Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Geschichte der Schilddrüsenforschung

28.09.2001


Tierexperimente medizinisch gerechtfertigt

Im ausgehenden 19. Jahrhundert haben Tierversuche wichtige Fragen der Schilddrüsenforschung beantwortet, die alternativ nur am Menschen hätten geklärt werden können. So erkannten die Mediziner die Bedeutung des Jods und dessen Mangelerscheinung in Form des Kropfs. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Robert Franzke vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Köln.

Die im Halsbereich aller Wirbeltiere und des Menschen gelegene Schilddrüse produziert Hormone, die Stoffwechselprozesse des Körpers steigern und das Wachstum im Kindesalter steuern. Erst Experimente an Tieren, wie Hunden und Katzen, gaben Aufschluss über diese Funktionen der Drüse. Zuvor war es Ärzten im ausgehenden 19. Jahrhundert nicht gelungen, Schilddrüsenerkrankungen erfolgreich zu therapieren. Krankhafte Drüsen wurden damals aus Unwissenheit entfernt, was jedoch zunächst unerklärliche körperliche Mangelerscheinungen am Patienten hervorrief, wie z.B. Aufgedunsenheit von Gesicht und Körper. Bei Tieren führte die Operation zum Tode.

Nach diesen Vorfällen wurden Bedeutung und Unentbehrlichkeit der Schilddrüse für den Organismus durch Entfernen und Transplantation der Drüse an Tieren geklärt. Innerhalb von zehn Jahren, von 1895 bis 1905, wurde sowohl Jod als unentbehrlicher Bestandteil des tierischen und menschlichen Organismus in der Schilddrüse nachgewiesen, als auch seine Funktion als essentieller Baustein des Schilddrüsenhormons bekannt. Die Wirkung dieses Hormons wurde an gesunden Tieren erprobt: Die zusätzliche Zufuhr löste eine gesteigerte Stoffwechseltätigkeit aus und führte zu Gewichtsverlust - eine Methode, die Ende des 19. Jahrhunderts als "Schilddrüsentherapie" unter übergewichtigen Patienten Furore machte.

Es war dem behandelnden Arzt überlassen, ob er eine solche Therapiemethode auf Wunsch des Patienten an ihm durchführte. Dennoch sprachen in der Grundlagenforschung vor allem praktische Gründe, wie die absolute Kontrolle der Versuchsbedingungen bei einem Experiment, für den Tierversuch. Gelegentlich wurden jedoch um der leichteren Übertragbarkeit der Ergebnisse Willen Experimente an Insassen von Irrenanstalten durchgeführt. Diese Methode entbehrt heutzutage jeder ethischen Grundlage und zeigt retrospektiv, so Dr. Franzke, die Notwendigkeit und den Erfolg der Versuche am Tier auf.

Für Rückfragen steht Ihnen Herr Dr. Robert Franzke unter der Telefon- und Faxnummer 03837831706 und unter der Email-Adresse franzke4you@gmx.de zur Verfügung.

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html

Weitere Berichte zu: Schilddrüsenforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften