Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Wärme gegen Krebs

16.12.2005


Tagung über die Chancen der Hyperthermie



Die Chancen der Hyperthermie standen im Zentrum eines Symposiums, das kürzlich in der onkologischen Fachklinik Bad Trissl im oberbayerischen Oberaudorf stattgefunden hat. Die Klinik arbeitet eng mit der Hyperthermie-Einheit des Klinikums München-Großhadern zusammen und zählt zu den wenigen Anwendern dieses aufwendigen Verfahrens. Durch die gezielte Erwärmung des Tumorbereichs auf 42 Grad lässt sich die Wirkung der Chemo- oder Strahlentherapie verstärken. Abgeschlossene und laufende Studien zeigen bereits erstaunliche Erfolge der regionalen Tiefenhyperthermie.



Er ist zwar selten, aber äußerst bösartig. Wenn der Krebs an der Bauchspeicheldrüse, das so genannte Pankreaskarzinom, anfängt, sich durch Schmerzen bemerkbar zu machen, hat er oft schon Metastasen gebildet. Für eine Heilung ist es dann meist zu spät. Operation, Chemo- und Strahlentherapie erreichen nicht viel: Nur ca. fünf Prozent der Patienten leben nach der Diagnosestellung noch länger als fünf Jahre.

Da kommt es schon einem kleinen Wunder gleich, wenn es gelingt, diesen Krebs zu stoppen. Das scheint mit einem Verfahren möglich, das auf die gezielte Erwärmung des Tumors durch elektromagnetische Wellen setzt: Der regionalen Tiefenhyperthermie. Der Pionier dieses Verfahrens, Prof. Dr. Rolf Issels vom Klinikum München-Großhadern, ist selbst überrascht von den Erfolgen, die er mit der Überwärmungstherapie speziell bei Pankreaspatienten erzielen konnte. Auf einem Symposium des Tumorzentrums Münchens in der onkologischen Fachklinik Bad Trissl (Oberaudorf) über "Die Chancen der Hyperthermie" berichtete Issels von seinem Vorhaben, eine europaweite Studie aufzulegen, um die Möglichkeiten der Hyperthermie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs systematisch zu erforschen.

Für andere Krebsarten gibt es bereits gesicherte Ergebnisse aus nationalen und internationalen Forschungsprogrammen. Zum Beispiel konnten mit einer Kombination aus Hyperthermie und Chemotherapie 85 Prozent der Hochrisiko-Weichteilsarkome, das sind ausgedehnte Tumoren im Bauch oder an den Knochen, unter Kontrolle gebracht werden. "Das ist sehr ermutigend", so Issels, "besonders weil wir bei diesen oft sehr großen Karzinomen eine Operation und damit eine Verstümmelung der Kranken vermeiden konnten".

Die Wirkung der regionalen Tiefenhyperthermie bei Tumoren am Gebärmutterhals ist inzwischen so gut belegt, dass sie in Holland längst zur Standardbehandlung gehört. Auch für schwarzen Hautkrebs, fortgeschrittenen Darmkrebs, für Blasen-, Prostata und Rektumkarzinom sowie bei Wiederauftreten von Brustkrebs liegen positive Erfahrungen vor, die durch Studien belegt sind.

Dr. Oliver Ott, Radiotherapeut an der Universitätsklinik Erlangen, setzt auf die Dreifach-Kombination von Strahlentherapie, Chemotherapie und Hyperthermie. "Krebszellen sind wärmeempfindlich. In überwärmte Tumorzellen können Krebsmedikamente besser eindringen und eine Strahlentherapie wird effektiver. Wir benutzen die Hyperthermie, um die Wirkung der beiden anderen Therapieformen zu verbessern", erklärte der Wissenschaftler auf der Tagung. Ott behandelt auf diese Weise ausschließlich Patienten, bei denen der Krebs noch keine Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet hat. Darum kann er nicht nur gute Ansprechraten, sondern auch tatsächliche Heilungen vorweisen. Große Erfahrung besitzen die Erlanger Strahlentherapeuten in der Behandlung des Harnblasenkrebses. Wo sonst die Urologen die befallene Blase einfach entfernen, gelingt es ihnen durch eine spezielle Kombination von Radio-, Chemo-und Überwärmungstherapie in vielen Fällen dieses wichtige Organ zu erhalten.

"Zauberkugeln" verschonen die gesunden Zellen

Spannende Zukunftsperspektiven eröffnet die Hyperthermie-Forschung mit den so genannten Liposomen. Dr. Martin Hossann vom Klinikum Großhadern beschrieb das Prinzip dieser "Zauberkugeln": Dabei werden Zytostatika - die Krebsmedikamente - in kleine Fettkapseln verpackt. Wenn man diese dann den Patienten spritzt, reichern sie sich im Tumor an. Bei einer Temperatur von 42 Grad, wie sie während der Hyperthermiebehandlung erreicht wird, schmelzen die Kapseln und geben ihren Inhalt konzentriert an den Krebs ab. "In Zellkulturen konnten wir bereits eine sechsfach höhere Anreicherung des Wirkstoffs im Tumor erreichen. Aber das ist nicht der einzige Vorteil. Durch den gezielten Einsatz der Zytostatika direkt auf die Krebszellen bleiben die gesunden Zellen verschont und die Nebenwirkungen einer Chemotherapie verringern sich drastisch", erklärte Hossann.

Die praktische Anwendung der Hyperthermie war das Thema von Dr. Bernhard Weber, Chefarzt für Innere Medizin in der Klinik Bad Trissl. "Besonders wichtig ist eine exakte Temperaturmessung. Nur wenn wir 42 Grad Celsius im Tumor erreichen, kann die Behandlung helfen. Wir dürfen diese Temperatur aber auch nicht überschreiten, um keinen Schaden anzurichten", so Weber. Gemessen wird mit Sonden, die eigens für die Hyperthermie entwickelt wurden. Das ganze Verfahren ist sehr aufwendig und viele technische Parameter sind zu beachten. Deshalb werden die Patienten während der Therapie nicht nur vom Arzt, sondern auch von einer Ingenieurin überwacht.

Kann man mit der Überwärmung Krebskranke heilen?

"Mit der Hyperthermie alleine sicher nicht", so Weber, "doch in Kombination mit Strahlen- oder Chemotherapie gelingt es uns fast immer, Leiden zu lindern, Leben zu verlängern und die Lebensqualität zu erhöhen". Spektakulär war der Fall einer 64-Jährigen, die mit einem inoperablen Krebs an der Bauchspeicheldrüse nach Bad Trissl eingewiesen wurde. Nach einem Zyklus Hyperthermie und Chemotherapie kam der Tumor zum Stillstand und Tumormarker waren nicht mehr nachweisbar.

Die Frau blieb kein Einzelfall. Inzwischen gibt es noch andere Patienten sowohl in Großhadern als auch in Bad Trissl, bei denen dieser besonders bösartige Krebs den Rückwärtsgang eingelegt hat.

Informationen:
Dr. Erentraud Hömberg
Pressearbeit der Klinik Bad Trissl
Tel: 089 / 81 17 97 67
Fax: 089 / 81 17 97 69
E-Mail: e.hoemberg@t-online.de

Dr. Erentraud Hömberg | idw
Weitere Informationen:
http://tzm.web.med.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen