Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blockade von Interleukin bessert Darmentzündung

11.10.2001


Forscher des Klinikums der Universität München und der University of Colorado, USA, weisen eine Beteiligung des Botenstoffs Interleukin-18 im Tiermodell einer Colitis nach.



Die Crohn’sche Erkrankung ist durch chronische Entzündungen des gesamten Verdauungstraktes insbesondere des Dünndarms und des Dickdarms charakterisiert. Die Entzündungen werden durch eine Fehlregulation des Immunsystems hervorgerufen. In den vergangenen zehn Jahren sind große Fortschritte bei der Entschlüsselung von Botenstoffen erzielt worden, durch die eine schädigende Entzündung der Darmschleimhaut ausgelöst wird. Gegen einen dieser Botenstoffe, Tumor-Nekrose-Faktor, wurde bereits ein Antikörper-Molekül entwickelt, mit dem sich bei einzelnen Patienten die Erkankung deutlich bessern lässt. Gleichzeitig ergaben sich Hinweise, dass weitere Botenstoffe an der Entzündung beteiligt sind, die zu schweren Durchfällen, Gewichtsabnahme und Ausbildung von Entzündungsgängen im Bauchraum führen kann.



Der Eiweißstoff Interleukin-18 wurde 1989 von einer japanischen Arbeitsgruppe entdeckt. Es gehört zu der Gruppe von Interleukinen die durch verschiedene Wirkungen, wie die Aktivierung von T-Lymphozyten, Entzündungsreaktionen im Organismus steuern. Vor zwei Jahren wurde nachgewiesen, dass Interleukin-18 vermehrt in der entzündeten Darmschleimhaut von Patienten mit Crohn’scher Erkrankung gebildet wird.

Ob diese vermehrte Bildung des Entzündungsstoffs auch einen notwendigen Baustein in der Entstehung der Erkrankung bildet lässt sich nur in einem Tiermodell der Erkrankung prüfen. Hierbei wird bei Mäusen durch Zugabe einer Zuckerverbindung im Trinkwasser eine Darmentzündung ausgelöst, die in einigen Eigenschaften der Erkrankung beim Menschen ähnelt. Einem Teil der Tiere wird ein Antikörper gegen Interleukin-18 verabreicht, der sich an diesen Eiweißstoff wie eine Haube anlegt und ihn unwirksam macht. Die so behandelten Tiere zeigten einen wesentlich leichteren Krankheitsverlauf als die unbehandelten Kontrolltiere.

"Dies ist das erste mal, dass in vivo, also im lebenden Organismus, eine notwendige Rolle von Interleukin-18 bei dieser Form der Darmentzündung nachgewiesen wurde", erklärt Prof. Dr. Stefan Endres, der Leiter der Klinischen Pharmakologie im Klinikum der Universität München. "Dies hilft zum einen den Ablauf bei der Entstehung dieser Erkrankung besser zu verstehen, zum anderen ergibt sich damit ein neuer Ansatzpunkt für die Behandlung." Die Studie wurde von der Arbeitsgruppe Gastrointestinale Immuntherapie (Leiter Dr. Andreas Eigler) in Kooperation mit Dr. Britta Siegmund und Prof. Charles Dinarello an der University of Colorado, USA, durchgeführt.

Die Ergebnisse der Studie werden im Oktober 2001 im American Journal of Physiology veröffentlicht. Der vollständige Text und das Abstract sind einsehbar unter unten angegebenem link.

Die Projekte der Abteilung für Klinische Pharmakologie werden unterstützt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Novartis-Stiftung für Therapieforschung und die Friedrich Baur-Stiftung.

S. Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinische-pharmakologie.de
http://www.ncbi.nlm.nih.gov:80/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=PubMed&list_uids=11557635&dopt=Abstract

Weitere Berichte zu: Botenstoff Darmentzündung Interleukin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften