Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Laser und Zelltransplantation gegen Pigmentstörungen der Haut

11.10.2001


(München) Gutartige Pigmentstörungen der Haut können Dermatologen mit dem Laser entfernen. Bei der "Vitiligo" genannten Weißfleckenkrankheit hilft seit einiger Zeit eine Transplantation von körpereigenen Hautzellen, die im Labor vermehrt wurden, berichten Experten auf dem 10. Kongress der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie in München.



Hell- bis dunkelbraune Flecke, Altersflecke, Sommersprossen oder ganze Flächen, die dunkler gefärbt sind als die übrige Haut - solche unschönen Hautveränderungen werden beispielsweise durch intensive Sonnenbäder, bestimmte Medikamente oder Duftöle in Parfüms begünstigt. Sie können aber auch nach Entzündungen oder Verletzungen der Haut auftreten. Viele Menschen empfinden solche Pigmentveränderungen als störend, vor allem, wenn sie im Gesicht oder an den Händen auftreten. Hautärzte können solche Pigmentstörungen in den meisten Fällen mit dem Laser gut behandeln.



"Allerdings kommen nur solche Veränderungen für diese Therapie in Frage, die eindeutig gutartig sind", warnt Professor Erwin Schöpf von der Hautklinik der Universität Freiburg. Darum ist zunächst eine sorgfältige Diagnostik durch einen Hautarzt erforderlich. Dazu dient etwa die so genannte Auflicht-Mikroskopie und - falls erforderlich - die Untersuchung einer Gewebeprobe. Denn nur so kann ausgeschlossen werden, dass es sich bei der Veränderung um eine Krebsvorstufe oder um Hautkrebs handelt.

Altersflecke (Lentigo), Sommersprossen und Pigmentstörungen nach Verbrennungen oder Verbrühungen können mit bestimmten "gütegeschalteten Lasersystemen" (Rubinlaser, Alexandrit- und Neodym-Yag-Laser) gut behandelt werden.

"Auch Tätowierungen, bei denen es sich im Grunde auch um eine Pigmentstörung handelt, lassen sich so entfernen", erklärt Schöpf. Demgegenüber sind Chloasma genannte, großfleckige, schmutzig-braune Pigmentveränderungen im Gesicht, die häufig während einer Schwangerschaft oder durch die Einnahme der "Pille" verursacht werden, keine Indikation für eine Lasertherapie. "Nur ein Drittel der Patientinnen spricht überhaupt geringgradig auf die Behandlung an", sagt der Freiburger Dermatologe. "Bei einem weiteren Drittel kann die Pigmentierung sogar stärker werden."

"Angeborene oder erworbene Muttermale, so genannte Naevuszellnaevi, sollten momentan nur im Rahmen kontrollierter Studien entfernt werden", betont Schöpf. Denn nur in Studien werden die Patienten nachuntersucht und die Langzeitergebnisse der Behandlung überprüft. Untersuchungen zeigen nämlich morphologische Veränderungen von Pigmentzellen aufgrund der Lasereinwirkung. "Die Bedeutung solcher Auffälligkeiten kann nur durch Langzeituntersuchungen geklärt werden", betont Schöpf.

Innovatives Therapiekonzept für die "Weißfleckenkrankheit"

An der "Weißfleckenkrankheit" (Vitiligo) erkranken in Deutschland jährlich 800.000 Menschen. Besonders häufig sind der Augenbereich, die Hände und die Gelenkflächen betroffen. Doch prinzipiell können die pigmentbildenden Zellen (Melanozyten) an jeder Körperstelle absterben und so unschöne weiße Flecken verursachen. Wie es zu dieser Erkrankung kommt, ist bislang noch nicht geklärt. Autoimmunprozesse, bei denen sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen wendet, werden von den Experten ebenso diskutiert wie Fehlfunktionen des Nervensystems oder eine Selbstzerstörung der Zellen aufgrund einer übersteigerten Melaninsynthese.

Bislang wurde die Erkrankung meistens durch eine kombinierte Therapie mit Medikamenten und UV-Bestrahlung behandelt, die so genannte PUVA-Therapie. Auch eine Therapie mit der Melanin-Vorstufe Phenylalanin und Kortikosteroide werden eingesetzt. Bei kleineren Flecken helfen auch eine Tätowierung oder Überschminken (Camouflage).
Schon seit einigen Jahren haben Dermatologen auch gesunde Hautareale - so genannte Hautinseln oder Spalthaut - transplantiert.

Doch inzwischen beginnen die modernen Methoden der Gewebezüchtung, die von den Dermatologen der Freiburger Universitätsklinik zusammen mit niederländischen Kollegen entwickelt wurden, das therapeutische Arsenal zu erweitern. "Ist das betroffene Hautgebiet seit mindestens einem Jahr stabil, schreitet die Erkrankung also nicht fort, kommt eine Transplantation körpereigener Pigmentzellen der Patienten infrage, die zuvor in der Kulturschale vermehrt wurden", erklärt Schöpf.

Dazu entnehmen die Ärzte dem Patienten nach einer örtlichen Betäubung etwa aus der "Bikinizone" eine normalpigmentierte Hautprobe von 2,5 mal 2,5 Zentimeter. Die Zelle werden vier Wochen lang im Labor vermehrt und danach - zusammen mit einem Fibrinkleber - auf die betroffene Hautstelle aufgetragen. Zuvor bereiten die Dematologen die Vitiligo-Region durch eine Laserbehandlung auf die neuen Zellen vor. Der Fibrinkleber erleichtert die Anhaftung der Zellen und fördert ihre weitere Vermehrung. Ist die transplantierte Hautregion nach etwa sieben Tagen abgeheilt, folgt eine UVB-Bestrahlung, um die Pigmentierung anzuregen. Weltweit wurden Schätzungen zufolge etwa 1000 Patienten mit einer Transplantation bislang behandelt.

Inzwischen stellt ein Biotech-Unternehmen (BioTissue), eine Ausgründung der Freiburger Universität, sicher, dass die Zellen nach den so genannten "good-manufacturing-practices"-Richtlinien in Reinstraum-Laboratorien gezüchtet werden - eine Voraussetzung für die Her-stellungserlaubnis nach dem Arzneimittelgesetz.
Bislang wurden 60 Patienten mit diesen unter "gmp-Bedingungen" gezüchteten Melanozyten behandelt.

Pressekontakt:
Barbara Ritzert und Valerie Girstenbrey
Während der Tagung: Internationales Congress Centrum München (Messegelände)
Raum 2.156, Tel.: 089-94 97 9-415
Tel.: 089-94 97 9-445 Fax.: 089-94 97 9-852,
E-Mail: ritzert@proscientia.de

Barbara Ritzert und Valerie Girstenbrey, ProScientia GmbH, Andechser Weg 17, 82343 Pöcking
Telefon (08157) 9397-0, Telefax (08157) 9397-97, E-Mail: ritzert@proscientia.de

Rückfragen an:
Prof. Dr. Erwin Schöpf
Ärztlicher Direktor der Hautklinik, Universität Freiburg
Hauptstraße 7, 79104 Freiburg
Tel.: 0761-270-6716, Fax: 0761-270-6936
E-mail: schoepf@haut.ukl.uni-freiburg.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw

Weitere Berichte zu: Laser Pigmentstörung Transplantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung