Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Immuntherapie muss Tumoren nicht direkt angreifen

31.01.2006


Das Karzinom der Nebennierenrinde ist ein besonders bösartiger Tumor: Bei über 80 Prozent der Patienten treten im Laufe der Erkrankung Metastasen vor allem in Leber, Lunge und Knochen auf, die Heilungschance ist dann nahe Null. Aus diesem Grund will Martin Fassnacht an der Medizinischen Klinik I der Uni Würzburg eine Immuntherapie gegen diese Krebsform etablieren.



Bei einer Immuntherapie nutzt man die Kräfte des Immunsystems aus, um eine Krankheit zu bekämpfen. Fassnacht will das auf diesem Weg erreichen: Es wird Blut entnommen, aus dem dann bestimmte Zellen ausgesondert werden, die so genannten Dendritischen Zellen. Die sind darauf spezialisiert, Krankheitserreger oder Tumorzellen zu erkennen, der Immunabwehr präzise zu beschreiben und dadurch eine gezielte Verteidigung in Schwung zu bringen. Im Labor werden die Zellen gegen den Feind aktiviert und dann dem Patienten als Tumor-Impfstoff zurückgegeben. Sein Immunsystem sollte daraufhin die Krebszellen verstärkt attackieren.

... mehr zu:
»Immunsystem »Immuntherapie


Fassnachts Strategie erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, denn er will das Immunsystem nicht auf den Tumor selbst hetzen, sondern auf die Zellen, die ihn umgeben. Der Mediziner erklärt: "In den vergangenen Jahren hat sich zunehmend gezeigt, dass die Zellen, die um den Tumor herum wachsen, von entscheidender Bedeutung für den Verlauf der Erkrankung sind."

So gehe man beispielsweise davon aus, dass diese Zellen die Metastasenbildung fördern können. Sie sind zwar nicht entartet, unterscheiden sich aber trotzdem von gesunden Zellen. Beispielsweise bilden sie das Protein FAP, das im Körper sonst nur ganz selten vorkommt - und diese Eigenart macht sie zu einem guten Angriffsziel für die Therapie.

Gegen das seltene Protein lässt sich mit Hilfe der Dendritischen Zellen in der Tat eine Immunantwort auslösen. Das hat Fassnacht mit seinen Kollegen Jaewoo Lee und Eli Gilboa an der Duke University in North Carolina (USA) bewiesen: Die Forscher konnten in Zellkulturen und bei Mäusen das Wachstum von Haut- und Brustkrebs sowie Lymphomen deutlich verlangsamen. Ihre Ergebnisse wurden in den Zeitschriften "Clinical Cancer Research" (August 2005, 11: Seiten 5566-5571) und "Cancer Research" (Dezember 2005, 65: Seiten 11156-11163) publiziert.

In den USA war Fassnacht ab Sommer 2003 tätig, jetzt ist er wieder nach Würzburg zurückgekehrt. Sein zuerst von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt wird seit 2005 von der Europäischen Union im Marie-Curie-Programm unterstützt: Im Rahmen dieses "Outgoing International Fellowships" wird neben der Auslandsphase auch die Re-Integration an der Uni Würzburg gefördert. Hier will Fassnacht nun die Methoden der Immuntherapie etablieren, die er in den USA erarbeitet hat, und sie auf das Nebennierenkarzinom anwenden. Später soll diese Therapieform dann auf die Tumoren anderer Hormondrüsen übertragen werden.

Weitere Informationen: Dr. Martin Fassnacht, T (0931) 201-36507, Fax (0931) 201-36283, E-Mail: Fassnacht_M@medizin.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de/

Weitere Berichte zu: Immunsystem Immuntherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE