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Mein Freund, das Virus - Krankheitserreger bekämpfen den Krebs

14.02.2006


Ein neues Forschungsprojekt im Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM) untersucht, wie genetisch veränderte Viren Krebszellen infizieren und vernichten können.


Ähnelt unter dem Elektronenmikroskop Patronenhülsen - das nur wenige Milliardstel-Meter große Vesikuläre Stomatitis Virus.



Auf der Suche nach dem "Anti-Krebs-Virus"

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»Hepatitis C »Krebszelle »Leberkrebs »Virus


Knapp eine Million Euro stellen die Deutsche Krebshilfe und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Dr. Oliver Ebert als Projektleiter für ein viel versprechendes Krebsforschungsprojekt zur Verfügung. Der Wissenschaftler, der seit Anfang 2004 in der II. Medizinischen Klinik im Klinikum rechts der Isar arbeitet, verfolgt seit fünf Jahren das Ziel, die zerstörerische Kraft der Viren für die Krebsbekämpfung zu nutzen. Er konnte im Tiermodell zeigen, dass mithilfe des Vesikulären Stomatitis Virus - der Erreger löst beim Menschen harmlose grippeähnliche Symptome aus - Leberkrebs zurückgedrängt oder sogar geheilt werden konnte. Aufbauend auf diesem Ergebnis möchte Ebert die tumorzersetzende (onkolytische) Wirkung des Virus noch weiter verbessern und dafür sorgen, dass der Erreger nur die Tumorzellen und nicht das gesunde Gewebe angreift. Ziel der Forschung ist es, im Tiermodell ein "Antikrebs-Virus" zu entwickeln, das in circa drei Jahren erstmalig auch bei Menschen mit Leberkrebs in einer klinischen Studie in Deutschland eingesetzt werden kann.

Bislang wenig Hoffnung für Leberkrebspatienten

"Bislang gibt es für Patienten mit Leberkrebs nur wenig therapeutische Möglichkeiten", berichtet Oliver Ebert. Der Tumor spricht nur selten auf eine Chemotherapie an und entsprechend schlecht sind die Überlebensraten: Die meisten Patienten leben nach der Diagnosestellung nur noch sechs Monate. "Daher suchen wir einen neuen Weg, um Leberkrebspatienten zu helfen - und der Einsatz von onkolytischen Viren erscheint mir dabei viel versprechend", erklärt Ebert. Die Grundlagen der Virenforschung erwarb sich der Mediziner im Forschungslabor des renommierten Mount Sinai Medical Center in New York. Für sein Forschungsprojekt im Klinikum rechts der Isar plant Ebert, das Vesikuläre Stomatitis Virus so umzuprogrammieren, dass es sich noch spezifischer als bisher gegen Leberkrebszellen und nicht gegen gesundes Gewebe richtet.

Aus Feinden Freunde machen

Dieses "Feintuning" der Viren ist möglich durch die gezielte Veränderung des Erbguts der Erreger. So kann das Virus beispielsweise derart manipuliert werden, dass es bei einer gesunden Zelle eine besonders starke Virenabwehrreaktion hervorruft, wohingegen es eine Tumorzelle ungehindert befallen und auflösen kann. Dies ist möglich durch eine Mutation im Matrix-Protein (M-Protein) des Virus. Doch dort hört die Arbeit der Virusingenieure nicht auf: Ebert und Kollegen schleusen weitere Gene in das Virus. Die neu eingebrachte Erbinformation soll dafür sorgen, dass eine virenbefallene Krebszelle gleichzeitig ihre Nachbarn mit in den Zelltod reißt. In einem weiteren Schritt planen die Forscher das Virus so zu verändern, dass es im Körper des Patienten eine Immunantwort gegen die Krebszellen auslöst. So könnten dann auch die gefürchteten Krebsmetastasen und kleine Krebszellnester bekämpft werden.

Zahl der Leberkrebspatienten steigt

Bislang ist nur ein geringer Teil der Tumorpatienten, etwa drei Prozent, von Leberkrebs betroffen. "Aber die Zahl der Patienten mit Leberkrebs wird weiter ansteigen", berichtet Oliver Ebert. Denn ein Auslöser für die schnell wuchernden Lebertumore ist in manchen Fällen eine über 30 Jahre zurückliegende Infektion mit dem Hepatitis C-Virus - ein Virus, das erst seit 1990 nachweisbar ist. Daher wurde es früher unbeabsichtigt durch Blutkonserven übertragen. Man geht aus diesem Grund davon aus, dass die Zahl der Leberkrebspatienten im Jahre 2020 einen Höchststand erreichen wird. Bis dahin haben Oliver Ebert und sein Team noch Zeit, um den ehemaligen Feind des Menschen, das Virus, zu seinem Verbündeten zu machen.

Über die II. Medizinische Klinik im Klinikum rechts der Isar der TU München
Neben der Therapie des Leberkrebses erforscht die II. Medizinische Klinik unter der Leitung von Prof. Roland M. Schmid neue Strategien zur Behandlung von Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse, des Magens und des Dickdarms. Dabei geht es den Forschern vor allem darum, mit Hilfe modernster molekularbiologischer Technologien grundlagenorientiertes Wissen in die Klinik umzusetzen.

Dr. Fabienne Hübener | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de

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