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Pflaster statt Nadel - neue Form der Medikamentengabe

14.02.2006


Keine Angst mehr vor der Nadel: Bereits seit etwa zehn Jahren sind transdermale (über die Haut) Systeme, so genannte Schmerzpflaster, zur Schmerztherapie im Einsatz. Diese zeichnen sich durch eine kontinuierliche Wirkstoff-Freisetzung über 72 Stunden aus. In der Therapie chronischer Schmerzen erlangte diese Applikationsform eine große Bedeutung, war jedoch bei postoperativen Schmerzen nicht hilfreich. Diese sind durch eine begrenzte Dauer, schnelle Intensitätsveränderungen und eine individuelle Unvorhersehbarkeit gekennzeichnet.



Prof. Dr. Stefan Grond on der Universitätsklinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg leitet eine europaweite Studie, mit der die Wirksamkeit des in den USA entwickelten und in Deutschland von der Firma Jansen hergestellten Systems überprüft wurde, und stellt die Ergebnisse beim "Hallenser Anästhesie-Kolloquiums" am Donnerstag, dem 16. Februar 2006, ab 19 Uhr im Maritim-Hotel Halle, Riebeckplatz 4, der Öffentlichkeit vor.

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Für Gebiet der postoperativen Schmerzen wurde nun ein kreditkartengroßes System entwickelt, das mit Hilfe eines elektrischen Stroms über die intakte äußere Haut das Medikament transportiert. Das Medikament wird dabei in einer Elektrode auf der Haut platziert und mit Einschalten des Schwachstroms in die tiefen Gewebeschichten der Haut verschoben und dort vom Körper aufgenommen. Noch sind diese Elektrotransportsysteme für den Wirkstoff Fentanyl (ETS-Fetanyl) nicht im klinischen Alltag einsetzbar.

"Ab Mitte 2006 dürfte das System zur Verfügung stehen", sagt Professor Dr. Stefan Grond.

Er leitet eine europaweite Studie, mit der die Wirksamkeit des in den USA entwickelten und in Deutschland von der Firma Jansen hergestellten Systems überprüft wurde. An dieser randomisierten, multizentrischen Studie in elf Staaten nahmen etwa 600 Patienten teil, darunter knapp 30 in Halle. Alle litten unter starken Schmerzen nach Operationen etwa im Bauch- oder Thoraxbereich. "Die Patienten waren sehr zufrieden." Auch beim Pflegepersonal stieß ETS-Fetanyl auf eine positive Resonanz. Die Patienten sind nach einer Operation leichter zu mobilisieren und nicht wie bisher an eine Infusionspumpe gebunden, Pflege und
Physiotherapie werden erleichtert. Mögliche Fehlerquellen bei der Medikamentengabe können zudem ausgeschlossen werden. In der Behandlung von postoperativen Schmerzen wurde bisher die intravenöse patientenkontrollierte Analgesie (PCIA) angewendet, dabei gibt ein elektronisch gesteuertes Pumpensystem das Medikament ab.

Die Patienten entscheiden beim neuen Elektrotransportsystem selbst, wann sie eine Medikamentengabe zur Schmerzstillung benötigen. Das System wird am Oberarm oder Oberkörper aufgeklebt. Die Patienten betätigen bei Schmerzen eine am System befindliche kleine Taste, über die der Stromkreis geschlossen wird. "Das ETS-Fetanyl zeichnet sich durch eine schnelle Wirksamkeit aus", erklärt der Spezialist für Schmerztherapien. Das Medikament wirkt 100-fach stärker als Morphin. Es wird über die Dauer von zehn Minuten abgegeben.

Während des "Hallenser Anästhesie-Kolloquiums" am 16. Februar 2006 stellt Professor Grond die Ergebnisse der Europastudie über die neue transdermale patientenkontrollierte Analgesie (Schmerzausschaltung) der Öffentlichkeit vor. Das System wird vorerst nur in Krankenhäusern zum Einsatz kommen.

Hinweis: Das Kolloquium ist eine Fortbildungsveranstaltung für Mediziner und ist nicht für die Allgemeinheit zugänglich.

Nähere Informationen:
Jens Müller
Pressereferent
Universitätsklinikum der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
06097 Halle (Saale)
T: 0345 55-71032
F: 0345 55-75749

Dr. Margarete Wein | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-halle.de/?cid=4711

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