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Wenn der Schmerz nicht schwinden will

04.01.2006


Neue Klinische Forschergruppe an der Anästhesiologischen Klinik



Die meisten Patienten rechnen damit, kurz nach einer Operation Schmerzen zu haben. Nicht selten sind die Schmerzen allerdings selbst Wochen oder Monate nach einer Operation noch immer nicht verschwunden, obwohl der Heilungsprozess längst abgeschlossen sein sollte. Unter solchen „persistierenden Schmerzen“ leiden viele Patienten, nämlich abhängig von Ausmaß und Art der Operation bis zu 50 Prozent. Wie der Körper Schmerzen nach einem chirurgischen Eingriff verarbeitet, untersucht eine neue Klinische Forschergruppe an der Anästhesiologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Anhand von Experimenten im Labor und Untersuchungen an Testpersonen und Patienten wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den genetischen, neurobiologischen, pharmakologischen und psychosozialen Mechanismen auf die Spur kommen, die die individuelle Schmerzverarbeitung bestimmen und zur Entstehung persistierender Schmerzen beitragen.

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Neben der Anästhesiologischen, Chirurgischen und Neurologischen Klinik sind die Institute für Humangenetik, Pharmakologie und Physiologie der Universität Erlangen-Nürnberg sowie der Lehrstuhl für Physiologische Psychologie der Universität Bamberg mit verschiedenen Teilprojekten eingebunden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das Universitätsklinikum tragen jeweils die Hälfte der Kosten für diese Klinische Forschergruppe „Determinanten und Modulatoren der postoperativen Schmerzverarbeitung“.

Individuelle Unterschiede der Schmerzverarbeitung

Operationen versetzen durch Einschnitte ins Gewebe und durch begleitende Entzündungsreaktionen die Nervenstränge und Botenstoff-Ketten des schmerzreizleitenden (nozizeptiven) Systems zunächst in höchste Alarmstufe. Doch mit der fortschreitenden Wundheilung klingen auch die Warnsignale ab, die ins Bewusstsein gelangen. Wenn Schmerzen nicht verschwinden, obwohl der Heilungsprozess längst abgeschlossen ist, hat sich das nozizeptive System verselbständigt, es hat seine Warnfunktion verloren und wird selbst zum Problem. Sowohl die Schmerzempfindlichkeit direkt nach einer Operation als auch die Schmerzverarbeitung im Verlauf des Heilungsprozesses sind von einer Vielzahl von Faktoren abhängig und individuell sehr verschieden.

Die Klinische Forschergruppe sucht nach Ursachen für die große Bandbreite der individuell unterschiedlichen Schmerzverarbeitung. Unter anderem sind, wie sich bereits andeutet, das jeweils gewählte Anästhesieverfahren und die anschließende Schmerztherapie von Bedeutung. Darüber hinaus ist Schmerzempfindlichkeit zumindest teilweise erblich. Die genetische Disposition könnte auch darüber entscheiden, ob heftige Schmerzen spurlos verschwinden oder ob sie dauerhaft Spuren hinterlassen. Viele Erfahrungen weisen darauf hin, dass außerdem psychologische und soziologische Einflussfaktoren eine Rolle spielen.

Für die Klinische Forschergruppe in Erlangen und Bamberg ergeben sich damit eine Reihe von Ansatzpunkten, die in insgesamt fünf Teilprojekten aufgegriffen werden. Sprecher der Klinischen Forschergruppe ist Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Schüttler, Direktor der Anästhesiologischen Klinik. Die Förderzusage der DFG gilt, wie bei derartigen Bewilligungen üblich, für zunächst zwei Jahre; danach kann die Förderung auf bis zu sechs Jahre verlängert werden.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Jürgen Schüttler
Lehrstuhl für Anästhesiologie
Tel.: 09131 / 85-33676
Juergen.Schuettler@kfa.imed.uni-erlangen.de

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/

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