Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit "Salsa" schonend Zahnersatz platzieren

19.10.2001


Eine neue endoskopische Technik ermöglicht jetzt die so genannte "Schlüsselloch-Chirurgie" auch bei Zahnimplantaten. Zahnmediziner der Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin - wenden "SALSA" (Subantroskopisch Laterobasale Sinusboden Augmentation) seit einiger Zeit an. Bei Zahnverlust im Oberkiefer entsteht häufig eine große Öffnung in der Kieferhöhlenwand, die für die Platzierung eines Zahnimplantates geschlossen sein muss. Dafür wurde bislang Knochenmaterial aus der Hüfte entnommen und zum Knochenaufbau im Oberkiefer wieder eingesetzt. Eine solche Hüft-Operation erfolgt stationär und unter Vollnarkose. Mit "SALSA" ist diese Knochenentnahme aus der Hüfte nicht mehr notwendig. "Schon kleine Mengen Knochenersatzmaterial, die experimentell und klinisch von Professor Dr. Dr. Hans G. Jacobs erprobt wurden, eigene Knochen, zusammen mit körpereigenen Wachstumsfaktoren können durch eine Öffnung von nur fünf Millimetern in einen künstlich mit dem Endoskop erzeugten Raum zwischen Kieferknochen und Kieferhöhlenschleimhaut eingebracht werden," sagt Professor Dr. Dr. Wilfried Engelke, Abteilung Zahnärztliche Chirurgie. Die neue Technik habe auch bei ungünstigen Implantatlager des seitlichen Oberkiefers eine Erfolgsquote von 94 Prozent. Das habe eine Untersuchung an mehr als 200 Implantaten an der Göttinger Klinik über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren nachgewiesen. Die Resultate wurden kürzlich bei einem internationalen Symposium in Boston/USA vorgestellt.



Während des endoskopischen Eingriffs kann der Zahnarzt in einem Arbeitsgang auch künstliche Zahnwurzeln, also dentale Implantate einsetzen. Die Prinzipien der dentalen Implantologie wurden bereits Mitte der 70-er Jahre von Professor Dr. Dr. Hans G. Jacobs an der Göttinger Zahnklinik erarbeitet. Die Stabilität der Implantate kann dabei wenn notwendig mit den so genannten "Göttinger Satellitenimplantaten" soweit verbessert werden, dass die Einheilzeit von bisher etwa zwölf Monaten für einen Kieferaufbau und die Einheilung der Implantate um mehrere Monate verkürzt werden kann und die Patienten in der Einheilungsphase stets eine Verankerungsmöglichkeit für ihren Zahnersatz behalten. Der Einsatz des Endoskopes ermöglicht es, den Knochenverlust beim Kieferhöhlenaufbau sehr gering zu halten, vergleichbar mit dem Verlust an Zahnsubstanz bei der Füllung eines Backenzahnes. Deshalb wird die für die Knochenregeneration wesentliche Blutversorgung erhalten und der Bildung von so genannten Mund-Antrum-Fisteln, einer möglichen Komplikation der konventionellen Technik, vorgebeugt.

... mehr zu:
»Implantat


Die neue Technik wurde jetzt durch die Audiovisuelle Zentrale des Bereichs Humanmedizin verfilmt. Ein halbstündiges Video dient der Ausbildung von Implantologen und ist bereits in englischen und spanischen Fassungen erhältlich. Die in der Ausbildung befindlichen Implantologen können am speziell dafür entwickelten Göttinger Operationsphantom die minimalinvasive Technik erlernen. Eine umfangreiche Langzeituntersuchung zur SALSA- Technik findet zur Zeit in einem Projekt mit der Universität de Entre Rios/Argentinien und mit Unterstützung deutscher Endoskophersteller statt.

Die neue SALSA-Technik ist Resultat einer 10-jährigen Forschungstätigkeit von Professor Dr. Dr. Wilfried Engelke, der aufgrund seiner Ausbildung als Hals-Nasen-Ohrenarzt und Kieferchirurg die Methode aus der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in die Zahnheilkunde "importiert" hat. Durch Verbesserung der endoskopischen Systeme zur so genannten Stütz-Immersions-Endoskopie können jetzt sogar die Bohrstollen für zahnärztliche Implantate während der Operation genau untersucht werden und das geeignete Implantat nach der Beschaffenheit des Implantatlagers ausgewählt werden. Die Endoskopie gibt auch Auskunft über die Belastungsfähigkeit des Knochens und dessen Regenerationspotenzial, so dass die zahnärztliche Implantatbehandlung durch die Schlüssellochtechnik sicherer wird.

In der Göttinger Implantatsprechstunde hat die neue Technik die aufwendigere so genannte Fenstertechnik nach Tatum vollständig abgelöst, nur in wenigen Ausnahmefällen, wie zum Beispiel bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und nach Tumoroperationen, ist die Verwendung von Hüftknochen noch notwendig. Alle anderen Fälle können mit der neuen minimal invasiven, endoskopischen Technik mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit ambulant in Lokalanästhesie behandelt werden. Die chirurgische Behandlung mit Kieferhöhlenaugmentation und Implantation von drei Implantaten einer Kieferseite dauert etwa 90 Minuten, also nicht länger als die zahnärztliche Behandlung zur Herstellung einer Brücke.

Weitere Informationen:

Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Abt. Zahnärztliche Chirurgie
Direktor Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Hans G. Jacobs
Prof. Dr. Dr. Wilfried Engelke
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 2868 (Poliklinik - mit Prof. Engelke verbinden lassen)
Fax: 0551/39 - 92 17

Rita Wilp | idw

Weitere Berichte zu: Implantat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie