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Neues OP-Verfahren bei Halswirbelsäulenerkrankungen

08.02.2006


Befreiung durchs Schlüsselloch



RUBIN 1/06: Die Bandscheibe in Ruhe lassen

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Schmerzen im Nacken, Kribbeln bis in die Hände, Lähmungserscheinungen - die Symptome bei Bandscheibenvorfällen oder knöchernen Veränderungen an der Halswirbelsäule sind vielfältig und unangenehm. Wenn eine Schmerztherapie nicht hilft, muss operiert werden. Da die Halswirbelsäule extrem beansprucht wird, suchen Mediziner nach schonenden Methoden, die die Bewegungsfähigkeit möglichst auf lange Sicht erhalten. Eine neue Technik wendet die Neurochirurgische Klinik der Ruhr-Universität an: Die Chirurgen fräsen einen kleinen Kanal durch den Wirbel, durch den sie vorgefallenes Bandscheibengewebe oder knöcherne Engstellen beseitigen können, so dass der Nerv befreit ist. Die Bandscheibe selbst bleibt funktionstüchtig. Über das Verfahren berichten sie in der aktuellen Ausgabe von RUBIN, dem Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität.

Wirbel verwachsen miteinander


Bislang wurde bei Halswirbelproblemen die betroffene Bandscheibe meistens ganz entfernt. An ihre Stelle setzte man ein sog. Cage: einen starren Platzhalter, der mit der Zeit vom Körper knöchern überbaut wurde, so dass die beiden benachbarten Wirbel miteinander verwuchsen (Fusion). Zwar bemerkte der Patient die Bewegungseinschränkung selbst nicht. Aber die Bandscheiben darüber und darunter wurden dadurch umso mehr beansprucht, so dass sie schneller verschlissen und häufig später ebenfalls Probleme machten. Alternativ werden Bandscheibenprothesen entwickelt, die anstelle der eigenen Bandscheibe zwischen die Wirbel gesetzt werden und deren Funktion übernehmen sollen. Allerdings sind die Anforderungen an das Material sehr hoch, und auch bei Prothesen kann es passieren, dass die betroffenen Wirbel zusammenwachsen.

Bandscheibe bleibt funktionstüchtig

In der Bochumer Uniklinik setzt man daher auf ein Bandscheiben erhaltendes Verfahren. Der Operateur bohrt von einer kleinen knöchernen Ausziehung an der Seite des Wirbelkörpers (Uncus) aus ein Loch durch den Wirbelkörper, bis er zum Nervenaustrittsloch (Neuroforamen) gelangt. Dort kann er knöchernes Material oder Bandscheibenstücke, die den Nerv einengen, entfernen, während die Bandscheibe selbst unangetastet bleibt. Erste Untersuchungen zeigen viel versprechende Ergebnisse: Die Beschwerden verschwinden meist sofort, die Halswirbelsäule bleibt stabil und die Bandscheibe funktionstüchtig.

Weitere Themen in RUBIN 1/06

In RUBIN 1/06 finden Sie außerdem folgende Themen: Die Silbermann-Orgel in der Dresdener Hofkirche nach der Restaurierung: Wie nahe sind wir dem Klang von 1755?; Strukturwandel und Frauenarbeit im Ruhrgebiet: Geschlechterrollen wirken lange nach; Koppelgeschäfte stärken EU-Kompetenz: Wer regiert Europa?; Cochlea-Implantat-Forschung: Hören, wenn das Ohr nicht funktioniert; Plasma-Sterilisation von PET-Flaschen: Dicht und steril im Doppelpack; Muskelkontraktion im virtuellen Experiment: Wenn der Computer die Muskeln spielen lässt; Suche nach dem chemischen Ursprung des Lebens: Moleküle, die sich selbst vermehren; Editorial (Prorektor Prof. Elmar W. Weiler): Zur Exzellenzinitiative. RUBIN ist in der Pressestelle der Ruhr-Universität (Tel. 0234/32-22830) zum Preis von 2,50 Euro erhältlich und steht im Internet unter: http://www.rub.de/rubin.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Albrecht Harders, Neurochirurgische Klinik, Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer, Klinikum der Ruhr-Universität, In der Schornau 23-25, 44892 Bochum, Tel. 0234/299-0, E-Mail: albrecht.harders@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin

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