Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dickdarm-Krebs in Österreich: 5.000 Neuerkrankungen

26.01.2006


Wissenschaftler fordern Nutzung einer genetischen Analyse


Blick auf die Gene zeigt Wahrscheinlichkeit für Dickdarm-Karzinom



In Österreich erkranken jährlich 5.000 Menschen an Dickdarmkrebs. Etwa fünf bis zehn Prozent davon mit einer erblichen Belastung. Bei von Dickdarmkrebs betroffenen Familien könnte eine genetische Analyse Klarheit schaffen. Durch diese Prädiktive Genetische Diagnostik (PGD) können Familienmitglieder, die eine Veränderung im Erbgut tragen, identifiziert und von denen unterschieden werden, die nicht betroffen sind. Dadurch könnten gesunde Familienmitglieder von den aufwändigen Vorsorgeuntersuchungen ausgeschlossen werden. Familienangehörige, bei denen jedoch eine Mutation im Erbgut gefunden wird, kann dringend empfohlen werden, sich regelmäßig gründlich untersuchen zu lassen. Denn bei ihnen liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Dickdarm-Karzinom bei 80 Prozent. In Deutschland, in der Schweiz und in den Niederlanden werden genetische Analysen bereits genutzt. "Wir fordern, dass Österreich diesbezüglich nachzieht", sagt Michael Krainer vom Center of Competence for Genetic Analysis des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Wien gegenüber pressetext.

... mehr zu:
»Dickdarmkrebs »Erbgut »PGD


Krebs wird fast immer durch eine genetische Veränderung ausgelöst. Oft ist ein Mismatch-Repair-Gen mutiert, das normalerweise dafür sorgt, dass im Erbgut keine Fehler auftreten. Sind Mismatch-Repair-Gene betroffen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Wenn die Ursache für eine Krebs-Erkrankung in den Genen liegt, besteht auch für direkte Blutsverwandte ein höheres Krebsrisiko. Treten mehrere Krebsfälle in einer Familie auf, sind alle Mitglieder gefährdet. Jetzt können durch eine Sequenzanalyse der speziellen Genregionen betroffene Individuen identifiziert werden.

Allerdings kann es sehr lange dauern, bis ein Ergebnis vorliegt: Wegen der aufwändigen Prozedur und noch fehlender Organisationsstruktur müssen die Betroffenen zwei Monate bis zwei Jahre darauf warten. Auch die Finanzierung ist noch nicht geregelt. "Es wird noch verhandelt", erläutert Judith Karner-Hanusch, Leiterin der Allgemeinchirurgischen Ambulanz am AKH Wien. Sie spricht von unzähligen Briefwechseln und langsamen bürokratischen Mühlen. Die PGD wurde vom Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen bereits zugelassen. Jetzt fordern die Wissenschaftler, die Untersuchungsmethode in die Regelversorgung zu übernehmen.

Die Wissenschaftler haben speziell auf Österreich zugeschnittene Richtlinien entwickelt. 80 betroffene österreichische Familien wurden bisher gefunden und genetisch analysiert. Die Mediziner bestimmten Kriterien, die möglichst viele Mutationsträger erfassen, und sorgten für eine wirtschaftlich realisierbare Vorgehensweise bei genetischer Analyse und Vorsorge. Wenn Risikopatienten sich häufig untersuchen lassen, erhöht sich durch die Früherkennung eines Karzinoms die Heilungschance. Die PGD hat jedoch noch weitere Vorteile. Erblich nicht vorbelasteten Menschen werden viele Darmspiegelungen erspart. Das verursacht natürlich auch weniger Kosten. Krainer rechnet vor, dass ein PGD-Test bis zu 14.000 Euro einsparen kann. Damit würde das Gesundheitssystem in Österreich entlastet.

"Außerdem wäre es schön, die Proben nicht ins Ausland zu geben", betont Karner-Hanusch. Mit einer Einführung der PGD könnten sich innovative Spezialunternehmen etablieren. Solche privatwirtschaftlichen Diagnostik-Einrichtungen seien für Österreich auch ökonomisch sinnvoll. "In einem weiteren Schritt streben wir an, in naher Zukunft das Mutationsspektrum von Zentraleuropa herauszufinden", so Karner-Hanusch gegenüber pressetext.

Lisa Hartmann | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.meduniwien.ac.at

Weitere Berichte zu: Dickdarmkrebs Erbgut PGD

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie