Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Modernstes Verfahren der Knochenbruchbehandlung an der Charité

05.10.2001


Innere Fixierung mit Kopfverriegelungsschrauben

Die chirurgische Behandlung von Knochenbrüchen zielt auf die Wiederherstellung der normalen anatomischen Strukturen. Auch bei komplizierten Trümmerbrüchen, bei denen Gelenke beteiligt sind, gelingt dies heute durch Verwendung von Nägeln, Platten und Schauben.
Platten mit vorgestanzten Löchern und Schrauben werden zur Fixierung der beteiligten Knochenbruchstücke schon seit Jahrzehnten verwendet. Dabei werden die Platten an die Knochenoberflächen angelegt und mit Schrauben am Knochen angepresst. Dieses sogenannte Osteosyntheseverfahren hat aber Nachteile: Wegen der unnatürlich starken Kompression der Knochenoberfläche kann es unter der Platte zur Veränderung der Knochenstruktur mit geringerer Festigkeit (Osteoporose) kommen. Dadurch lockern sich nicht selten auch die Schrauben, was wiederum zur Folge hat, dass sich die Position der Bruchstücke verschiebt, was eine erneute Korrektur notwendig macht. Außerdem können Wundheilungsstörungen auftreten, bedingt durch die verringerte Durchblutung der Knochenhaut unter der Platte.
Diese Mängel hat eine internationale Arbeitsgruppe unter der Leitung von Professor Norbert Haas, Direktor der "Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie" der Charité, seit Beginn der 90iger Jahre motiviert, das Verfahren entscheidend zu verbessern. Im Gegensatz zum bisherigen Vorgehen, bei dem die Platte dem Knochen eng anliegt, "schwebt" sie nun in geringem Abstand über dem Knochen und berührt die Knochenoberfläche nicht. Dies wird erreicht durch Verriegelung der Schraubenköpfe in der Platte. Dabei hat der Schraubenkopf ein Außengewinde und im Plattenimplantat sitzt ein Innengewinde. So verblocken sich die Schrauben im Kraftträger. Beim Einbringen der Schraube in den Knochen, wird dieser nicht mehr an die Platte herangezogen, vielmehr liegt die Platte "wie ein Baugerüst vor der Fassade". Platte und Schrauben bilden eine stabile Einheit, wobei die Hauptkraft in der winkelstabilen Verbindung liegt.
Oberarzt Dr. Michael Schütz, der bisher schon mehr als 70 Mal das neue Verfahren verwendet hat, präzisiert:: "Bei der konventionellen Osteosynthese wird die Platte mit der Schraube an den Knochen herangezogen und an ihm fixiert. Der Knochen reagiert auf diesen Druck, die Zugkraft der Schraube lässt nach. Damit ändert die Platte ihre Stabilitätsfunktion. Die winkelstabile Schraube hingegen baut keine Zugkraft auf, sondern wirkt wie ein Bolzen, der etwas trägt oder hält. Die ganze Kraft sammelt sich in der Metall-Metallverbindung. Lockerungen der Schrauben ergeben sich deshalb nur selten und wir beobachten kaum mehr Verschiebungen der Knochentrümmer."
Vorteilhaft wirke sich weiterhin aus, dass die Knochenstruktur unverändert und die Blutversorgung erhalten bleiben. Auch der Operationsvorgang ist vereinfacht, zum Teil kann minimal-invasiv vorgegangen werden.
Schütz sieht die Neuentwicklung (die von der technischen Seite durch die Herstellerfirma Mathys Synthes AG. unterstützt wurde) vor allem auch als sehr bedeutsam an für die gesamte Traumatologie bei alten Menschen mit schlechter Knochenqualität und schlechter Weichteilfunktion.

In der Charité treffen sich am 5. und 6. Oktober die 30 europäischen Arbeitsgruppen, die das neue Verfahren verwenden, aus Deutschland sind neben der Charité in Berlin, Kliniken unter anderem aus Braunschweig, Bremen, Hannover, Köln und Leipzig beteiligt.

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome
26.09.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Neue Therapie gegen osteoporosebedingte Knochenbrüche
26.09.2016 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: First quantum photonic circuit with electrically driven light source

Optical quantum computers can revolutionize computer technology. A team of researchers led by scientists from Münster University and KIT now succeeded in putting a quantum optical experimental set-up onto a chip. In doing so, they have met one of the requirements for making it possible to use photonic circuits for optical quantum computers.

Optical quantum computers are what people are pinning their hopes on for tomorrow’s computer technology – whether for tap-proof data encryption, ultrafast...

Im Focus: Quantenboost für künstliche Intelligenz

Intelligente Maschinen, die selbständig lernen, gelten als Zukunftstrend. Forscher der Universität Innsbruck und des Joint Quantum Institute in Maryland, USA, loten nun in der Fachzeitschrift Physical Review Letters aus, wie Quantentechnologien dabei helfen können, die Methoden des maschinellen Lernens weiter zu verbessern.

In selbstfahrenden Autos, IBM's Watson oder Google's AlphaGo sind Computerprogramme am Werk, die aus Erfahrungen lernen können. Solche Maschinen werden im Zuge...

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Im Focus: Mit OLED Mikrodisplays in Datenbrillen zur verbesserten Mensch-Maschine-Interaktion

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP arbeitet seit Jahren an verschiedenen Entwicklungen zu OLED-Mikrodisplays, die auf organischen Halbleitern basieren. Durch die Integration einer Bildsensorfunktion direkt im Mikrodisplay, lässt sich u.a. die Augenbewegung in Datenbrillen aufnehmen und zur Steuerung von Display-Inhalten nutzen. Das verbesserte Konzept wird erstmals auf der Augmented World Expo Europe (AWE), vom 18. – 19. Oktober 2016, in Berlin, Stand B25 vorgestellt.

„Augmented Reality“ (erweiterte Realität) und „Wearable Displays“ (tragbare Displays) sind Schlagworte, denen man mittlerweile fast täglich begegnet. Beide...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ist Vergessen die Zukunft?

27.09.2016 | Veranstaltungen

Von der Probe zum digitalen Modell - MikroskopieTrends ´16

26.09.2016 | Veranstaltungen

300 Experten diskutieren auf größter Entrepreneurship-Konferenz im deutschsprachigen Raum

26.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Prozessintegrierte Prüfung für das ultraschallunterstützte Rührreibschweißen

27.09.2016 | Maschinenbau

IAB-Arbeitsmarktbarometer: weiterhin positiver Ausblick

27.09.2016 | Wirtschaft Finanzen

HIV-Antikörper mit breiter Wirkung als Basis für einen Impfstoff

27.09.2016 | Biowissenschaften Chemie