Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mediziner des Universitätsklinikums Frankfurt gründen Kompetenz-Allianz für Schilddrüsentumore

22.12.2005


Jedes Jahr wird bei etwa 3000 Menschen in Deutschland Schilddrüsenkrebs diagnostiziert. Die Heilungschancen bei dieser Art von Krebs sind vergleichbar höher als bei vielen anderen bösartigen Tumoren. Eine frühzeitige Entdeckung des Tumors und seine richtige Behandlung begünstigen die Heilung. Allerdings ist hier ganz besonders die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit aller beteiligten Ärzte entscheidend für den Erfolg der Behandlung. Deshalb hat Professor Dr. med. Frank Grünwald, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin im Zentrum für Radiologie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main, mit Medizinern aus weiteren klinischen Funktionsbereichen des Uniklinikums am 5. Dezember 2005 eine interdisziplinäre Kompetenz-Allianz gegründet. Die Allianz führt die fachliche Kompetenz der beteiligten Zentren am Klinikum zusammen und verbindet synergetisch Diagnose- und Therapieverfahren zu einer optimalen Versorgung. Patienten, die an einem Schilddrüsenkarzinom erkrankt sind und Menschen mit Verdacht auf eine Erkrankung können so modernste Untersuchungsverfahren und eine Behandlung auf höchstem Niveau in Anspruch nehmen. Insgesamt drei Funktionsbereiche haben die Ärzte hierfür zusammengeführt: Nuklearmedizin, Innere Medizin und Chirurgie.

... mehr zu:
»Nuklearmedizin »Schilddrüse

Im Funktionsbereich Endokrinologie der Medizinischen Klinik I untersuchen die Mediziner unter der kommissarischen Leitung von Professor Dr. med. Klaus Badenhoop mit Hilfe einer umfassenden Hormondiagnostik die Stoffwechselaktivität von Schilddrüsentumoren. Unter Einsatz ultraschallgesteuerter Feinnadelpunktionen wird geklärt, ob ein Tumor operiert werden muss. Ein molekularbiologisches Labor ermöglicht dort technologisch moderne molekulargenetische Untersuchungen, die genaue und rasche Analysen von Tumorerkrankungen und anderer Krankheitssymptome gewährleisten. "Im kontinuierlichen Austausch mit Nuklearmedizinern, Chirurgen und Onkologen optimieren wir Entscheidungsprozesse hinsichtlich Diagnose und weiterführender Therapie einer Tumorerkrankung", fasst Professor Badenhoop zusammen.

Für die Optimierung der Operation an der Schilddrüse verfügt die Klinik für Allgemein- und Gefäßchirurgie des Zentrums für Chirurgie über mikrochirurgische Methoden, intraoperatives Neuromonitoring, Nebenschilddrüsen-Reimplantation und auch minimal-invasive Verfahren. In der Klinik für Allgemein- und Gefäßchirurgie gehören laut Professor Dr. med. Wolf-Otto Bechstein, Direktor der Klinik für Allgemein- und Gefäßchirurgie, Operationen an der Schilddrüse zu den am häufigsten durchgeführten Eingriffen. Eine operative Entfernung der Schilddrüse zieht eine notwendige Zerstörung noch vorhandener kontaminierter Zellen durch radioaktives Jod nach sich. Hier kommt der interdisziplinäre Austausch der Chirurgie mit der Nuklearmedizin zum Tragen.


So bietet die Klinik für Nuklearmedizin am Zentrum für Radiologie neben der kompletten Diagnostik von verdächtigen Knoten die Radiojodbehandlung bei gutartigen und bösartigen Schilddrüsenerkrankungen an. Für die umfassende Nachsorge der Behandlung steht unter anderem die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zur Verfügung. Die Klinik für Nuklearmedizin hat für die Nachsorge eigens eine Sprechstunde eingerichtet. Da die frühzeitige Erkennung einer wieder aufgetretenen Krebserkrankung sehr entscheidend ist, verfügen die Nuklearmediziner über individuell ausgearbeitete Schemata für regelmäßige Kontrolluntersuchungen nach Abschluss der Behandlung. Diese Nachuntersuchungen gehören in die Hand eines erfahrenen Arztes, da die Frühzeichen des Wiederauftretens der Krebserkrankung nicht immer leicht zu erkennen sind. Professor Grünwald, Sprecher der Kompetenz-Allianz, vertritt daher das Prinzip der umfassenden Krebsbehandlung für alle Patienten mit Indikationen in dieser Richtung: "Jeder Patient mit Schilddrüsenkrebs oder Personen mit verdächtigen Knoten in der Schilddrüse müssen Zugang zu allen Verfahren der modernen Medizin erhalten."

Bei Knoten ab 1 Zentimeter Größe ist eine Szintigraphie notwendig. Hierbei kann der Nuklearmediziner heiße oder kalte Knoten sehen. Etwa jeder 15. kalte Knoten ist bösartig. Wenn ein kalter Knoten festgestellt wird, so sind weitere Maßnahmen erforderlich, um das Krebsrisiko besser abschätzen zu können. Hierzu gehören eine Gewebeentnahme aus dem Knoten, die Bestimmung des Tumormarkers Calcitonin im Blut und die nuklearmedizinische Untersuchung mit Substanzen, die Tumorgewebe anzeigen können. Falls nicht hinreichend geklärt werden kann, dass es sich um einen gutartigen Knoten handelt, muss operiert werden. Das Gewebe wird dann feingeweblich untersucht.

In Deutschland haben etwa 15 Millionen Menschen Knoten in der Schilddrüse. Eine Ursache hierfür ist der teilweise in Deutschland immer noch herrschende Jodmangel. Knoten bleiben oftmals unbemerkt, da sie im Anfangsstadium meist nicht mit Beschwerden einhergehen. Erst wenn die Schilddrüse wächst und auf Nachbarorgane drückt, kommt es zu Druckgefühl am Hals, Schluckbeschwerden und Luftnot. Dabei verspricht die Behandlung gerade im Anfangsstadium auch bei gutartigen Erkrankungen den größten Erfolg. "Knoten müssen ernst genommen werden, da sich hinter jedem einzelnen Schilddrüsenkrebs verbergen kann", meint Professor Grünwald und weist darauf hin, dass wie bei vielen anderen Tumorarten im frühen Stadium meist eine vollständige Heilung des Krebses möglich ist.

Die Kompetenz-Allianz ist von entscheidender Bedeutung, wenn eine multimodale Therapie notwendig wird, etwa bei Tumoren, deren Wachstum weit fortgeschritten sind. Dem Tumorzentrum des Universitätsklinikums Frankfurt kommt bei der Koordination der beteiligten Ärzte eine besondere Bedeutung zu. Professor Dr. med. Lothar Bergmann von der Medizinischen Klinik II am Zentrum der Inneren Medizin und Sprecher des Tumorzentrums sieht in der Tumor-Konferenz eine wichtige Einrichtung der Kompetenz-Allianz, bei der sich die Spezialisten in regelmäßigen Abständen treffen und gemeinsam abstimmen: "Die Uniklinik Frankfurt als Klinikum der Maximalversorgung erfüllt alle Voraussetzungen, um die Behandlung auch der besonders schwierigen Fälle unter den Schilddrüsenkrebspatienten stetig zu verbessern."

Damit Patienten und niedergelassenen Ärzten eine rasche Kontaktaufnahme zu einem Spezialisten möglich ist, wurde eine zentrale Hotline "Schilddrüsentumoren" eingerichtet. Unter der Telefonnummer 069-6301-5368 ist ein Facharzt Mo.-Do. von 8:00 bis 16:00 Uhr und Fr. von 8:00 bis 14:00 Uhr erreichbar.

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. med. Frank Grünwald
Direktor der Klinik für Nuklearmedizin
Zentrum der Radiologie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Fon (069) 6301 - 4330
Fax (069) 6301 - 6805
E-Mail gruenwald@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. med. Klaus Badenhoop
Kommissar. Leiter des Funktionsbereichs
Endokrinologie
der Medizinischen Klinik I
Zentrum der Inneren Medizin
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Fon (069) 6301 - 5396
Fax (069) 6301 - 6405
E-Mail badenhoop@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. med. Wolf-Otto Bechstein
Direktor der Klinik für Allgemein- und Gefäßchirurgie
Zentrum der Chirurgie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Fon (069) 6301 - 5251
Fax (069) 6301 - 7452
E-Mail wolf.bechstein@kgu.de

Prof. Dr. med. Lothar Bergmann
Tumorzentrum Rhein-Main, Medizinische
Klinik II
Zentrum der Inneren Medizin
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt a.M.
Fon (069) 6301 - 7969
Fax (069) 6301 - 7373
E-Mail l.bergmann@em.uni-frankfurt.de

Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Berichte zu: Nuklearmedizin Schilddrüse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie