Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Botulinum Toxin gegen Kopfschmerzen: Noch keine gesicherte Therapie

04.10.2001


Ob das Bakteriengift Botulinum-Toxin demnächst das therapeutische Arsenal gegen chronische Spannungskopfschmerzen und Migräne erweitern wird, ist unklar. Noch fehlen gesicherte Daten aus klinischen Studien, betonen Experten auf dem Deutschen Schmerzkongress in Berlin.

Eine exakt platzierte, geringe Dosis des Bakteriengiftes Botulinum Toxin kann tiefe Mimikfalten glätten. Der Grund: Die Substanz hemmt eine übermäßige Muskelanspannung. Darum beobachteten zunächst Schönheitschirurgen, dass eine Injektion des Bakteriengiftes nicht nur Falten im Gesicht verschwinden lässt, sondern auch Kopfschmerzen bessern kann.
"Solche Beobachtungen genügen jedoch nicht, um Botulinum Toxin eine grundsätzliche Wirksamkeit gegen Kopfschmerzen zu bescheinigen", warnt Professor Andreas Straube, Neurologe und Kopfschmerzexperte am Universitätsklinikum Großhadern in München.
So müsse man etwa bedenken, dass eine effektive Faltenbehandlung das allgemeine Wohlbefinden steigert und dass dieses wiederum die Auslöser von Kopfschmerzen beeinflusst. "Dann", so Straube, "wäre die Wirkung von Botulinum Toxin auf Kopfschmerzen keine direkte, sondern eine indirekte."
Bislang veröffentlichte Studien über die Wirksamkeit von Botulinum Toxin legen zwar eine mögliche Wirksamkeit bei Migräne nahe: Positive Ergebnisse beobachteten die Ärzte in einer kleinen kontrollierten Studie und in einer von zwei Subgruppen einer kontrollierten größeren Studie. Bei Spannungskopfschmerz sind die Studienergebnisse bislang jedoch widersprüchlich. "Zu anderen Kopfschmerzformen liegen entweder nur Mitteilungen über Einzelfälle oder nur wenige, kleine und unkontrollierte Studien vor", so Straube. Ähnliche Aussagen lassen sich auch für den Einsatz von Botulinum Toxin bei muskuloskelettalen Schmerzen machen.
Vor einer breiten Anwendung des Bakterientoxins in der täglichen Praxis muss dessen Wirksamkeit daher zunächst in aussagekräftigen wissenschaftlichen Untersuchungen belegt werden. Dazu sind Studien erforderlich, bei denen an einer größeren Zahl von Patienten an mehreren Zentren die Wirkung des Bakteriengiftes mit der einer Scheinbehandlung (Placebo) verglichen wird und weder Arzt noch Patient wissen, ob Placebo oder die Substanz injiziert wird.
Diese Untersuchungen müssen darüber hinaus nicht nur die Ergebnisse der bisherigen Fallberichte und Studien bestätigen, sondern auch die vielen offenen Fragen zur Dosis, Injektionsstelle und der Wirkung bei den unterschiedlichen Kopfschmerzformen klären.
"Wissenschaftlich interessant", so Straube, "ist auch die Frage nach dem Wirkungsort von Botulinum Toxin." Zunächst führten die Forscher die Wirkung der Substanz ausschließlich auf die Reduktion der Muskelanspannung zurück. Aufgrund neuerer Untersuchungen vermuten sie inzwischen, dass Botulinum Toxin auch eine Wirkung auf bestimmte Hirnbotenstoffe, etwa auf die Substanz P, hat und möglicherweise sogar direkt im Zentralnervensystem wirkt.
"Sind die offenen Fragen geklärt, spricht für die Anwendung von Botulinum Toxin, dass es bei sachkundiger Anwendung sehr gut verträglich ist und kaum Nebenwirkungen hat", betont Straube. Von Vorteil ist auch, dass eine einmaligen Behandlung über Wochen wirkt - ein wesentlicher Grund für eine gute Akzeptanz bei den Patienten.

Pressestelle Deutscher Schmerzkongress bis 7. 10.
Barbara Ritzert
Tel. 030/314-22800

Rückfragen an:
Prof. Dr. med. Andreas Straube (DMKG)
Neurologische Universitätsklinik
Klinikum Großhadern, LMU
Marchioninistraße 15
81377 München
Tel.: 089-7095-3900
Fax: 089-7095-3677
E-Mail: sstraube@brain.nefo.uni-muenchen.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw

Weitere Berichte zu: Bakteriengift Botulinum Toxin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops