Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bibliotherapie bei ADS

10.11.2005


Wirksames Mittel gegen Verhaltensstörungen bei Vorschulkindern



Mithilfe eines Elternratgebers in Form eines Buches können verhaltensgestörte Vorschulkinder erfolgreich therapiert werden. Die sogenannte Bibliotherapie ist bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) nicht nur begleitend zu einer medikamentösen Behandlung, sondern auch als eigenständige Maßnahme anwendbar. Sowohl für das Kind, als auch auf Seiten der Eltern ist die Therapie ein wirksames Verfahren. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von Dr. Frauke Kierfeld aus der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität zu Köln.

... mehr zu:
»ADS »Bibliotherapie


Bei der Bibliotherapie arbeiten die Eltern mit einem schriftlichen Ratgeber und werden dabei telefonisch von Ärzten/Psychologen betreut. Im Rahmen der Anrufe besprechen sie Verständnis, Umsetzung und Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen. Außerdem finden neben dem Erstgespräch eine Eingangs-, Verlaufs- und Abschlussdiagnostik statt sowie das schrittweise Durcharbeiten des Buches. Die Bibliotherapie versteht sich also als eine Art telefonisch angeleitetes Selbsthilfeprogramm. In der von Dr. Kieferfeld durchgeführten Studie wurde dazu der Elternratgeber "Wackelpeter und Trotzkopf" verwendet, der 14 aufeinander aufbauende Stufen behandelt, die Schritt für Schritt bei der Therapierung helfen sollen.

Angewendet wird die Methode vorwiegend bei ADS. Kinder, die unter diesem Syndrom leiden, lassen sich meist leicht ablenken und haben ein geringes Durchhaltevermögen. Kommt Hyperaktivität und Impulsivität hinzu, wird von ADHS (=Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätssyndrom) gesprochen. Da auch die Eltern oft unter dem problematischen Verhalten ihrer Kinder leiden und da die Erziehung eine wichtige Rolle im Umgang mit verhaltensgestörten Kindern spielt, behandelt der von Dr. Kieferfeld genutzte Ratgeber das Erziehungsverhalten der Eltern und regt zur Veränderung der Eltern-Kind-Interaktion an.

Durch die Bibliotherapie steigt die Aufmerksamkeitsleistung der untersuchten Kinder spürbar an; gleichzeitig nimmt die Hyperaktivität ab. Die Impulsivität der Patienten verringert sich in geringerem Maße. Ein positives Verhalten baut sich zwar nur in Ansätzen auf, das problematische Verhalten wird jedoch erheblich abgebaut. Das Erziehungsverhalten der Eltern wird durch die Bibliotherapie effektiver. Viele Eltern geben hinterher weniger schnell nach und achten mehr auf die Einhaltung von Regeln und Grenzen. Veränderungen bei Erziehungskonflikten zwischen Vater und Mutter bleiben oft aus. Dies ist gerade dann der Fall, wenn nur ein Elternteil das Buch durcharbeitet. Trotz alldem reichen die Erfolge soweit, dass die Mehrheit der Erziehungsberechtigten nach der Therapie keinen erhöhten Handlungsbedarf mehr sieht.

Ganz ohne ärztliche/psychologische Unterstützung funktioniert die Bibliotherapie allerdings nicht: Die wöchentlichen Telefonate mit den Experten werden von den Eltern als unterstützend und als unabdingbar angesehen. Voraussetzung für einen Therapieerfolg ist auch die Situation der Erziehenden: Diese sollten von der Situation nicht zu belastet sein und darüber hinaus die deutsche Schriftsprache problemlos beherrschen. Die Bibliotherapie bietet sich dann an, wenn die Verhaltensauffälligkeiten des Kindes in erster Linie im häuslichen Kontext zu Problemen führen. Eltern, die primär das Problem im Kontakt mit anderen Kindern sehen, sind mit einem Behandlungsangebot besser aufgehoben, das auf anderen Ebenen ansetzt und nicht den Fokus auf das Eltern-Kind-Verhältnis legt. Zwar ist auch in solchen Fällen ein Erfolg mit der Bibliotherapie möglich, garantiert ist er, so Dr. Kierfeld, allerdings nicht.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Frauke Kierfeld unter der Telefonnummer 022/478-6102 und unter der E-Mail-Adresse frauke.kierfeld@uk-koeln.de zur Verfügung.

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de/pi/

Weitere Berichte zu: ADS Bibliotherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Makula-Degeneration – Deutschlands häufigste Augenerkrankung braucht mehr Aufmerksamkeit
30.05.2017 | Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

Transportproteine in unseren Körperzellen schützen uns vor gewissen Vergiftungen. Forschende der ETH Zürich und der Universität Basel haben nun die hochaufgelöste dreidimensionale Struktur eines bedeutenden menschlichen Transportproteins aufgeklärt. Langfristig könnte dies helfen, neue Medikamente zu entwickeln.

Fast alle Lebewesen haben im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt, um Giftstoffe, die ins Innere ihrer Zellen gelangt sind, wieder loszuwerden: In der...

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Center Smart Materials CeSMa erhält SilverStar Förderpreis 2017 für innovativen Druckmessstrumpf

30.05.2017 | Förderungen Preise

Alternative Nutzung von Biogasanlagen – Wachse aus Biogas für die Kosmetikindustrie

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie