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Depressionen und Ängsten den Kampf angesagt

15.02.2006


Psychologen eröffnen am 17. Februar Ambulanz für Forschung und Lehre an der Universität Jena



Goethe, Freud und Brecht litten unter Ängsten, Robert Schumann, Michelangelo und Robbie Williams unter Depressionen. Doch diese psychischen Erkrankungen sind nicht auf prominente oder geniale Menschen beschränkt. Ängste und Depressionen sind zur Volkskrankheit geworden. "Depression ist heute die häufigste psychische Störung", sagt Prof. Dr. Ulrich Stangier von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Alleine fünf bis acht Prozent der Deutschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, das sind mehr als drei Millionen Menschen, zeigen behandlungsbedürftige depressive Symptome", so der Experte für Klinisch-psychologische Intervention. Diesen Menschen will die Friedrich-Schiller-Universität nun mit einer eigenen Einrichtung helfen. Am 17. Februar wird offiziell die Ambulanz für Forschung und Lehre im Institut für Psychologie eröffnet - die Erste in Thüringen.

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In der Ambulanz, die etwa einer Poliklinik in der Medizin entspricht, können ab sofort psychologisch-psychotherapeutische Behandlungen durchgeführt werden. Damit wird die Lehre in klinischer Psychologie und zu Interventionsmethoden deutlich praxisorientierter. Zudem können aus den Therapien neue Aspekte für Forschungsprojekte gewonnen und die Entwicklung neuer Therapieverfahren vorangetrieben werden. In der neuen Ambulanz kann die Theorie an der Praxis gemessen und zugleich die Praxis permanent weiterentwickelt werden. "Wir betreiben keine reine Dienstleistung im Zuge der Versorgung", betont Prof. Dr. Wolfgang H. R. Miltner, "sondern immer im Kontext von Forschung und Lehre".

Dennoch können sich Menschen, die an Ängsten, Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen, chronischen Schmerzzuständen oder sexuellen Funktionsstörungen leiden, vertrauensvoll in die Hände der erfahrenen Psychologen begeben. "Hier werden alle krankhaften Störungen behandelt, für die Psychotherapie indiziert ist", bestätigt Miltner, der den Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie der Universität innehat. Aus seinen und Stangiers Schwerpunkten ergibt sich das derzeitige Profil der Forschungs-Ambulanz, die von der Kassenärztlichen Vereinigung anerkannt ist, so dass die Krankenkassen für die Dienstleistungen aufkommen. Zum Behandlungsspektrum gehören alle etablierten Methoden der Verhaltenstherapie. "Hier wird Qualität auf einem hohen Niveau angeboten", ist sich Prof. Stangier sicher, der eine solche Ambulanz bereits in Frankfurt/M. geleitet hat und seine Erfahrungen in die Jenaer Einrichtung einfließen lässt. Stangier ist es außerdem wichtig, Rückfallprävention zu betreiben, denn die Rückfallquote etwa bei Depressionen ist extrem hoch. "Acht von zehn Patienten erleiden mehrfach depressive Episoden. Selbst bei prophylaktischer Einnahme von antidepressiven Medikamenten sind es noch etwa 40 Prozent", so der Jenaer Psychologe. Gerade die Forschungs-Ambulanz könne hier neue Hilfestellungen geben.

Untergebracht ist sie in einem Gebäude der Jenaer Universität in der Humboldtstraße 11. Das Personal rekrutiert sich aus den Mitarbeitern der Abteilungen für Biologische und Klinische Psychologie sowie Klinisch-psychologischer Intervention im Psychologischen Institut. Für die Therapeuten ist die Ambulanz eine Möglichkeit, um wissenschaftlich fundierte Psychotherapie auf dem neuesten Forschungsstand anzubieten.

Kontakt:
Prof. Dr. Ulrich Stangier / Prof. Dr. Wolfgang H. R. Miltner
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Humboldtstr. 11, 07743 Jena
Tel. 03641 / 945174
Fax: 03641 / 945172
E-Mail: psychotherapieambulanz[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

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