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Erste kombinierte Herz-Leber-Transplantation am Universitätsklinikum Jena erfolgreich verlaufen

22.12.2005


Erste kombinierte Herz-Leber-Transplantation am Universitätsklinikum Jena erfolgreich verlaufen



"Ich fühle mich wie neu geboren", sagt Bernfried Petter. Man sieht dem 54-Jährigen aus Saalfeld kaum an, dass er noch vor zwei Wochen mit dem Tod gerungen hat und ihm erst eine besonders schwierige Operation am Universitätsklinikum Jena (UKJ) das Leben rettete.



Petter litt seit Jahren an Herzproblemen, deren Auswirkungen auch die Leber betrafen. Mit schweren Herz- und Leberschädigungen kam er im Oktober in das Jenaer Uniklinikum. Die Experten diagnostizierten, dass ihn nur eine Verpflanzung von Herz und Leber retten würde. Die Suche nach passenden Organen begann - und Petter hatte Glück. Am 9. Dezember meldete die zentrale europäische Organverteilungsstelle "Eurotransplant", dass geeignete Organe gefunden seien. Als ihre "Passgenauigkeit" für Petter bestätigt war, begann in Jena eine Operation, die dem Schwerkranken am Ende in nicht einmal acht Stunden ein neues Leben schenkte.

Es war die erste kombinierte Transplantation von Herz und Leber, die am 10. Dezember im Jenaer Klinikum durchgeführt wurde; deutschlandweit wurde sie zuvor, nach Klinikumsrecherchen, nur fünf Mal durchgeführt. Dieser Kombinationseingriff stellt höchste Anforderungen an das Operationsteam und die Logistik. Denn die Zeit, in der die Organe transplantiert werden müssen, ist extrem kurz. "Daher stellt die interdisziplinäre Abstimmung zwischen den chirurgischen Fachdisziplinen, der Anästhesie und der Intensivmedizin eine große Herausforderung dar", erläutert PD Dr. Ulrich Franke, kommissarischer Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Er hat den Eingriff gemeinsam mit Prof. Dr. Utz Settmacher, Direktor der Klinik für Allgemeine und Viszerale Chirurgie, geleitet. Auf Grund der Komplexität des Simultaneingriffs waren neben den Klinikleitern weitere fünf Oberärzte, fünf Assistenzärzte sowie ein Dutzend Krankenschwestern bzw. -pfleger und ein Kardiotechniker beteiligt.

"Alle Beteiligten haben wie ein Uhrwerk funktioniert", freut sich Franke. "Solche Transplantationen gelingen nur in einem Zentrum, in dem die notwendige Infrastruktur und eine echte interdisziplinäre Zusammenarbeit existiert und außerdem ein großes gegenseitiges Vertrauen herrscht", ergänzt Prof. Settmacher. Und der Erfolg gibt dem Jenaer Klinikum recht und beweist auch, wie sinnvoll die Organisation im Neubau gestaltet ist. "Herr Petter hat die Operation sehr gut überstanden, die transplantierten Organe funktionieren einwandfrei", unterstreicht Prof. Dr. Konrad Reinhart, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, wo Petter noch überwacht wird. Weihnachten wird er zwar noch im Klinikum verbringen müssen, doch das stört ihn wenig, denn "hier habe ich am 10. Dezember meinen zweiten Geburtstag erlebt".

Möglich war dies aber nur, weil in diesem Fall glücklicherweise die dringend benötigten Organe kurzfristig gefunden werden konnten. Doch insgesamt deckt das Aufkommen den Bedarf an Spenderorganen bei weitem nicht ab. Die Jenaer Mediziner appellieren daher an die Bevölkerung, darüber nachzudenken, ob sie zu einer Organspende bereit wären und ihre Entscheidung mit einem Organspendeausweis zu dokumentieren. Denn bundesweit stehen auf den Wartelisten noch zahlreiche Patienten, die auf ein neues Organ hoffen.

Was bei vorhandenen Spenderorganen geleistet werden kann, beweisen auch die aktuellen Zahlen aus dem Transplantationszentrum am UKJ, in dem sämtliche Organe verpflanzt werden können. Im Jahr 2005 wurden bisher zehn Herzen, acht Lungen, 33 Lebern, 75 Nieren und zwei Bauchspeicheldrüsen transplantiert. Zehn Eingriffe erfolgten dabei als kombinierte Transplantationen - Zeichen für die gute Zusammenarbeit und die Leistungsfähigkeit im Jenaer Universitätsklinikum.

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

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