Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von Schweißdämpfen bis Faulgasen - Versteckte Risiken für Verbraucher

12.01.2006


Neue Broschüre bietet Überblick über Vergiftungsfälle im Jahr 2004



Chemikalien und chemische Produkte spielen im beruflichen und privaten Alltag eine bedeutende Rolle. Manche Produkte bergen Risiken, von denen Verbraucher nichts ahnen. Um die Verbraucher besser vor "versteckten" Risiken zu schützen, gibt es in Deutschland ein für viele Länder vorbildliches Warnsystem: Behandelnde Ärzte sind bereits bei einem begründeten Verdacht verpflichtet, die Vergiftungen an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu melden. Nach sorgfältiger Auswertung legt das Institut nun die Daten für das Jahr 2004 vor. In diesem Jahr sind 5541 Meldungen zu Vergiftungen in der Dokumentations- und Bewertungsstelle des BfR eingegangen. Die meisten Fälle wurden von Berufsgenossenschaften gemeldet. 386 Meldungen (sieben Prozent) erreichten das BfR aus Kliniken und Praxen. Gemessen an der Zahl der Verbraucheranfragen in den Giftinformationszentren kann vermutet werden, dass die tatsächliche Zahl der Vergiftungen deutlich höher liegt. Deshalb fordert das BfR Ärzte erneut auf, ihrer Meldepflicht stärker nachzukommen. Einen Überblick über die Vergiftungsfälle gibt die Broschüre "Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen 2004". Wegen der großen Nachfrage erscheint die Broschüre nun erstmals auch in englischer Sprache.



Seit dem 1. August 1990 besteht nach § 16e des Chemikaliengesetzes eine ärztliche Meldepflicht für Vergiftungsfälle. Das BfR sammelt die Meldungen und wertet sie aus. Mit Ablauf des Jahres 2004 ist die Zahl der erfassten Fälle auf insgesamt 39.071 gestiegen. Wie in den Jahren zuvor machten im Berichtsjahr 2004 die Vergiftungen mit chemischen Produkten den größten Anteil der eingegangenen Meldungen aus. Mit deutlichem Abstand folgen die Fälle mit chemischen Grundsubstanzen. Beim BfR gingen außerdem zahlreiche Meldungen ein, die sich auf Lebens- und Arzneimittel beziehen - auch wenn diese nicht der Meldepflicht im Sinne des Chemikaliengesetzes unterliegen.

Von den Berufsgenossenschaften wurden fast ausschließlich Vergiftungen infolge von Arbeitsunfällen gemeldet (96 Prozent). Auch bei den Meldungen aus Praxis und Klinik dominieren mit 58 Prozent die Vergiftungsunfälle. Immerhin noch 25 Prozent der aus diesem Bereich eingegangenen Meldungen entfallen auf Vergiftungen, die sich bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Chemikalien und Chemieprodukten ereignet haben. Beim überwiegenden Teil handelt es sich um akute Vergiftungen. Lediglich 16 Prozent der Meldungen aus dem Klinik- oder Praxisbereich beziehen sich auf chronische Vergiftungen durch Wirkungen über einen längeren Zeitraum.

Im Jahr 2004 führten die meisten Vergiftungen nur zu leichten Gesundheitsstörungen. Mäßige und schwere Fälle machten zusammen bei den Meldungen der Berufsgenossenschaften etwa sieben Prozent und bei den Fällen aus Klinik und Praxis rund 21 Prozent aus. Eine ähnliche Verteilung wurde auch in den Vorjahren beobachtet.

67 Prozent der aus Praxis und Klinik gemeldeten Vergiftungen heilten vollständig aus, bei 31 Prozent war der Ausgang unbekannt. Nur in neun Fällen kam es 2004 zu so genannten Defektheilungen oder es konnten Spätschäden nicht ausgeschlossen werden. Sieben Menschen starben an einer Vergiftung.

Die Erfassung und Auswertung der gemeldeten Vergiftungen schafft eine wichtige Grundlage für die realistische Einschätzung der Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch Chemikalien. Mit den jährlichen Berichten über die ärztlichen Mitteilungen informiert das BfR regelmäßig über die aktuelle Vergiftungssituation in Deutschland. Auch die Hersteller und Vertreiber erhalten vom BfR Hinweise zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch ihre Produkte. Im Entwurf für das neue EU-Chemikalienrecht REACH ist die Überwachung unerwünschter Produktwirkungen nicht vorgesehen. Dies hat das BfR mehrfach als eine wesentliche Lücke beim Verbraucherschutz kritisiert.

Zu den konkreten Fällen, die das BfR in seinem neuen Bericht beschreibt, gehören einmal mehr Unfälle mit paraffinhaltigen Lampenölen und flüssigen Grillanzündern. Im Berichtsjahr 2004 ereigneten sich erneut zwei tragische Todesfälle im Zusammenhang mit diesen Produkten. Auch gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Toner werden beschrieben. Zwei andere Fallbeispiele berichten über Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Dämpfe beim Kunststoffschweißen und Schweißen von Stahl. Mit weiteren Schilderungen von Arbeitsunfällen in Abwasserauffanggruben, von Augenverletzungen durch Leuchtstäbchen, allergischen Reaktionen nach einer Henna-Tätowierung, Vergiftungen durch Giftpflanzen und einem Schlangenbiss informiert die Broschüre über ein großes Spektrum von Risiken, denen Verbraucher in Deutschland ausgesetzt sind.

Die Broschüre "Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen" enthält eine Übersicht über alle gemeldeten Vergiftungen 2004 und ein Adressenregister der Giftinformationszentren. Sie ist kostenlos erhältlich und kann schriftlich, per Mail oder Fax, beim BfR angefordert werden. Auch ein Download von der Homepage des Instituts http://www.bfr.bund.de ist möglich. Dort finden Sie unter dem Menüpunkt "Publikationen/Broschüren und Faltblätter" alle Jahresberichte der Dokumentationsstelle seit 1995.

Dr. Irene Lukassowitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de
http://www.bfr.bund.de/cm/238/aerztliche_mitteilungen_bei_vergiftungen_2004.pdf

Weitere Berichte zu: Chemikaliengesetz Faulgas Vergiftung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie