Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geistige Herausforderung hält Hirn auf Trapp

31.01.2006


Regelmäßige sportliche Aktivität hält Herz und Hirn auf Trapp. Um im Alter geistig fit zu bleiben, ist neben physischer aber auch mentale Aktivität, also eine Art Hirnjogging, gefordert. Wie wichtig ein gebündeltes Präventionspaket von sportlicher Aktivität und intellektueller Betätigung gerade für ältere Menschen im Hinblick auf Auftreten und Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung ist, von der mittlerweile weltweit bereits 25 Millionen Menschen betroffen sind, beweisen jetzt Forschungsergebnisse am Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Münster (UKM). In Kooperation mit dem Institut für Verhaltensbiologie der Universität Münster konnte experimentell unter anderem nachgewiesen werden, dass bei regelmäßiger körperlicher und kognitiver Herausforderung Zahl und Ausdehnung der bei Alzheimer-Krankheit charakteristischen Eiweißablagerungen (Plaques) im Gehirn deutlich geringer sind. Gleichzeitig zeigten Verhaltensstudien signifikant bessere Gedächtnisleistungen.



Dass physische und intellektuelle Aktivität das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung reduziert und ihren Verlauf verlangsamt, wurde bereits in großen epidemiologischen Studien beobachtet, die Anfang des Jahrtausends in den USA durchgeführt wurden. Warum das so ist, war bislang allerdings nicht bekannt. "Man wusste, das im Gehirn was passiert, aber nicht genau was und warum", erklärt Privatdozentin Dr. Kathy Keyvani die Ausgangssituation für die münsterschen Forschungsarbeiten. Hinter denen steht nach Worten der jungen Medizinerin letztlich auch eine große Hoffnung. Denn wenn die einschlägigen Mechanismen im Gehirn genauer bekannt sind, so können sie womöglich eines Tages gezielt medikamentös beeinflusst werden. Und zwar dahingehend, dass die Wirkung von körperlicher und geistiger Aktivität verstärkt und dadurch der Demenz noch nachhaltiger begegnet wird.



Im Rahmen von verhaltensbiologischen Untersuchungen haben die münsterschen Wissenschaftler zunächst nachgewiesen, dass Mäuse, die in einer "angereicherten" Umgebung gehalten werden, in der es viel zu spielen und zu entdecken gibt, so etwas wie einen Vitaminstoß für ihre geistige Leistungskraft erhalten. Das heißt, ihr Gedächtnis ist signifikant besser als das von Artgenossen, die in einer schlichten Umgebung gehalten werden, in der sie keinerlei kognitive Stimulation erfahren.

Dass dieses Ergebnis der verhaltensbiologischen Untersuchungen mit entsprechenden histologischen Veränderungen korrespondiert, haben anschließend sehr eindrucksvoll die anschließenden Hirnuntersuchungen im Institut für Neuropathologie gezeigt. So war zum einen die Zahl der für Alzheimer charakteristischen Plaques, das heißt der Ablagerungen eines bestimmten Eiweißes (Beta-Amyloid), außerhalb der Zellen in den Gehirnen der Tiere, die in den angereicherten Käfigen gehalten wurden, um fast ein Drittel reduziert. Auch waren die einzelnen Plaques im Schnitt nur halb so groß. Noch auffälliger war der Unterschied bei entsprechenden Protein-Ablagerungen in den Gefäßwänden: Hier lag die Reduktion bei 60 Prozent. Die Eiweißablagerungen sind deshalb so gefährlich, weil sie zum Beispiel dafür sorgen, dass neben der Brüchigkeit der Gefäßwände und dem erhöhten Risiko für Hirnblutungen auch der Sauerstofftransport im Gehirn beeinträchtigt wird. Und dies widerum verstärkt die bei Alzheimer-Krankheit typischen Symptomen wie Gedächtnisstörungen, Verhaltensveränderungen und schlechterer Orientierung.

In weiteren Untersuchungen haben die münsterschen Forscher herausgefunden, dass bei kognitiver Herausforderung bestimmte Gengruppen anders exprimiert werden. Dadurch wird sehr wahrscheinlich einerseits die Aggregation, das heißt das Zusammenklumpen einzelner Protein-Bruchstücke zu Plaques, erschwert und auf der anderen Seite der Abbau der Plaques angekurbelt. Nächstes Ziel der Forschungsarbeiten am Institut für Neuropathologie des UKM ist es jetzt, die dabei ablaufenden molekularen Kaskaden genau zu identifizieren, um sie dann in einer ferneren Zukunft gezielt durch pharmakologische Interventionen zur Verstärkung der positiven Effekte von körperlicher und kognitiver Aktivität beeinflussen zu können. Dadurch könnte dann das Auftreten einer Alzheimer-Erkrankung weiter hinausgeschoben und ihr Verlauf verlangsamt werden.

Jutta Reising | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/
http://www.klinikum.uni-muenster.de/institute/npatho/

Weitere Berichte zu: Alzheimer Alzheimer-Erkrankung Hirn Neuropathologie Plaques

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

nachricht MRT-Kontrastmittel: Neue Studie spricht für Sicherheit
17.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie