Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Test hilft Frauen in den Wechseljahren

10.11.2005


Eine raffinierte Methode soll Dopingsünder künftig das Fürchten lehren: Mit SteroCheck lassen sich unter anderem neu entwickelte Anabolika schnell und kostengünstig nachweisen. Wissenschaftler der Universität Bonn haben das Verfahren ursprünglich entwickelt, um bei Frauen in der Menopause hormonelle Defizite wesentlich exakter messen und ausgleichen zu können. Auch zur Untersuchung der umstrittenen "Wechseljahre des Mannes" lässt sich SteroCheck einsetzen. Die Forscher stellen das zum Patent angemeldete Verfahren vom 16. bis 19. 11. auf der Medizin-Messe MEDICA in Düsseldorf (Halle 13, Stand D14) vor. Dort suchen sie nach Industriepartnern, um den Prototypen zur Serienreife zu entwickeln.


SteroCheck: So funktioniert’s (c) Dr. Sabine Daufeldt und Dr. Axel Allera



Ein Gen des Glühwürmchens soll künftig Dopingsünder entlarven helfen. Der nachtaktive Käfer produziert nämlich ein Enzym, das seinen Hinterleib zum Scheinwerfer macht: Die Luziferase. "Wir arbeiten mit veränderten menschlichen Prostata-Zellinien, da der Bauplan für die Luziferase im Organismus von Wirbeltieren natürlicherweise nicht vorkommt", erklärt Dr. Sabine Daufeldt von der Bonner Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. "Die Zellen bilden jedoch nur dann das Leucht-Enzym, wenn sie mit Substanzen in Kontakt kommen, die wie ein männliches Geschlechtshormon wirken - zum Beispiel das natürliche Androgen Testosteron, aber auch synthetische Anabolika oder ganz andere Wirkstoffe." Gibt man zu den Prostatazellen solche "androgene" Substanzen, wird das Luziferase-Gen aktiviert: Die Zellen leuchten auf - je mehr Hormon, desto stärker. Dabei entdeckt SteroCheck auch neu entwickelte Dopingmittel, die noch gar nicht auf den Verbotslisten stehen. Ausschlaggebend ist einzig und allein die Aktivierung der Luziferase in den Zellen.



Zielgenaue Hormongabe

Ursprünglich haben Sabine Daufeldt und ihr Kollege Dr. Axel Alléra das Verfahren aber für ganz andere Aufgaben entwickelt: Zur Bestimmung der Hormonaktivität von Patientinnen mit Fruchtbarkeitsstörungen und Frauen in den Wechseljahren. In der Menopause bilden die Eierstöcke nämlich weniger weibliche Sexualhormone, die so genannten Östrogene. Zwei von drei Frauen reagieren darauf mit mehr oder weniger ausgeprägten körperlichen und psychischen Beschwerden - von Hitzewallungen und Kopfschmerzen bis hin zu Depressionen. In schweren Fällen versucht der Arzt, die Probleme mit Hormonpräparaten in den Griff zu bekommen. "Es ist aber nicht einfach, dabei die richtige, das heißt auf die Patientin genau abgestimmte Dosis zu finden", erläutert Alléra. "Normalerweise bestimmt der Arzt dazu die Konzentration des Östradiols, des wichtigesten Östrogens im Blut. Dann versucht er, die Differenz zum normalen Östradiolspiegel mit Hormongaben auszugleichen."

Die Faustregel "je weniger Östradiol, desto stärker die Beschwerden" stimmt jedoch nur eingeschränkt. Zum einen gibt es noch weitere Östrogene im Blut, die aber bei der Hormonersatztherapie üblicherweise nicht gemessen werden. Zudem wirken viele Substanzen aus der Umwelt - zum Beispiel Pestizide - selbst wie Östrogene, selbst wenn sie chemisch ganz anders aufgebaut sind. Auch Inhaltsstoffe von Sojabohnen oder Rotklee gehören dazu - ein Grund, warum Frauen in Japan, wo viel Soja gegessen wird, in den Wechseljahren nicht so starke Beschwerden haben. "Wir vermuten, dass eine passende biologische Gesamtaktivität für das Wohlbefinden wichtig ist", betont Daufeldt. "Wir haben daher eine SteroCheck-Variante entwickelt, mit der wir die östrogene Gesamtaktivität bestimmen können. Dazu verwenden wir Zelllinien aus der weiblichen Brust." Wahrscheinlich ist der "Wohlfühl-Hormonspiegel" zudem von Frau zu Frau verschieden. Prinzipiell könnten daher Gynäkologen mit SteroCheck schon vor der Menopause ein so genanntes Aktivitätsprofil ihrer Patientinnen bestimmen, um anhand dessen später hormonelle Defizite ganz gezielt und individuell auszugleichen.

Brauchen auch Männer Hormongaben?

Mit dem neuen Verfahren lässt sich auch ein angebliches Krankheitsbild untersuchen, das erst seit kurzem in den Fokus der Pharmabranche geraten ist: die natürliche altersbedingte Abnahme der Androgenkonzentration, die als "Wechseljahre des Mannes" bezeichnet wird. Einige Hersteller haben die neue Zielgruppe bereits für sich entdeckt und wollen den Symptomen beispielsweise mit Testosteron-Gels zu Leibe rücken. Unklar ist bislang aber noch, ab welchem Hormonspiegel überhaupt Behandlungsbedarf besteht - zumal auch beim Mann ein ganzer Mix von verschiedenen Hormonen am Werk ist. "Zu diesem Thema gibt es bislang noch viel zu wenige Studien", betont Sabine Daufeldt. Auch Frauen produzieren übrigens männliche Sexualhormone - allerdings liegen die Mengen gerade im Alter unter der Nachweisschwelle der meisten gängigen Methoden. SteroCheck ist aber so empfindlich, dass er selbst die Aktivität dieser niedrigen Dosen anzeigt. Damit eröffnen sich für die Forschung völlig neue Perspektiven: Welche Rolle die Androgene in der Frau spielen, ist nämlich erst in Ansätzen bekannt.

Kontakt:
Dr. Sabine Daufeldt und Dr. Axel Allera
Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
Zentrum für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-4047 oder -5145
E-Mail: s.daufeldt@uni-bonn.de oder allera@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Luziferase Menopause SteroCheck Wechseljahre Östrogen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen