmittelbedingter Infektionen gleich geblieben; insgesamt wurden in Deutschland wie im Vorjahr 200 0000 Erkrankungen gemeldet. Untersuchungen der Bundesländer zeigen jedoch, dass die Zahl der Lebensmittelproben, die mit Zoonoseerregern belastet waren, im Vergleich zu 1999 zum Teil deutlich zugenommen hat. Seit 1996 wird im BgVV auf der Grundlage der EU-Zoonosen-Richtlinie jährlich ein Trendbericht zum Verlauf und zu den Quellen von lebensmittelbedingten Infektionen erstellt. Der Trendbericht basiert auf den Daten, die die Bundesländer dem Nationalen Referenzlaboratorium für die Epidemiologie der Zoonosen übermitteln.



Salmonella- und Campylobacter-Keime sind in Deutschland die Hauptursache von meist lebensmittelbedingten Darminfektionen. Sorge bereitet hier die Tatsache, dass in einigen Bereichen die Zahl der bei der amtlichen Lebensmitteluntersuchung gefundenen positiven Proben nach einem Rückgang in den letzten Jahren im Jahr 2000 wieder zugenommen hat.

Die Auswertung der Daten für das Jahr 2000 zeigt, dass die Salmonellenbelastung küchenmäßig vorbereiteter Fleischteilstücke vom Rind, Kalb und Schwein im Vergleich zu 1999 deutlich angestiegen ist. Hier wurden in 2,5% der Proben Erreger nachgewiesen, während 1999 nur 0,5 % positiv waren. Die Kontamination von Schweinefleisch insgesamt ist ebenfalls angestiegen, eine Zunahme salmonellenbelasteter Proben zeigte sich auch beim Hackfleisch.

Besondere Vorsicht sollte der Verbraucher nach wie vor bei Geflügelfleisch walten lassen. Denn hier waren fast 20% der untersuchten Masthähnchen und Hühner mit Salmonellen behaftet. Bei Eiern hat sich die Zahl der Proben, in denen Salmonellen gefunden wurden, gegenüber 1999 wieder erhöht, wenngleich sie mit 0,53% auf niedrigem Niveau liegt.

Aber auch bei fertig verarbeiteten Lebensmitteln wie Schokolade oder Teigwaren, in denen Ei enthalten sein kann, stieg die Zahl der mit Salmonellen belasteten Proben an, wenngleich sie sich auch hier auf niedrigem Niveau bewegt.

Mit Campylobacter-Erregern war insbesondere Geflügelfleisch belastet, wobei hier die Zahl der positiven Proben im Vergleich zu 1999 niedriger ausfiel. Allerdings ist der Anteil mit über 19% positiver Proben immer noch sehr hoch.

Andere Erreger wie verotoxinbildende Escherichia coli (VTEC/STEC), zu denen die enterohämorrhagischen Escherichia coli-Keime (EHEC) gehören, sind zwar im Hinblick auf die Anzahl der diagnostizierten Erkrankungen nicht so bedeutend. Doch eine Infektion mit diesen Erregern ist häufig mit schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen (Nierenversagen) verbunden. Es zeigte sich in den Untersuchungen des Jahres 2000, dass die Zahl der positiven Proben mit VTEC/STEC bei Fleisch (außer Geflügel) über 8% lag, was eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Angestiegen ist auch die Zahl kontaminierter Proben von Roh-Milch, die ab Hof verkauft wurde.

Diese Befunde belegen, dass die vom BgVV bereits in früheren Pressediensten (05/95, 03/96, 20/96,14/98) ausgesprochenen Empfehlungen zum Verzehr von Rohfleischprodukten und Rohmilch nach wie vor gültig sind. Rohmilch sollte vor dem Verzehr unbedingt durcherhitzt werden!

Listeria monocytogenes-Keime wurden vermehrt in Proben von Fleisch und Fleischerzeugnissen, in Fischen und Fischerzeugnissen sowie in anderen Meerestieren nachgewiesen. Ein deutlicher Anstieg kontaminierter Proben ist besonders in Hackfleisch und ähnlichen Produkten zu verzeichnen, ebenso bei anderen Fleischprodukten, die nicht hitzestabilisiert, sondern auf andere Weise konserviert waren. Sorge bereitet hier vor allem der Umstand, dass bei Fisch und Meerestieren, aber auch Rohmilchweichkäse und pasteurisierten Milchprodukten zum Teil hohe L. monocytogenes-Keimzahlen von über 10.000 pro Gramm Lebensmittel nachgewiesen wurden. Schon bei einer Kontaminationsrate von über 100 Listerien pro Gramm ist nach jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Erkrankung nach dem Verzehrs eines solchen Lebensmittels nicht mehr auszuschließen. Das BgVV fordert daher seit längerem, die Listerienbelastung verzehrsfertiger Lebensmittel zumindest auf unter 100 pro Gramm abzusenken (BgVV-Empfehlungen zu Listeria monocytogenes in Lebensmitteln, siehe www.bgvv.de/lebensmittel/lebensmittelsicherheit/mikrob_risiken/index.htm).

Die im Jahr 2000 durchgeführten Untersuchungen auf Zoonoseerreger könnten auf eine Verminderung der Hygieneleistungen bei Lebensmittelbetrieben gegenüber 1999 hindeuten. Die Probleme könnten allerdings auch im Tierhaltungsbereich liegen. Schließlich kann auch eine Verbesserung der Diagnostik (insbesondere bei VTEC/STEC) zu einer Erhöhung der gemeldeten positiven Befunde beigetragen haben. Unabhängig davon sollte auf allen Stufen von der Landwirtschaft bis zum Lebensmitteleinzelhandel ein gleichbleibend hohes Hygieneniveau eingehalten werden.

Der deutsche Trendbericht über den Verlauf und die Quellen von Zoonosen-Infektionen nach der Zoonosen-RL (92/117/EWG) für das Jahr 2000 kann auf der Website des BgVV unter www.bgvv.de/zoonosen/referenzlaboratorien/nrl-e/files/trendber2000.pdf eingesehen werden.

Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin
Thielallee 88 - 92, D - 14195 Berlin, Telefon: 01888/412-4300, Telefax: 01888/412-4970 Presserechtlich verantwortlich: Dr. Irene Lukassowitz

Dr. Irene Lukassowitz | idw

Weitere Berichte zu: Infektion Salmonelle VTEC/STEC Zoonoseerreger

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Allergieforschung: Weltweit erstes automatisches Pollennetz in Bayern am Start
28.09.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome
26.09.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: First-Ever 3D Printed Excavator Project Advances Large-Scale Additive Manufacturing R&D

Heavy construction machinery is the focus of Oak Ridge National Laboratory’s latest advance in additive manufacturing research. With industry partners and university students, ORNL researchers are designing and producing the world’s first 3D printed excavator, a prototype that will leverage large-scale AM technologies and explore the feasibility of printing with metal alloys.

Increasing the size and speed of metal-based 3D printing techniques, using low-cost alloys like steel and aluminum, could create new industrial applications...

Im Focus: Zielsichere Roboter im Mikromaßstab

Dank einer halbseitigen Beschichtung mit Kohlenstoff lassen sich Mikroschwimmer durch Licht antreiben und steuern

Manche Bakterien zieht es zum Licht, andere in die Dunkelheit. Den einen ermöglicht dieses phototaktische Verhalten, die Sonnenenergie möglichst effizient für...

Im Focus: Experimentalphysik - Protonenstrahlung nach explosiver Vorarbeit

LMU-Physiker haben mit Nanopartikeln und Laserlicht Protonenstrahlung produziert. Sie könnte künftig neue Wege in der Strahlungsmedizin eröffnen und bei der Tumorbekämpfung helfen.

Stark gebündeltes Licht entwickelt eine enorme Kraft. Ein Team um Professor Jörg Schreiber vom Lehrstuhl für Experimentalphysik - Medizinische Physik der LMU...

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart Glasses Experience Day

30.09.2016 | Veranstaltungen

Einzug von Industrie 4.0 und Digitalisierung im Südwesten - Innovationstag der SmartFactoryKL

30.09.2016 | Veranstaltungen

"Physics of Cancer" - Forscher diskutieren über biomechanische Eigenschaften von Krebszellen

30.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Smart Glasses Experience Day

30.09.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Materialkompetenz für den Leichtbau: Fraunhofer IMWS präsentiert neue Lösungen auf der K-Messe

30.09.2016 | Messenachrichten

Vom Rollstuhl auf das Liegerad – Mit Funktioneller Elektrostimulation zum Cybathlon

30.09.2016 | Energie und Elektrotechnik