Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multiples Myelom: Tumorzellen forcieren Abbau der Knochen

18.01.2006


Das Multiple Myelom ist eine bösartige Krebserkrankung des Knochenmarks. Fatal für die Patienten: Die Tumorzellen und die knochenabbauenden Zellen treiben sich gegenseitig zu größerer Aktivität an. Diesen Mechanismus erforschen Mediziner von der Uni Würzburg. Ihr Projekt wird von der Wilhelm-Sander-Stiftung (München) finanziell gefördert.



Das Multiple Myelom greift die Knochensubstanz an vielen Stellen des Skeletts an, vor allem an Wirbelsäule, Rippen und Schädel. Es kann dadurch zu plötzlichen Knochenbrüchen kommen, die zunächst an eine Osteoporose erinnern. Weitere Symptome sind Gelenk- und Knochenschmerzen sowie auffällige Blut- oder Urinwerte. An dieser Form von Knochenmarkkrebs erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 5.000 Menschen. Die Betroffenen sind vorwiegend über 60 Jahre alt.



Für das bösartige Wachstum des Myeloms spielt dessen Umgebung eine zentrale Rolle, wie Ralf Bargou und Kurt Bommert von der Medizinischen Klinik II der Uni Würzburg erklären. Die Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass die so genannten Stromazellen des Knochenmarks die Krebszellen schützen können. Sie verhindern nämlich eine Art Selbstmordprogramm, mit dem sich beschädigte Zellen, wie sie zum Beispiel in Tumoren vorkommen, selber beseitigen können. Außerdem sind die Stromazellen an der Entstehung von Resistenzen beteiligt - die Chemotherapie bleibt dann wirkungslos, weil der Tumor gegen die Medikamente unempfindlich geworden ist.

"Einen noch ausgeprägteren Effekt haben möglicherweise Zellen, die am Knochenabbau beteiligt sind, die so genannten Osteoklasten", sagt Bargou. Diese Zellen werden durch das Aufeinandertreffen mit den Tumorzellen stimuliert und bauen dann verstärkt Knochen ab. Umgekehrt schützen auch die Osteoklasten die Krebszellen wirkungsvoll vor dem "Selbstmord".

"Die zwei Zelltypen scheinen sich also in einer Art Teufelskreis gegenseitig am Leben zu halten: Die bösartigen Zellen breiten sich aus, der Knochen wird immer mehr abgebaut", erklärt Bommert. Die Mechanismen, die dem zu Grunde liegen, seien bislang völlig ungeklärt. Darum wollen die Würzburger Forscher im Detail herausfinden, welche Vorgänge zwischen den Tumorzellen und den Osteoklasten ablaufen. Eine gezielte Blockade dieser Signale könnte womöglich den Teufelskreis durchbrechen und die Therapie verbessern.

Weitere Informationen: PD Dr. Ralf Bargou, T (0931) 201-70800 (Klinikpforte), Fax (0931) 201-71800, E-Mail: bargou_r@klinik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Multiples Myelom Osteoklast Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie