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Krebsforscher deckt Störungen von Signalwegen auf

26.01.2006


Deutsche Hypo verleiht Johann-Georg-Zimmermann-Preis an Dr. Carsten Müller-Tidow / Professor Dr. Rolf Sauer mit Johann-Georg-Zimmermann-Medaille geehrt



Hohe Auszeichnung für Privatdozent Dr. Carsten Müller-Tidow: Professor Dr. Dieter Bitter-Suermann, Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover, und Jürgen Morr, Mitglied des Vorstandes der Deutsche Hypothekenbank (Actien-Gesellschaft), Hannover, haben den Forscher der Universitätsklinik Münster am heutigen Freitag mit dem Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis 2005/2006 ausgezeichnet. Die Deutsche Hypothekenbank vergibt die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnungen seit 1972 für Verdienste in der Krebsforschung. Dr. Müller-Tidows Forschungen ermöglichen die Entwicklung einer zielgerichteten, so genannten molekularen Therapie der akuten Leukämien. Die mit 5.000 Euro dotierte Johann-Georg-Zimmermann-Medaille hat Professor Dr. Rolf Sauer von der Universität Erlangen-Nürnberg für seine bedeutenden strahlentherapeutischen Forschungen zur Entwicklung multimodaler Therapien verliehen bekommen. "Wir haben zwei würdige Preisträger gefunden, deren Forschungen grundlegende Bedeutungen haben", betonte Professor Dr. Michael P. Manns, Vorsitzender des Kuratoriums des Johann-Georg-Zimmermann-Vereins.



"Herr Dr. Müller-Tidow befasst sich seit zehn Jahren mit den genetischen Veränderungen in Leukämiezellen und hat insbesondere bei der akuten myeloischen Leukämie neue grundlegende Störungen der intrazellulären Signalwege aufgedeckt", betonte Professor Dr. Arnold Ganser, Direktor der MHH-Abteilung. Haematologie, Haemostaseologie und Onkologie, in seiner Laudatio. "Diese Befunde sind Grundlage für neue zielgenaue medikamentöse Behandlungen, wodurch die Leukämietherapie hoffentlich noch erfolgreicher und nebenwirkungsärmer wird."

Professor Dr. Dr. Clemens F. Hess, Direktor der Abteilung Strahlentherapie und Radioonkologie der Georg-August-Universität Göttingen, würdigte in der Laudatio für Professor Dr. Rolf Sauer, die Forschungen des Preisträgers der Johann-Georg-Zimmermann-Medaille auf dem Gebiet der brusterhaltenden Therapie des Mammakarzinoms sowie der organerhaltende strahlentherapeutischen Behandlung des fortgeschrittenen Blasenkarzinoms. "Zudem erwies sich eine klinische Studie, die Professor Sauer federführend mit Kollegen aus Hannover und Göttingen durchführte, als wegweisend für die Behandlung von Enddarmtumoren", ergänzte Professor Hess. "Er hat gezeigt, dass eine Radiochemotherapie vor einer Operation nicht nur zu einer besseren Verträglichkeit führt, sondern auch zu einem deutlich geringeren Rückfallrisiko."

Der Preisträger des Johann-Georg-Zimmermann-Preises 2005/2006
Privatdozent Dr. med. Carsten Müller-Tidow

Carsten Müller-Tidow wurde 1968 in Remscheid geboren. Nach dem Studium der Humanmedizin an der Technischen Hochschule Aachen und der Universität Bonn, promovierte er im Jahr 1995 und war von 1994 bis 1996 an der Universität Münster zunächst als Arzt im Praktikum, dann als wissenschaftlicher Assistent tätig. Gefördert durch ein Ausbildungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft arbeitete und forschte Dr. Müller-Tidow von 1996 bis 1999 an der University of Southern California in Los Angeles und der University of California Los Angeles, bis er im Sommer 1999 an das Universitätsklinikum Münster zurückkehrte. Ende 2003 bekam er dort die Venia Legendi für das Fachgebiet Innere Medizin verliehen und ist seit August 2004 als Oberarzt an der Medizinischen Klinik A, Hämatologie und Onkologie, im Universitätsklinikum Münster tätig. Seit Juni 2004 ist Dr. Müller-Tidow Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Seine international beachteten Forschungsarbeiten werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Deutschen Krebshilfe, der José-Carreras-Leukämie-Stiftung und der Wilhelm-Sander-Stiftung gefördert. Gemeinsam mit Professor Dr. Hubert Serve leitet er ein Projekt im Leukämienetz des Nationalen Genomforschungsnetzwerks (NGFN-2). Den Johann-Georg-Zimmermann-Preis 2005/2006 erhält Dr. Müller-Tidow für seine umfangreichen Arbeiten zur Erforschung genetischer Ursachen bei Krebserkrankungen wie dem Lungenkrebs und der akuten myeloischen Leukämie (AML) und die Entwicklung entsprechender molekularer Behandlungsstrategien. AML ist eine Form des Blutkrebses, die mit einer Überproduktion von unreifen weißen Blutzellen (Blutkörperchen) im Knochenmark einhergeht. Fast jedes fünfte Kind, das an akuter Leukämie erkrankt, und 80 Prozent der erwachsenen Patienten leiden an dieser speziellen Form des Blutkrebses. Trotz großer Fortschritte auf dem Gebiet der Leukämieforschung ist die akute myeloische Leukämie nach wie vor eine lebensbedrohliche Erkrankung. Die molekularen Mechanismen, die bei ihrer Entstehung eine Rolle spielen, sind bislang noch weitgehend ungeklärt. Bekannt ist allerdings, dass eine Vielzahl von genetischen Veränderungen in blutbildenden Vorläuferzellen an der Entstehung der AML beteiligt sind. Diese Gen-Mutationen führen dazu, dass unreife, sich abnorm vermehrende bösartige Knochenmarksvorläuferzellen das Knochenmark durchsetzen und die normale Blutbildung verdrängen.

"Mit modernen molekularbiologischen Ansätzen identifizieren wir die Gene, die für die Entstehung der Leukämie verantwortlich sind", erläutert Preisträger Dr. Müller-Tidow, der vor sechs Jahren gemeinsam mit Professor Dr. Hubert Serve begonnen hat, die internationale Arbeitsgruppe für molekularbiologische Hämatologie/Onkologie an der Medizinischen Klinik A des Universitätsklinikum Münster aufzubauen. Die Arbeitsgruppe untersucht die Funktionen dieser Gene und Therapieansätze, um diese Gene gezielt in Leukämiezellen abzuschalten. Die Münsteraner Wissenschaftler gehen davon aus, dass die neuen Behandlungsstrategien weniger schädliche Nebenwirkungen mit sich bringen werden als bisher verfügbare Therapieformen und somit die Heilungschancen langfristig erhöhen.

Der Preisträger der Johann-Georg-Zimmermann-Medaille 2005/2006
Professor Dr. Rolf Sauer

Rolf Sauer wurde 1939 in Hamburg geboren und studierte 1958 bis 1963 in Hamburg und Wien. Nach der Promotion in Hamburg, einer einjährigen Stabsarzttätigkeit bei der deutschen Bundeswehr und einer wissenschaftlichen Assistententätigkeit am Physiologischen Institut der Universität Basel erfolgte die Weiterbildung in Radiologie an der Universität Basel, wo er sich 1976 über Dosisleistungseffekte an der pluripotenten hämatopoetischen Stammzelle der Maus habilitierte. Für diese Arbeiten erhielt er 1977 den Jubiläumspreis der Schweizerischen Gesellschaft für Radiologie und Nuklearmedizin. 1977 wurde er auf den ersten Lehrstuhl für Strahlentherapie an der Universität Erlangen berufen; es war der erste strahlentherapeutische Lehrstuhl in Bayern und der vierte in Deutschland überhaupt. Seitdem hat er in vorderster Reihe die Entwicklung der deutschen Radioonkologie maßgeblich geprägt und in der Medizinischen Fakultät zahlreiche neue Akzente gesetzt.

Zu seinen Verdiensten zählt unter anderem die Gründung des Erlanger Tumorzentrums, dessen Vorsitzender er bis 1992 war. 1979 bis 1989 gestaltete er als Mitglied des Protocol Review Committees "Vergleichende Therapiestudien im Bereich bösartiger Neubildungen" des Bundesministeriums für Forschung und Technologie, von 1989 bis 1993 als Mitglied des Protocol Review Committees der Deutschen Krebsgesellschaft, dessen Vorsitzender er 1993 bis 1998 wurde, die Entwicklung der klinischen Krebsforschung in Deutschland ganz wesentlich mit. 1981 initiierte er für die Bundesrepublik Deutschland ein flächendeckendes Weiterbildungsprogramm in Radioonkologie für Ärzte in Weiterbildung, das er bis heute in zweimal jährlich stattfindenden Weiterbildungsveranstaltungen weiterführt, ergänzt durch die renommierten interdisziplinären Rothenburger Onkologie-Symposien. 1987 gründete er die Arbeitsgruppe für klinische Krebsforschung der Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft (ARO) und 1989 die Arbeitsgemeinschaft Radioonkologie in der Bayerischen Röntgengesellschaft. 1993 wurde er verantwortlicher Schriftleiter der Zeitschrift "Strahlentherapie und Onkologie", der er zu internationalem Renommee verhalf. Er selbst profilierte sich wissenschaftlich mit bahnbrechenden klinischen Studien zur brusterhaltenden Therapie des kleinen Mammakarzinoms der Frau, zur funktionserhaltenden Radiochemotherapie des Karzinoms des Darmausgangs (Analkarzinom), zur organ- und funktionserhaltenden Behandlung des Harnblasenkarzinoms und kürzlich zur multimodalen Therapie des Rektumkarzinoms (Karzinom des Enddarms), wo er durch die Etablierung der präoperativen Radiochemotherapie einen neuen internationalen Therapiestandard setzte.

Professor Sauer ist bzw. war Mitglied, Sprecher, Vorsitzender und Präsident vieler nationaler und internationaler Forschungseinrichtungen, Fachgesellschaften und wissenschaftlichen Leitungsgremien, unter anderem Vorstandsmitglied der Deutschen Röntgengesellschaft (1979 bis 1985) und Vorsitzender der Deutschen Radioonkologen (1979 bis 1985). Seit 1996 ist er Ärztlicher Direktor des Erlanger Universitätsklinikums und auch seit 1999 dessen Vorstandsvorsitzender. Im Jahre 2002 erhielt Professor Sauer das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland durch den Bundespräsidenten Johannes Rau, im Jahre 2004 den Deutschen Krebspreis anlässlich des 26. Deutschen Krebskongresses in Berlin.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

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