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Neue Erkenntnisse zum Verhältnis von Gehirn und Verhalten

22.12.2005


Graduiertenkolleg an der RWTH Aachen untersucht neurobiologische Grundlagen von Emotionen bei Patienten mit Schizophrenie und Autismus

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Aktuelle Entwicklungen in der neuropsychiatrischen Forschung verlangen bei Diagnose und Therapie eine Umkehr hin zu den biologischen Ursachen gesunden wie durch psychische Störungen beeinträchtigten, krankhaften Verhaltens. Vor allem die Fortschritte in der anatomischen und der funktionellen Bildgebung des Gehirns, zunehmend verbunden mit klassischen psychopathologischen und neuropsychologischen Untersuchungen, werden die Integration neurobiologischer Grundlagen in die klinisch-praktische Medizin fördern. In den kommenden Jahren werden Diagnostik und Therapie in Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie in jedem Lebensalter grundlegend verändert.

Ein ganz wesentliches Augenmerk ist hierbei auf emotionale Störungen zu legen, die bei allen psychischen Störungen auffällig sind und insbesondere zu den wichtigsten Krankheitssymptomen schizophrener und autistischer Symptomatik gehören. Gerade die Schizophrenie, eine Erkrankung, die bei einer von 100 Personen auftritt, zählt weltweit zu denjenigen Störungen, die zur größten Beeinträchtigungen der Lebensqualität bei Patienten und deren Angehörigen führt. Eine besonders hohe Suizidrate macht die Schizophrenie zu einer lebensgefährdenden Erkrankung.


Um Diagnostik und Therapie auf diesen Gebieten zu verbessern, hat sich ein internationales Graduiertenkolleg an der RWTH Aachen gebildet. Die International Research Training Group (IRTG) hat es sich zur Aufgabe gemacht, emotionale Prozesse zu studieren, um hinter die Geheimnisse grundlegender pathophysiologischer Mechanismen zu kommen. Dysfunktionale emotionale Prozesse werden bei Patienten mit Schizophrenie oder Autismus genauso wie bei Gesunden untersucht. Dabei kommen psychologische Verhaltensuntersuchungen sowie strukturelles und funktionelles Imaging zur Anwendung. Therapeutisch begründete Veränderungen dieser Funktionen werden durch Verhaltens- und pharmakologische Interventionen untersucht, um die neuronale Reorganisation abzubilden. Die gewonnen Informationen sind dabei wesentlich für das Verständnis der Hirnmechanismen von Emotionen und deren Interaktion mit dem Gedächtnis oder dem Sprachvermögen.

An dem Internationalen Graduiertenkolleg nehmen Psychiater, Neurologen, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychologen und Neuroanatomen teil. Sie wenden Bildgebungsmethoden einschließlich struktureller und funktioneller Kernspintomographie (MRI und fMRI), Positronenemisionstomographie (PET), Magnetenzephalographie (MEG), Rezeptorverteilung und mikrostruktureller Hirnkartierung an, um gesunde wie durch psychische Störungen beeinflusste emotionale Netzwerke des Gehirns zu analysieren. In der Zusammenarbeit mit Physikern, Informatikern und Linguisten der RWTH Aachen und des Forschungszentrums Jülich werden insbesondere im Rahmen des BMBF-geförderten Brain Imaging Center West sowie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Klinischen Forschergruppe 112 zu Aufmerksamkeitsstörungen neue Techniken und Methoden entwickelt und eingesetzt, um die Hirnaktivität emotionaler Verarbeitung zu messen und zu erfassen sowie auf die Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten beziehen zu können.

In allen Feldern dieser Forschung und Lehre werden Wissenschaftler an der University of Pennsylvania in Philadelphia, eine der fünf renommiertesten amerikanischen Universitäten, an den gemeinsamen Projekten beteiligt sein,. Graduierte des Kollegs werden gemeinsam von Professoren in Aachen, Jülich und Philadelphia während der Aufenthalte in Deutschland und in den USA unterstützt und in ihren Doktorarbeiten betreut. Ein umfangreiches Austausch- und Rotationsprogramm für Studenten, Wissenschaftler und Lehrende wird die Basis für dieses Internationalen Graduiertenkollegs zur Erforschung der neurobiologischen Grundlagen emotionalen Verhaltens und seiner Störungen darstellen.

Fragen beantwortet gerne Univ.-Prof. Dr. Frank Schneider unter der Telefonnummer 0241/80-89097 oder per E-Mail: fschneider@ukaachen.de

Dr. Christof Zierath | idw
Weitere Informationen:
http://www.psychiatrie.ukaachen.de

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