Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sternanis: Hamsterkäufe für Tamiflu-Herstellung

29.11.2005


www.gewuerzwaage.de


Chinesisches Gewürz enthält Basisstoff für Influenza-Medikament

... mehr zu:
»Influenza »Oseltamivir »Tamiflu

Die globale Nachfrage nach dem Medikament Tamiflu steigt und das sorgt dafür, dass das chinesische Gewürz Sternanis plötzlich mehr gefragt ist denn je. Sternanis (Illicium verum) enthält nämlich die so genannte Shikimisäure und aus dieser gewinnt der Pharmakonzern Oseltamivir, das unter dem Handelsnamen Tamiflu verkauft wird. Berichten von China Daily zufolge, hat sich der Handelspreis von Sternanis innerhalb eines Monats verdoppelt.

Sternanis ist eines der wenigen Gewürze, die in der chinesischen Küche verwendet werden. Es stammt aus Südchina und Vietnam. Der immergrüne Sternanisbaum gehört zur Familie der Magnoliengewächse. Reifer Sternanis hat die Form eines unregelmäßigen achteckigen Sterns. Das so genannte Fünf-Gewürze-Pulver (Five-Spice-Powder) enthält unter anderem auch Sternanis. "Diese Woche ist der Preis für Sternanis erneut gestiegen", so Dennis Knock von Frontier Natural Foods Co-Op in Norway, Iowa. Die Medienberichte über Tamiflu haben den Verkauf des Medikaments in die Höhe getrieben. Der Schweizer Roche Konzern ist das einzige Pharmaunternehmen, das das Präparat herstellt. 2007 sollen 300 Mio. Dosen Tamiflu hergestellt werden, 2005 sind es 55 Mio. "Roche kauft derzeit große Mengen an Sternanis, um daraus Tamiflu herzustellen. Zusätzlich dazu kaufen Leute auch das Gewürz selbst ein, um sich vor der Influenza zu schützen", berichtet Ed Deep, Gewürzbroker aus Hoboken/New Jersey. Hinzu komme noch die Nachfrage chinesischer Köche und die Angst der chinesischen Bevölkerung, dass sie ihr geliebtes süß-gebeiztes Schweinefleisch nicht mehr essen können. Die Medien in China sind voll mit den Meldungen, dass Sternanis dringend gebraucht werde.


Allerdings geben Experten zu bedenken, dass Sternanis selbst nicht gegen Influenza wirkt, denn die gewünschte Shikimisäure kann nur mit einem neunstufigen Verfahren, das von Roche geheim gehalten wird, hergestellt werden. Die Ausbeute ist mit 35 Prozent gering. Das mache es auch so schwer Oseltamivir in größeren Mengen schnell herzustellen, berichtet etwa das US-Magazin National Geographic. Experten wie Ulrich Matern vom Institut für pharmazeutische Biologie der Uni Marburg bezweifeln diese These allerdings. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Roche aus dem Naturprodukt Sternanis das Oseltamivir herstellt. Da die Gentechnologie inzwischen weit fortgeschritten ist, wird der Stoff mit gentechnisch veränderten E. coli-Bakterien erzeugt", so der Experte im pressetext-Gespräch. Diese Methode sei schneller, billiger und effektiver. "In der Phytopharmazie ist Sternanis allerdings als Medikament bekannt", erklärt Matern. Die ätherischen Öle wirken gegen Husten und Erkältung. Allerdings sei eine richtige Influenza damit nicht behandelbar.

Tatsächlich finden sich in der Literatur zahlreiche Hinweise auf die Wirksamkeit von Sternanis, die Anwendungen bei Katarrhen der Luftwege aber auch bei Verdauungsbeschwerden mit leichten Krämpfen im Magen-Darm-Bereich sowie Völlegefühl und Blähungen vorsieht. Verwendung findet die Pflanze in erster Linie in der Traditionellen Chinesischen Medizin. "Sternanis ist erst seit zwei Jahren in Europa als Heilpflanze im Einsatz, zuvor war es lediglich als Backzutat bekannt", führt Matern aus. Bekannt wurde der Sternanis damals aufgrund einer Verfälschung mit dem giftigen japanischen Sternanis, erklärt der Forscher. "Das ist eine alte Geschichte, die jetzt wieder hochgekommen ist", so Matern abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.chinadaily.cn
http://news.nationalgeographic.com
http://www.uni-marburg.de

Weitere Berichte zu: Influenza Oseltamivir Tamiflu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Berner Forschende entdecken Schlaf-Wach-Schaltzentrale im Hirn
11.06.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics