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Hoffnung auf eine lebensverlängernde Behandlung

22.11.2005


CapRI-Studie der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg testet neue Therapie gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs / Erste Ergebnisse werden 2007 erwartet



Einen Durchbruch bei der Behandlung erhoffen sich Wissenschaftler des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Dr. h.c. mult. Markus W. Büchler) von einer neuen Therapie des bösartigen Tumors der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), der zurzeit in einer klinischen Studie getestet wird. Mittlerweile konnten bereits 50 Patienten in die Studie aufgenommen werden; erste Ergebnisse werden 2007 erwartet. Es handelt sich dabei um die erste interdisziplinäre klinische Studie des NCT.

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Die CapRI-Studie (adjuvant ChemoRadioImmuntherapy of pancreatic carcinoma) verbindet Chemotherapie, Bestrahlung und die Gabe von Interferon-alpha, einem das Immunsystem stimulierenden Medikament. Chemotherapie ist bislang die empfohlene Behandlung von Pankreaskrebs; eine zusätzliche Bestrahlung bringt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen keine Vorteile.

Für die Finanzierung der CapRI-Studie hat der Aufsichtsratsvorsitzende der MLP AG Manfred Lautenschläger der Heidelberger Stiftung Chirurgie 300.000 Euro zur Verfügung gestellt. Sein besonderes Engagement für die Pankreasforschung geht auf die eigene Erkrankung vor mehr als 25 Jahren zurück: Damals war konnte ihm ein bösartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse rechtzeitig entfernt werden.

Selten wird ein Pankreastumor rechtzeitig entdeckt und operiert

Nur selten jedoch gelingt eine solche Heilung: Bösartige Tumore der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) haben eine sehr schlechte Prognose: Selbst bei Behandlung in spezialisierten Zentren lebt nach zwei Jahren nur noch jeder vierte Patient. Meist wird der Tumor zu spät entdeckt, weil er lange Zeit keine Symptome zeigt. Nur zehn bis 15 Prozent der jährlich 10.000 Fälle in Deutschland können im frühen Stadium operiert werden.

"Der Pankreastumor ist einer der bösartigsten überhaupt. Wir brauchen unbedingt neue Therapiemöglichkeiten", unterstreicht Privatdozentin Dr. Angela Märten, die zusammen mit Professor Jan Schmidt die CapRI-Studie an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Dr. h. c. mult. Markus W. Büchler) leitet. Mit dem gleichen Therapieschema, so Märten, haben Forscher an der Virginia Mason Clinic in Seattle/USA viel versprechende Ergebnisse erzielt: Die Überlebensraten der Patienten lagen nach zwei Jahren bei 64 Prozent, nach fünf Jahren bei 55 Prozent. Dank der Unterstützung durch Manfred Lautenschläger kann die viel versprechende Therapie nun zügig wissenschaftlich getestet werden.

Bei der Heidelberger Studie werden insgesamt 110 Patienten zur Hälfte nach dem CapRI-Schema mit Chemotherapie, Bestrahlung und Interferon-alpha behandelt. Die andere Hälfte erhält die Chemotherapie, die nach der weltweit größten Studie, der "Espac-1", die besten Überlebenschancen verspricht. Auch an dieser vor zwei Jahren beendeten Studie, die im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, waren Heidelberger Wissenschaftler federführend beteiligt.

Erste interdisziplinäre Studie im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg

Ziel der CapRI-Studie ist, die aussichtsreichste Therapie nach der Operation des Pankreas-Tumors zu finden und den Wirkungsmechanismus von Interferon bei diesem speziellen Krebs kennen zu lernen. Interferon gehört bei anderen Tumoren bereits zur Standardtherapie. Das kann Medikament das Einsprießen von Blutgefäßen in den Tumor verhindern und aktiviert das Immunsystem: Es verstärkt die Wirkung von Chemotherapie und Bestrahlung und wirkt auch direkt auf den Tumor ein.

"Wir hoffen, dass mindestens die Hälfte der Patienten vom neuen Therapieschema profitieren wird", erklärt Dr. Märten. Sie will zudem herausfinden, ob es individuelle Faktoren bei Patienten gibt, die schon im Vorfeld anzeigen, ob eine zusätzliche Interferongabe erfolgreich sein wird. "Den anderen Patienten könnte man die Therapie ersparen."

Bei der CapRI-Studie handelt es sich um die erste interdisziplinäre Studie des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg (Medizinische Onkologie: Privatdozent Dr. Dirk Jäger, Leitung und Sprecher: Professor Dr. Christof von Kalle). Die Patienten, die aus dem gesamten Bundesgebiet kommen, werden hier von Spezialisten aller Fachrichtungen behandelt.

Dr. Angela Märten schätzt die enge Zusammenarbeit im NCT als großen Vorteil nicht nur für die Kranken, sondern auch für den erfolgreichen Verlauf einer wissenschaftlichen Studie."Der Brückenschlag zwischen Forschung und Klinik ist beeindruckend: Forschungsegebnisse werden schnell in die Klinik umgesetzt, aus der klinischen Anwendung werden unmittelbar wieder Erkenntnisse gewonnen."

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Jan Schmidt
Tel: 06221 / 56 36125
E-Mail: Jan.Schmidt@med.uni-heidelberg.de

PD Dr. Angela Märten
Tel. 06221 / 56 39890
E-Mail: Angela.Maerten@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

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