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Universitäten Stuttgart und Tübingen gründen bundesweit erstes interuniversitäres Zentrum für medizinische Technologie

17.01.2006


Meilenstein für die Behandlung kranker Menschen



Spektakuläre Transplantationserfolge mit künstlichem Gewebe oder der Einsatz von Operationsrobotern im Bereich der minimalinvasiven Chirurgie zeigen es schon heute: Innovative Materialien und Verfahren ermöglichen Ärzten völlig neue Therapiewege. Dies erlaubt Hoffnung auf Heilung für Patienten, deren Behandlung noch vor wenigen Jahren nicht möglich oder unbezahlbar war. Um die viel versprechenden Technologien weiterzuentwickeln, müssen Wissenschaftler scheinbar völlig verschiedener Disziplinen wie etwa der Medizin, der Natur- und der Ingenieurwissenschaften noch intensiver zusammenarbeiten. Vor diesem Hintergrund haben die Universitäten Stuttgart und Tübingen jetzt die Kräfte gebündelt und das bundesweit erste Interuniversitäre Zentrum für Medizinische Technologie (IZST) gegründet.

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»Chirurgie »IZST


Das Zentrum verfolgt das Ziel, die Zusammenarbeit im Bereich der Medizintechnik-Entwicklung zwischen den Einrichtungen beider Universitäten und der Industrie durch gemeinsame Forschung und Lehre zu stärken. Zu seinen Aufgaben gehören die Grundlagenforschung für die anwendungsbezogene Entwicklung neuer technologischer Konzepte, deren Umsetzung sowie die Vermittlung neuer Technologien und Methoden in der Lehre.

Das in acht Cluster gegliederte Forschungsprogramm umfasst drei Arbeitsschwer-punkte. In den Bereich der Anamnese fallen bildgebende Verfahren und Bildverarbeitung sowie Sensorik und Signale. Im Bereich Behandlungssysteme werden medizinische Instrumente und mechatronische Systeme, Robotik sowie Biomaterialien und Implantate erforscht. Im Mittelpunkt des Bereiches Krankenhaus schließlich steht die ergonomische Gestaltung von Operationssälen sowie die Systemorganisation kompletter Kliniken.

Insgesamt gingen bereits über 120 Projektvorschläge in das Zentrum ein, die konsequent universitätsübergreifend und interdisziplinär bearbeitet werden sollen. Dies spiegelt sich auch in dem breiten Spektrum der beteiligten Wissenschaftler. So bringen sich seitens der Universität Stuttgart 28 Institute aus den Fakultäten Maschinen-bau, Chemie, Informatik, Elektrotechnik sowie Informationstechnik in das neue Zentrum ein. Von Seiten der Universität Tübingen sind die Medizinische Fakultät mit zwölf klinischen Einrichtungen und neun medizin-technischen Forschungssektionen sowie Institute der Fakultäten für Physik, Chemie und Pharmazie sowie Kognitions- und In-formationswissenschaften und das Naturwissenschaftlich-Medizinische Institut in Reutlingen eingebunden. Zusätzlich steuern sechs Institute der Fraunhofer Gesellschaft die besonderen Aspekte der angewandten Forschung bei.

Mit dem IZST werde eine etablierte Plattform für die gemeinsame Forschung und fachübergreifende Diskussionen geschaffen, begrüßte Prof. Heinrich Planck, Lehr-stuhlinhaber für Textiltechnik und Koordinator an der Uni Stuttgart, das Interuniversitäre Zentrum. Es integriere die bisherige projektorientierte Zusammenarbeit einzelner Institute und industrieller Partner in ein umfassendes Gesamtkonzept. Durch die regelmäßig stattfindenden Projektbesprechungen in den einzelnen Clustern, denen jeweils ein Wissenschaftler beider Universitäten vorsteht, werde eine intensive inter-disziplinäre Diskussion ermöglicht, die zum besseren gegenseitigen Verständnis und zum wissenschaftlichen Ergebnistransfer in die anderen Disziplinen beitrage. Der Dialog werde außerdem durch ein Intranet verstärkt. Die Ergebnisse würden auch in die gemeinsam getragene Lehre in den beiden Universitäten einfließen. "Der in dieser Art einzigartige Zusammenschluss ist ein Meilenstein, um Patienten mit innovativen Methoden effizienter, schonender und auch kostengünstiger als heute zu behandeln", betonte Planck. Die Belange der Industrie und der Krankenkassen fließen über einen Beirat ein, der das Zentrum betreut.

Um entscheidende Fortschritte in der Medizintechnik zu erzielen, sei es notwendig, die Kompetenz verschiedenster Fachbereiche zu bündeln, erklärte Prof. Horst-Dieter Becker, Professor für Chirurgie mit dem Schwerpunkt Medizintechnik und Koordinator an der Universität Tübingen. Neben den medizinischen Fragestellungen werde insbesondere das Know-how der Naturwissenschaften, der Ingenieurwissenschaften, der Informatik sowie der vor allem in den Fraunhofer Instituten verankerten anwendungsnahen Forschung benötigt. "Durch die einmalige enge geographische Verbindung zwischen den Standorten Stuttgart und Tübingen versuchen wir, die bereits existierenden Kooperationsmöglichkeiten zu stärken und neue Kooperationen voranzutreiben. Es ist uns gelungen, fokussiert auf sechs Schwerpunktthemen, die verschiedenen Arbeitsgruppen zusammenzubringen und so interdisziplinäre Arbeitsansätze voranzutreiben", so Becker.

Als international zukunftsweisend auf einem lebensnotwendigen Forschungsfeld be-zeichneten der Rektor der Universität Tübingen, Prof. Eberhard Schaich, sowie der Stuttgarter Uni-Rektor Prof. Dieter Fritsch den Zusammenschluss. "Beide Universitäten bringen ihre Kernkompetenzen in das Zentrum ein. Die Bündelung von Spitzen-forschung schafft hervorragende Voraussetzungen für die Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten." Damit stärke das Zentrum das Gewicht des Landes Baden-Württemberg auf diesem von den USA und Japan dominierten Terrain.

Das IZST ist auch Bestandteil der Bewerbung beider Universitäten im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung der Spitzenforschung unter Federführung der Uni Tübingen, über die Ende Januar entschieden wird und von der sich die Partner weitere Impulse versprechen.

Weitere Information: Universität Stuttgart, Tel. 0711/121 2297, e-mail presse@uni-stuttgart.de, Eberhard Karls Universität Tübingen, Tel. 07071/29-76789, e-mail michael.seifert@uni-tuebingen.de.

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de
http://www.uni-tuebingen.de

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