Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Implantat verhindert Schlaganfall und Migräne-Attacken

28.11.2005


Gerade bei jungen Menschen ist die Ursache eines Schlaganfalles oft keine Gefäßkrankheit sondern ein angeborener Herzfehler, ein so genanntes "offenes Foramen ovale". Der kathetergestützte Verschluss dieser Öffnung durch ein Schirmchen verhindert einen erneuten Schlaganfall und kann bei manchen Migräne-Patienten die Häufigkeit von Attacken reduzieren. Die Medizinische Klinik II des Universitätsklinikums Bonn ist deutschlandweit eines der wenigen Zentren das alle Schirm-Typen anbietet und führte diesen Eingriff bereits bei 130 Patienten erfolgreich durch. Kürzlich setzten die Bonner Ärzte erstmals in Nordrhein Westfalen einen neuen Implantat-Typ ein.



Das Foramen ovale ist ein Relikt aus unserer Zeit als Embryo. Denn vor der Geburt übernimmt der Mutterkuchen die Sauerstoffversorgung des Kindes. Das Foramen ovale - ein ovales Ventil zwischen dem rechten und linken Herzvorhof - leitet das Blut an der Lunge vorbei in das linke Herz. Wenn die Lunge nach der Geburt ihre Atemfunktion aufnimmt, verschließt sich diese Öffnung normalerweise im ersten Lebensjahr. Doch bei jedem dritten Menschen bleibt es offen. Meist kein Problem, da der höhere Druck im linken Vorhof dieses Ventil zudrückt.

... mehr zu:
»Foramen »Implantat »Schlaganfall


Doch schon ein starker Husten kann den Druck im rechten Vorhof erhöhen. Das Foramen ovale öffnet sich und der Weg zum linken Herzen ist frei. Vorhandene kleine Blutgerinnsel treten über den Blutstrom in den arteriellen Kreislauf ein. Eine solche paradoxe Mikroembolie kann zu Durchblutungsstörungen im Gehirn und sogar zu einem Schlaganfall führen. "Gerade junge Menschen in einem Alter zwischen 25 und 35 Jahren sind davon betroffen. Ist das Risiko eines erneuten Schlaganfalls hoch, verschließen wir das Foramen ovale mit einem Doppelschirm. Dabei arbeiten wir eng mit der Neurologie unseres Klinikums und zahlreichen umliegenden Krankenhäusern zusammen", sagt Professor Dr. Georg Nickenig, Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bonn.

Die Implantation dauert in der Regel 15 Minuten und kann ohne Vollnarkose durchgeführt werden. Dabei schieben die Bonner Ärzte einen zusammengeklappten Doppelschirm mittels Katheter von der Leiste her zum Herzen. Professor Nickenig und Professor Dr. Gerhard Bauriedel, Oberarzt an der Medizinischen Klinik II, verfügen über eine umfangreiche Erfahrung mit diesem komplikationsarmen Eingriff. Der neue Implantat-Typ "Premere" besteht aus zwei nicht fest miteinander verbundenen Schirmen. Herausgedrückt aus der Katheter-Spitze öffnet sich dessen erster Schirm und fixiert sich mit seinem Metallanker, geformt wie das Rotorblatt eines Hubschraubers, fest am Foramen ovale. Den nur aus Kunststoff bestehenden zweiten Schirm justieren die Bonner Ärzte auf der anderen Seite der Öffnung. "Dieser neue Typ hat zwei entscheidende Vorteile. Er kann individuell der Länge des Kanals im Foramen ovale angepasst werden. Da das Implantat sehr wenig Metall enthält, ist der neue Typ besonders gut geeignet für Patienten mit einer Nickel-Allergie", sagt Professor Bauriedel.

Patienten mit einem offenen Foramen ovale leiden zudem häufiger als die Allgemeinbevölkerung unter Migräne. Denn eine paradoxe Mikroembolie kann auch Migräne-Attacken mit neurologischen Symptomen wie Seh- oder Sprachstörungen auslösen, eine so genannte Migräne mit Aura. "Der Verschluss des Defektes reduziert häufig Anzahl und Stärke der Kopfschmerz-Attacken", sagt Professor Bauriedel. Jeder zweite Migräne-Geplagte könne gänzlich von diesem Leiden erlöst werden.

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Gerhard Bauriedel
Oberarzt an der Medizinischen Klinik II
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-6670
E-Mail: gerhard.bauriedel@ukb.uni-bonn.de

Professor Dr. Georg Nickenig
Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-5217
E-Mail: georg.nickenig@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Foramen Implantat Schlaganfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie