Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grünen Malaria-Erregern auf der Spur

23.01.2006


Die Bewegung von Plasmodium Sporozoiten in der Haut kann mit speziellen Programmen quantitativ ausgewertet werden. Dazu werden Parasiten automatisch auf ihrem Weg durch das Gewebe verfolgt (bunte Linien). Abbildung: Hygieneinstitut Universitätsklinikum Heidelberg


Infektionsweg kann per Videomikroskopie verfolgt werden / Heidelberger Forscher wollen Eindringen des Erregers in den Wirt stoppen


Schon ein Stich der Anopheles-Mücke kann ausreichen, um die lebensbedrohende Malaria zu übertragen: Bei ihrer Blutmahlzeit werden die so genannten Plasmodium-Parasiten in die Haut des gestochenen Menschen oder Tiers übertragen. Von dort finden sie ihren Weg in den Wirtskörper bis hin zu Leber- und Blutzellen.

Wissenschaftlern um Dr. Friedrich Frischknecht, Arbeitsgruppenleiter in der Abteilung Parasitologie des Hygieneinstituts des Universitätsklinikums Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Michael Lanzer), ist es erstmals gelungen, die Parasiten-Übertragung von der Mücke auf die Maus mittels Videomikroskopie aufzunehmen. Dabei konnten die Forscher zeigen, dass innerhalb der ersten Stunde nach dem Mückenstich rund die Hälfte der übertragenen Parasiten aus den Hautschichten entweder in Blutgefäße oder in Lymphbahnen eindringt. Erreger, die in Lymphgefäßen wandern, werden in den Lymphknoten vom Abwehrsystem des Körpers zerstört. Diese Erkenntnisse könnten als Ansatzpunkt für mögliche neue Strategien für die Medikamenten- oder Impfstoffentwicklung dienen.


BioFuture-Preisträger publiziert in "Nature Medicine"

Dr. Friedrich Frischknecht hat die grundlegenden Forschungsarbeiten mit Kollegen am Pasteur-Institut in Paris durchgeführt. Die Ergebnisse, die vorab online von der international anerkannten Fachzeitschrift "Nature Medicine" veröffentlicht sind, dienen als Grundlage für weiterführende Arbeiten in seiner Nachwuchsgruppe am Hygieneinstitut des Universitätsklinikums Heidelberg. Der Gewinner des BioFuture-Wettbewerbs 2004 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung - der höchst dotierten Auszeichnung für junge Forscher in Deutschland - baut dort seit Juli 2005 mit einem Preisgeld von rund 1,5 Millionen Euro sein Forscherteam auf.

Mit Hilfe verschiedener Bewegungsmuster bahnt sich der Parasit seinen Weg

Die Malaria ist nach wie vor eine der gefährlichsten Tropenkrankheiten. Allein in Afrika sterben pro Jahr mehr als eine Million Menschen an Malaria, die meisten sind Kinder. Über einen Stich der Anopheles-Mücke dringen die Parasiten in den Wirtskörper ein, vermehren sich dort in den Leberzellen und befallen dann die Blutzellen, wodurch die schweren Malariasymptome verursacht werden.

"Eine entscheidende Rolle bei der Malariaübertragung spielen die verschiedenen Bewegungsmuster des Eindringlings. Diese möchten wir genauer untersuchen und außerdem die Infektion quantitativ analysieren. Das bedeutet: Wie viele der Parasiten befinden sich zu welchem Zeitpunkt des Infektionszyklus wo?", erklärt Dr. Friedrich Frischknecht. "Für diesen Zweck benutzen wir genetisch veränderte Parasiten, denen ein Gen der Qualle Aequorea victoria eingeschleust wurde."

Dieses Gen lässt die Eindringlinge einen Eiweißstoff produzieren, der grün leuchtet, sobald man sie mit UV-Licht anstrahlt. Mittels Videomikroskopie können die Forscher dann den Weg der grün fluoreszierenden Parasiten im Körper lebender Stechmücken und Mäuse verfolgen und die unterschiedlichen Bewegungsformen untersuchen. Dr. Frischknecht und sein Team arbeiten hierbei mit Kollegen aus dem Hygieneinstitut des Universitätsklinikums, dem Max-Planck Institut für Biochemie in Martinsried und dem interdisziplinären Bioquant-Netzwerk ("Quantitative Analyse molekularer und zellulärer Biosysteme") der Universität Heidelberg zusammen.

"Wenn es uns gelingt, die Bewegung der Eindringlinge mit neuen Wirkstoffen zu hemmen, dann könnte man den Parasiten bereits in der Haut stoppen", blickt der Forscher in die Zukunft.

Eindringlinge werden in Lymphknoten zerstört

Die Entdeckung, dass Malaria-Erreger über Lymphbahnen in die Lymphknoten wandern und dort zerstört werden, wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass im Lymphknoten eine Immunantwort des befallenen Körpers ausgelöst wird. Gelingt es den Forschern, weitere Erkenntnisse über diese köpereigene Abwehr zu erlangen, könnte dies die Entwicklung neuer Impfstoffe beeinflussen.

Literatur: Rogerio Amino, Sabine Thiberge, Béatrice Martin, Susanna Celli, Spencer Shorte, Friedrich Frischknecht & Robert Ménard.: Quantitative imaging of Plasmodium transmission from mosquito to mammal. Nature Medicine, Published online: 22 January 2006

(Die Literatur kann zu privaten und Recherchezwecken bei der Pressestelle des Universitätsklinikums unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Kontakt:
Dr. Friedrich Frischknecht
Telefon 06221 / 56 6537
E-Mail: freddy.frischknecht@med.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Lymphknoten Malaria Parasit Videomikroskopie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen