Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die verlorenen Gesichter von Nigeria

01.02.2006


Bonner Operations-Team hilft erneut Noma-Opfern


Kleiner Junge mit frischer Noma



Viele Kinder in Afrika erleiden durch eine bakterielle Infektion, Noma oder auch "Wangenbrand" genannt, schwere Gesichtsverstümmelungen. Erneut bricht ein neunköpfiges Team der Anästhesiologie sowie der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Bonn am 9. Februar um sieben Uhr vom Flughafen Köln/Bonn zu einem zweiwöchigen Einsatz nach Nigeria auf. Im "Noma Children Hospital" in Sokoto operierte das ehrenamtliche Bonner Team bereits im Februar 2004 insgesamt 105 Patienten - Noma-Opfer, aber auch Kinder mit angeborener Lippenspalte, Verbrennungsopfer und Tumorpatienten.

... mehr zu:
»Gesichtschirurgie


Noma ist eine Krankheit der Armut. Mangelernährung schwächt das kindliche Immunsystem, und eigentlich harmlose Mundbakterien können sich rasch vermehren. Die Infektion breitet sich immer weiter aus, zerstört Gewebe und greift Knochen an. Die WHO schätzt, dass allein in Afrika pro Jahr mehr als 100.000 Kinder unter sechs Jahren an Noma erkranken und nur etwa jedes zehnte Kind überlebt. Sie sind für das ganze Leben gezeichnet - so auch Fathma (Name geändert), die vor zwei Jahren im Noma Children Hospital Hilfe fand. In dem Gesicht der jungen Frau fehlten Teile der Wange, Oberlippe, Oberkiefer- und Wangenknochen sowie ein Stück der Nase. Die Wange war eingefallen und zog dadurch das untere Augenlid herab. Oft haben Noma-Opfer durch die Vernarbungen auch eine Kiefersperre. Sie können ihren Mund nicht mehr öffnen und nur schwer Nahrung, meist nur in flüssiger Form, zu sich nehmen. "Die Gelassenheit und Geduld mit der die Kinder und Angehörigen ihr Leid akzeptieren, haben mich sehr beeindruckt", sagt Kieferchirurg Dr. Torsten Erdsach, ausscheidender Oberarzt an der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

Im Rahmen eines internationalen Hilfsprojekts operieren viermal im Jahr hochqualifizierte Teams aus Deutschland und anderen europäischen Ländern am 1997 von der AWD Stiftung Kinderhilfe in Sokoto gegründeten Noma Children Hospital. Durch plastische Rekonstruktionen und Transplantationen stellen sie die zerstörten Gesichter der meist jungen Patienten weitgehend wieder her. Bei ihrer Patientin Fathma verlagerten die Bonner Mediziner 2004 Gewebe von der Brust dorthin, wo Wange und Wangenknochen in ihrem Gesicht fehlten. Darauf aufbauend schlossen folgende Teams Stück für Stück den Defekt. "Für Afrika ist der Operationssaal dort sehr gut ausgestattet. So können wir alle unsere Patienten fast nach europäischem Standard versorgen", sagt Privatdozent Dr. Jörgen Bruhn, Oberarzt an der Bonner Universitätsklinik für Anästhesiologie und Mitglied des Bonner Teams. Die Mediziner schulen auch das einheimische Klinikpersonal und geben so Hilfe zur Selbsthilfe. Dieses betreut das ganze Jahr Noma-Opfer und kümmert sich um die Nachsorge und Weiterbehandlung der kleinen Patienten. Örtliche Chirurgen führen weniger komplizierte Operationen durch.

Da ist eine stille Dankbarkeit

Die sechs Bonner vom Universitätsklinikum, ein Chirurg aus Belgien, ein Frankfurter OP-Pfleger und Teamleiter Professor Dr. Stefaan Bergé, Chefarzt am Universitätsklinikum in Nijmegen und vormals Oberarzt an der Bonner Universitätsklinik für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie, arbeiten für das Noma-Projekt Sokoto ehrenamtlich und opfern ihre Freizeit. "Die Familie zuhause hat dafür Verständnis, denn ein solcher Einsatz lohnt sich", sagt Kieferchirurg Erdsach. Das Bonner Team erwartet wieder eine konstruktive Zusammenarbeit fernab des bürokratischen deutschen Gesundheitswesen in einem Team von Leuten, die alle das gleiche Ziel haben. Team-Betreuerin Karin Schröder unterstützt sie erneut, die Sprachbarriere zu überwinden, und in allen kleinen Alltagsdingen. Zudem freuen sich die Bonner auf die Kochkunst des einheimischen Kochs Baba und vor allem darauf, viele vertraute Gesichter wiederzusehen. Auch ihre Patientin Fathma haben die Ärzte jetzt noch einmal ins Noma Children Hospital eingeladen, um noch letzte feine Korrekturen in ihrem Gesicht vorzunehmen.

Kontakt für die Medien:

Privatdozent Dr. Jörgen Bruhn
Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-5109
E-Mail: joergen.bruhn@ukb.uni-bonn.de

Dr. Dr. Torsten Erdsach
Ausscheidender Oberarzt an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikum Bonn
Telefon: O2241/844 58 44 oder 0228/287-5839
E-Mail:erdsach@uni-bonn.de

Professor Dr. Stefaan Bergé
Telefon: 02222/649325 oder 00 31 24 36 1 45 61
E-Mail: s.berge@mkc.umcn.nl

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Gesichtschirurgie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik