Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie an der Universitätsklinik Göttingen belegt Heilungserfolge durch Mentales Training

12.10.2001


Hildesheimer Gesundheitstraining bewirkt Blutdrucksenkung und Funktionsverbesserung der Niere. Mentales Training in Kombination mit medikamentöser Therapie hat seine positive Wirkung auf Heilungsprozesse erneut unter Beweis gestellt.



Das Hildesheimer Gesundheitstraining (HGT) hat seine positive Wirkung auf Heilungsprozesse ein weiteres Mal bewiesen: Eine vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium geförderte Studie der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen und der Universitätsklinik Göttingen zeigt, dass die Teilnahme am Gesundheitstraining bei Patienten mit Bluthochdruck und Nierenschäden nicht nur zu einem signifikant niedrigeren Blutdruck geführt hat, sondern noch dazu zu einer signifikanten Funktionsverbesserung der durch den Bluthochdruck geschädigten Nieren. Dies verringert die Gefahr, dass die Nierenschädigung so groß wird, dass Menschen das schwere Schicksal erleiden, sich regelmäßig einer Dialyse (Nierenwäsche) unterziehen zu müssen.


Das Hildesheimer Gesundheitstraining ist ein psychologisches Gruppentraining von acht mal drei Stunden, das auch parallel zu schulmedizinischen Behandlungsmethoden eingesetzt werden kann.

Von einem Team, bestehend aus Ilona Alisch, Martin Bargfeldt und Prof. Dr. Gerhart Unterberger von der FH Hildesheim und den Ärzten Prof. Dr. Gerhard Anton Müller, Dr. Egbert Schulz und Roland Sievers von der Universitätsklinik Göttingen wurde ein Form des Hildesheimer Gesundheitstrainings speziell für Menschen mit hohem Blutdruck und Nierenschädigung entwickelt und in dieser Studie klinisch getestet.


63 Patienten mit Bluthochdruck und Nierenschäden sind in eine Experimentalgruppe und eine Kontrollgruppe aufgeteilt worden. Beide Gruppen wurden in gleicher Weise medizinisch betreut, die Experimentalgruppe nahm zusätzlich über acht mal drei Stunden am Hildesheimer Gesundheitstraining teil, das Ilona Alisch leitete. Die Teilnehmer wurden zu Beginn der Studie, nach zwei Monaten und nach einem halben Jahr untersucht.

"Die Patienten, die am Hildesheimer Gesundheitstraining teilgenommen haben, konnten einem Teufelskreis entkommen", schildert Prof. Dr. Gerhart Unterberger, "Bluthochdruck kann die Nieren schädigen und um die Unterfunktion auszugleichen, reagiert der Niere wiederum mit einer Erhöhung des Blutdrucks, was zu einem Teufelskreis führen kann. Durch unser Training konnte der Blutdruck bei Patienten, die medikamentös optimal eingestellt waren, deutlich gesenkt werden. Insbesondere nimmt der so genannte systolische Blutdruck langfristig hoch signifikant ab, und das auch in einer 24-Stunden-Messung." Besonderes Augenmerk legt Unterberger in diesem Zusammenhang auf ein weiteres Messergebnis: Auch die Schwankungsbreite des Bluthochdrucks nimmt signifikant ab, womit auch die Wahrscheinlichkeit von Folgeschäden an den inneren Organen sinkt.

Unter mentalem Training, so haben die Wissenschaftler der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen und der Universitätsklinik Göttingen zudem herausgefunden, verbessert sich auch der gesundheitliche Zustand der Nieren. Die Proteinurie (die Eiweißausscheidung - ein Maß für die Schädigung der Nieren) habe nach sechs Monaten ebenfalls hoch signifikant abgenommen und zwar um 23 Prozent der mittleren Proteinurie der einzelnen Person.

Dieser Effekt verringere die Gefahr, dass die Nierenschädigung so groß wird, dass Menschen das schwere Schicksal erleiden, sich regelmäßig einer Dialyse (Nierenwäsche) unterziehen zu müssen.
Aus der Tatsache, dass die Werte von Blutdruck und Proteinurie nicht in einem konstanten Verhältnis zueinander abgenommen haben, schließen die Wissenschaftler, dass beide Erfolge unabhängig voneinander durch das mentale Training - die suggestive Beeinflussung der Nierenfunktion - hervorgerufen werden.

Die Ausgangslage

Das Hildesheimer Gesundheitstraining ist ein Gruppenverfahren zur mentalen Heilungsförderung, das die Wechselwirkung zwischen dem Zentralnervensystem und dem Immunsystem berücksichtigt. Nach unterschiedlichsten Untersuchungen verdichten sich laut Unterberger die Belege dafür, dass die körpereigenen Heilungsprozesse durch Dauerhaltungen wie Depression und Hilflosigkeit massiv behindert werden. Auch Dauerstress sei der Gesundheit abträglich. Andererseits gebe es Hinweise, dass beispielsweise kurzfristige Spannungszustände wie Kampf- oder Fluchtsituationen oder sportliches Training die Leistungsfähigkeit des Immunsystems förderten. Die Zahl der so genannten natürlichen Killerzellen im Körper erhöhe sich dabei. Ebenso würden mehrmals täglich erlebte tiefe Entspannungszustände oder Trancen die Leistungsfähigkeit des Immunsystems nachweislich verbessern..
"Das Immunsystem ist zudem lernfähig", sagt Unterberger. Mit Hilfe psychischer Verfahren könnten Sperren abgebaut und eine Anregung der Abwehr eingeleitet werden. Allergien wären beispielsweise die Folge ungünstiger Lernprozesse des Immunsystems und diese gelernte Abwehrreaktion auf harmlose Pollen ließe sich mental wieder verlernen. Heilung hinge nicht nur von einer optimalen medizinischen Versorgung im engeren Sinne ab, sondern auch davon, wie die psychische und die soziale Versorgung des Patienten gestaltet werde.

Das Hildesheimer Gesundheitstraining

Das Hildesheimer Gesundheitstraining wurde von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe an der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen entwickelt und unterscheidet sich deutlich von traditionellen Gesundheitstrainings, weil es den Focus von einer problemorientierten zu einer ziel- und lösungsorientierten Sichtweise verschiebt. Es verbindet Gruppenarbeit, Einzelberatung, Eigenarbeit und die Arbeit mit Medien. Dabei ist die "Einzelberatung in der Gruppe" dadurch gekennzeichnet, dass die Klienten in weiten Bereichen parallel zueinander an ihren speziellen Fragen arbeiten können, und das ohne sie offenbaren zu müssen. Viele Verfahren und umfangreiche Materialien wurden für das Training neu entwickelt. Dazu zählen auch Trancen, die auch - als CD-Aufnahmen - die Effekte zwischen den Terminen und nach dem Training vertiefen.

Das Standardprogramm besteht aus acht Einheiten (zu je 150 Minuten), die den krankheitsspezifischen Erfordernissen des jeweiligen Indikationsbereiches angepasst wurden. Die Gruppen bestehen aus zehn bis zwölf Personen, die sich ein- bis zweimal die Woche treffen. In erster Linie werden weiterentwickelte Methoden des Neurolinguistischen Programmierens (NLP), der Verhaltenstherapie und der Hypnotherapie eingesetzt, bei denen es nicht vordringlich um die Analyse von psychischen Problemen, sondern um deren Bewältigung geht. Hypnotherapie und NLP gehen nicht den schwierigen und langwierigen Weg über logisches Denken und die bewusste Kontrolle. Statt dessen richten sie sich direkt an automatische und normalerweise nicht bewusste Programmierungen.

Das Hildesheimer Gesundheitstraining motiviert zu neuen Zielen und neuen Verhaltensmustern. Es macht Ressourcen wieder verfügbar und lässt sogenannte Krankheitsgewinne überflüssig werden. Die Teilnehmer können Behinderungen der Selbstheilung durch Stress und negative Emotionen abbauen und innere Heilungsmuster über Visualisierungen aktivieren.

Die Varianten

Da sich Krankheiten und ihre Heilungsvorgänge sowohl in ihrem psychosozialen Hintergrund als auch in ihren physiologischen Abläufen unterscheiden, wurde das mentale Training an die spezifischen Heilungsvorgänge angepasst. Beispielsweise ist bei Krebskranken die Anregung der körpereigenen Abwehr ein wichtiges Thema, bei Allergien hingegen die Dämpfung einer überschießenden Reaktion.

Aus diesem Grund haben die Wissenschaftler mehrere Formen des Trainings entwickelt, die auf die krankheits- bzw. heilungsspezifischen Besonderheiten der einzelnen Erkrankungen zugeschnitten sind. Bisher wurden Trainings für Menschen mit chronischen Rückenerkrankungen, mit Krebs, mit Allergien und Asthma entwickelt und jeweils erfolgreich klinisch getestet. Außerdem gibt es eine präventive Variante. Mit den jetzt diagnostizierten Erfolgen bei der Untersuchung für Patienten mit Nierenschäden hat die jüngste Studie die Wirksamkeit des Hildesheimer Gesundheitstrainings unterstrichen. "Das HGT kann Gesundheit und Lebensqualität langdauernd Erkrankter positiv beeinflussen und stellt so eine sehr effektive komplementäre Behandlungsmöglichkeit zur medikamentösen Therapie dar", fasst Unterberger zusammen.

Die Trainer

Das Institut für Therapie und Beratung an der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen bietet Fachkräften im Gesundheitswesen eine fundierte einjährige berufsbegleitende Ausbildung mit Zertifizierung zum "HGT-Gesundheitstrainer" an. Hierbei werden theoretische und praktische Kenntnisse aus dem psychologischen und medizinischen Bereich ebenso vermittelt wie Didaktik, Gruppenarbeit, Flexibilität und Trainerkompetenzen. Bundesweit rund 50 HGT-Trainer wurden bisher ausgebildet. Weitere Informationen gibt es unter:

Institut für Therapie und Beratung
an der FH Hildesheim/Holzminden/Göttingen
Prof. Dr. Gerhart Unterberger
Hohnsen 1, 31134 Hildesheim
05121 881 421
E-Mail: it@fh-hildesheim.de

Sabine zu Klampen | idw
Weitere Informationen:
http://www.hildesheimer-gesundheitstraining.de

Weitere Berichte zu: Blutdruck Bluthochdruck Gesundheitstraining Immunsystem Niere

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften