Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

WEANING - Hoffnung für Patienten mit künstlicher Beatmung

11.11.2005


In Greifswald wurde die erste universitäre Spezialintensivstation zur Entwöhnung von Langzeitbeatmung eröffnet



Der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende, Prof. Claus Bartels, hat heute am Greifswalder Universitätsklinikum die erste universitäre Weaning-Station Deutschlands eröffnet. Die Weaning-Station komplettiert das fachliche Spektrum des 2002 in der Hansestadt gegründeten ersten interdisziplinären Thoraxzentrums Mecklenburg-Vorpommerns, in dem Lungenexperten und Thoraxchirurgen eng zusammenarbeiten. Die Spezialintensivstation wird vom Pulmologen Prof. Ralf Ewert geleitet. Die Technik der neuesten Generation stammt von Dräger Medical aus Lübeck. Die Einrichtung eines Weaningplatzes auf höchstem technischen Standard kostet 100.000 €.

... mehr zu:
»Langzeitbeatmung


Mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren ein weiteres gravierendes klinisches Problem herauskristallisiert. Einerseits nehmen schwere chronische Lungenerkrankungen rapide zu, andererseits können auch hoch betagte Menschen heute relativ komplikationsfrei operiert werden. Doch gerade diese beiden Patientengruppen leiden häufig unter mehreren Krankheiten, die oftmals eine schwere Störung der Atemwegsorgane nach sich ziehen. Im krankheitsbedingten Extremfall, bei schweren Infektionen oder aber auch durch einen Unfall kann das zur Lungeninsuffizienz führen. Die Patienten sind dann nicht mehr in der Lage, eigenständig zu atmen. Noch während der notwendigen künstlichen Beatmung setzt das so genannte Weaning an.

Als Weaning (englisch to wean = "abstillen") bezeichnet man die Phase der Entwöhnung eines beatmeten Patienten vom Beatmungsgerät, also einer maschinellen Atemunterstützung, die bislang zumeist auf einer Intensivstation stattfindet.

Nach invasiver Langzeitbeatmung mittels Luftröhrenschnitt bei schweren Erkrankungen oder Verletzungen stellt sich die Entwöhnungsphase des Patienten oft als äußerst schwierig dar. Teilweise benötigt es sehr lange Zeit, im Einzelfall bis zu mehreren Wochen, bis die Atemarbeit wieder vollständig selbst übernommen werden kann. Dabei wird die Atemunterstützung durch das Beatmungssystem beständig durch Veränderung der Einstellungen am Gerät reduziert. Über zwei Computer und ein Patientenmanagementsystem an jedem Weaning-Platz können die zwei Fachärzte und 14 Schwestern laufend die Echtzeitwerte der automatischen Beatmung überwachen. Für momentan maximal sieben Patienten sorgen zusätzlich zwei Physiotherapeuten für die Reaktivierung der Vitalitätsfunktionen und der Atemmuskulatur. Eigens für die Weaning-Station wurden zusätzlich erstmals amerikanische Spezialbetten angeschafft. Die Hill-Rom-Betten ermöglichen eine optimale Eigenmobilisierung der Patienten. Mittels Knopfdruck verwandelt sich das High-Tech-Bett längsseits in einen Sessel und eine Aufstehhilfe.

Trennung von Intensivstation und Weaning

Gegenwärtig verfügen die Bundesländer nicht über ausreichend stationäre Beatmungskapazitäten, so dass diese Patienten unnötig lange Intensivbetten belegen, ohne dass auf ihre sehr individuellen Lungenprobleme eingegangen werden kann. Mit der Einrichtung einer hoch spezialisierten Weaning-Station geht die Uniklinik Greifswald jetzt neue Wege in der Krankenbehandlung und Erforschung der Langzeitbeatmung. Es findet eine Trennung zwischen allgemeiner Intensivstation, die hauptsächlich für die Versorgung von Notfällen und frisch operierten Patienten vorgehalten wird, und einer fachlich ausgerichteten "Beatmungsentwöhnungsstation" statt. Die Heilungschancen der Betroffenen von derzeit 30 bis 50 Prozent sollen durch die Weaning-Station im modernsten Lungenzentrum Mecklenburg-Vorpommerns künftig deutlich erhöht werden. Die Lungenexperten in Greifswald sehen sich mit der neuen Station auf ein aktuelles Bedarfsproblem, das künftig noch stärker an Bedeutung gewinnen wird, beispielgebend eingestellt.

Dräger Medical ist einer der weltweit führenden Hersteller medizintechnischer Geräte. Der Teilkonzern der Drägerwerk AG bietet Produkte, Dienstleistungen und integrierte Lösungen entlang der Patientenprozesskette: von der Notfallmedizin, über den Perioperativen Bereich, der Intensiv- und Perinatalmedizin bis hin zu Home Care. Die Dräger Medical hat ihren Hauptsitz in Lübeck und beschäftigt weltweit rund 6.000 Mitarbeiter (www.draeger-medical.com).

Universitätsklinikum Greifswald
Klinik Innere Medizin B
Leiter Weaning-Station: Prof. Dr. med. Ralf Ewert
Friedrich-Loeffler-Straße 23, 17487 Greifswald
T +49 (0)3834/86 67 76
F +49 (0)3834/86 66 57
E ewert@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-greifswald.de
http://www.draeger-medical.com

Weitere Berichte zu: Langzeitbeatmung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Ein neuer Ansatz bei Hyperinsulinismus
18.09.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

“Lasers in Composites Symposium” in Aachen – from Science to Application

19.09.2017 | Event News

I-ESA 2018 – Call for Papers

12.09.2017 | Event News

EMBO at Basel Life, a new conference on current and emerging life science research

06.09.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

“Lasers in Composites Symposium” in Aachen – from Science to Application

19.09.2017 | Event News

New quantum phenomena in graphene superlattices

19.09.2017 | Physics and Astronomy

A simple additive to improve film quality

19.09.2017 | Power and Electrical Engineering