Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elastischer Bandscheiben-Dübel erfolgreich eingesetzt

21.11.2005


Im aufgeklappten Dübel erkennt man die elastische Silikonscheibe. Foto: ukg


Röntgenbilder der Lendenwirbelsäule mit eingesetztem Bandscheibendübel mit Silikonscheibe im Inneren. Foto: ukg


Zwei junge Patientinnen erhalten im Universitätsklinikum Göttingen erstmals dynamische Bandscheibendübel mit elastischem Silikonkern.


Zwei Patientinnen haben im Rahmen einer Studie im Universitätsklinikum Göttingen neuartige künstliche Bandscheiben erhalten. Mit den "dynamischen Bandscheibendübeln" wurden bei den jungen Frauen frühe Bandscheibenschäden in der unteren Lendenwirbelsäule behandelt. Weitere Operationen im Rahmen der klinischen Studie sind geplant. Die Operationen führte Dr. Thorsten Ernstberger aus der Abteilung Orthopädie (Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Schultz) am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen durch. Dr. Ernstberger kooperiert in der Studie mit Prof. Dr. Wolf Arnold, Chefarzt am Zentrum für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie im Zentralklinikum Suhl. "Beide Patientinnen konnten schon ein beziehungsweise zwei Tage nach der Operation wieder umhergehen", sagt Ernstberger. Wenige Tage zuvor hatten Dr. Ernstberger und Prof. Arnold den Bandscheibendübel zum ersten Mal einer Patientin in Suhl eingesetzt. Alle Patientinnen haben die Krankenhäuser bereits wieder verlassen. Die erste Nachuntersuchung im Göttinger Universitätsklinikum ist für Januar 2006 geplant.

Die 41-jährige Patientin Angelika Standke hatte drei Jahre lang unter Rückenschmerzen gelitten: "Am Ende lag ich wie eine Schildkröte auf dem Rücken. Am Tag nach der Operation habe ich mir gedacht: ’Ich spüre nur die Narbe. Warum merke ich hinten nichts?’", so Standke. Auch die 21-jährige Nadine Lösch hatte über viele Jahre Bandscheibenprobleme. "Bei mir wurde schon mit etwa zehn Jahren ein Wirbelgleiten festgestellt. Im letzten Jahr hatte ich dann durchgehend Rückenschmerzen", sagt sie. Zufällig hatte sie dann von dem neuen Bandscheibendübel gehört und Dr. Ernstberger angerufen. "Zurzeit habe ich nur Schmerzen, wenn ich lachen muss: wegen der Narbe."


Mit seinem elastischen Kern aus Silikon erhält der neuartige Bandscheibendübel teilweise die Beweglichkeit und die Federfunktion der Wirbelsäule. Der raue Metall-Mantel verankert die künstliche Bandscheibe fest in den benachbarten Wirbelkörpern. Die Silikonscheibe im Bandscheibendübel soll die Federfunktion einer Zwischenwirbelscheibe teilweise ersetzen. "Üblicherweise werden Bandscheibenschäden in der unteren Lendenwirbelsäule behandelt, indem der geschädigte Bereich komplett versteift wird. Die benachbarten Wirbelkörper nutzen sich dann aber stärker ab, und die Schmerzen können erneut auftreten. Der neue, elastische Bandscheiben-Spacer könnte eine echte Alternative zu bisherigen Verfahren werden", sagt Dr. Ernstberger. "Mir war wichtig, dass meine Wirbelsäule eine gewisse Mobilität behält. Eine Vollversteifung wollte ich nicht", sagt die Patientin Nadine Ösch, die sich wenige Tage nach der Operation "fast wieder normal bewegen" konnte.

Eine Vollmetall-Version des neuen Bandscheiben-Dübels wurde bereits 1997 von Prof. Arnold zusammen mit der Firma ESKA-Implants GmbH & Co, Lübeck, entwickelt. Später ergänzten die Partner den zunächst massiven Metallbolzen durch eine Scheibe aus elastischem Silikon. Die Tauglichkeit des Dübels wurde in biomechanischen Labortests bestätigt. Im Rahmen der klinischen Studie sollen über zwei Jahre etwa 30 Patienten behandelt werden, bevor eine abschließende Beurteilung des Verfahrens möglich ist.

Bandscheiben bestehen aus Bindegewebs-Scheiben mit weichem Kern. Zwischen den Wirbelkörpern der Wirbelsäule positioniert, puffern sie Stöße ab und ermöglichen die Beweglichkeit des Rückens. Ist der äußere Bindegewebsring einer Bandscheibe geschwächt, kann sich der weiche Kern verschieben und Nerven einklemmen. Starke Rückenschmerzen können die Folge sein. Bandscheibenvorfälle entstehen häufig bei Fehl- oder Überbelastung der Wirbelsäule. Durch den Bandscheibenvorfall nähern sich die Wirbelkörper einander an, und die Wirbelsäule verliert im betroffenen Bereich ihre Festigkeit.

Informationen für Patienten sind unter der Telefonnummer 0551/39-69 04 zu erhalten.

Weitere Informationen:

Bereich Humanmedizin - Universität Göttingen
Abteilung Orthopädie
Dr. Thorsten Ernstberger
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551/39-26 56, -69 04
E-Mail: ternstberger@med.uni-goettingen.de

Bereich Humanmedizin - Georg-August-Universität Göttingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Stefan Weller
Robert-Koch-Str. 42 - 37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 99 59 - Fax: 0551/39 - 99 57
E-Mail: presse.medizin@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Bandscheibendübel Orthopädie Rückenschmerz Wirbelsäule

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive